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„Jetzt umstellen – oder verlieren“: Warum ohne Wasserstoffstrategie die deutsche Industrie ins Ausland geht

Die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung sollte die Industrie klimafit machen. Doch der Ausbau stockt – mit gravierenden Folgen. Eine Expertin warnt: Ohne entschlossene Wende verlieren wir nicht nur Märkte, sondern ganze Industriezweige an andere Länder.
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Lesezeit 2 Minuten

Die energieintensive Industrie steht unter Druck – ökologisch wie ökonomisch. Um Klimaziele zu erreichen und zugleich wettbewerbsfähig zu bleiben, setzt die Politik auf Wasserstoff als Schlüsseltechnologie. Doch zwei Jahre nach Vorstellung der Nationalen Wasserstoffstrategie zieht eine Wirtschaftsforscherin eine ernüchternde Bilanz: Der Ausbau ist zu langsam, die Infrastruktur fehlt, und große Unternehmen könnten bald dort produzieren, wo es einfacher und günstiger ist.

Deutschland hinkt hinterher – und verliert den Anschluss

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Die Idee war ambitioniert: Grüner Wasserstoff sollte zum Herzstück einer klimaneutralen Industrie werden – vor allem für Branchen wie Stahl, Chemie oder Zement, die bislang auf fossile Energien angewiesen sind.

Doch die Umsetzung stockt:

  • Die nötige Importinfrastruktur ist kaum vorhanden

  • Der Netzausbau für den Wasserstofftransport lässt auf sich warten

  • Elektrolyseure, mit denen Wasserstoff aus erneuerbarem Strom hergestellt wird, fehlen in großem Stil

„Wir sind im internationalen Vergleich zu langsam“, sagt eine Wirtschaftsforscherin im Gespräch.

Standortvorteil schmilzt – Produktion wandert ab

Industrieunternehmen, die sich auf den Wandel vorbereiten wollen, finden zu wenig verlässliche Rahmenbedingungen vor:

  • Energiepreise in Deutschland bleiben hoch

  • Genehmigungsverfahren dauern zu lange

  • Investitionsanreize reichen nicht aus

Die Folge:

„Wenn wir jetzt nicht umstellen, wandert die energieintensive Industrie ab – und zwar dauerhaft“, warnt die Expertin.

Vor allem Stahlkonzerne könnten in wenigen Jahren große Märkte nicht mehr bedienen – schlicht, weil andere Länder mit grünem Stahl vorausgehen und der deutsche Rohstoff den CO₂-Anforderungen nicht mehr genügt.

Wasserstoff – Hoffnungsträger mit Hindernissen

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Dabei bietet Wasserstoff enorme Chancen:

  • Dekarbonisierung schwerer Industrieprozesse

  • Langfristige Speicherlösung für erneuerbare Energie

  • Neue Exportmärkte für Technologie „made in Germany“

Doch der Durchbruch bleibt aus, solange die Politik nicht entschlossener handelt:

  • Schnellere Flächenausweisung für Elektrolyseure

  • Klarere Förderbedingungen

  • Europäisch abgestimmte Transportinfrastruktur

Internationale Konkurrenz schläft nicht

Länder wie Norwegen, die Niederlande, Australien oder Chile investieren längst massiv in die Wasserstoffwirtschaft – teils mit Staatsgarantien und klaren Exportstrategien.

„Wenn Deutschland jetzt nicht handelt, sichern sich andere die Märkte – und wir kaufen später den Wasserstoff ein, den wir selbst hätten erzeugen können.“

Fazit: Die Zeit zum Zögern ist vorbei

Die Warnung der Wirtschaftsforscherin ist deutlich:

„Ohne schnelle Umstellung droht uns nicht nur der Verlust ganzer Industriezweige, sondern auch eine Schwächung unserer Position in der globalen Energiewende.“

Der Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur ist kein Zukunftsprojekt mehr – sondern eine dringende Gegenwartsaufgabe. Nur mit politischen Entscheidungen, die Planungssicherheit schaffen, kann die Industrie hierzulande klimaneutral UND wettbewerbsfähig bleiben.

Quelle: www.welt.de

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