Zum Inhalt springen
Welt

Hollywood auf der Abschussliste: China plant angeblich Importverbot für US-Filme

Während Donald Trumps eskalierender Handelskrieg gegen den Rest der Welt weiter tobt, beginnen betroffene Länder offenbar, gezielt auf Amerikas kulturelle Aushängeschilder zu zielen.
Von AJ Dellinger Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Laut einem Bericht des Hollywood Reporter prüft China derzeit, ob es US-amerikanische Filme und Serien komplett vom chinesischen Markt ausschließen will – ein Schritt, der mehr treffen würde als nur das amerikanische Portemonnaie.

Zwei prominente chinesische Medienfiguren haben nahezu zeitgleich über genau diesen möglichen Vergeltungsschritt berichtet. Liu Hong, leitender Redakteur bei der staatlich geförderten Nachrichtenplattform Xinhuanet, und Ren Yi, ein populärer Online-Influencer und Enkel des früheren Parteichefs von Guangdong, Ren Zhongyi, äußerten unabhängig voneinander, dass ein Importverbot für US-Produktionen zu den Maßnahmen zählen könnte, mit denen China auf die von Trump angekündigten Strafzölle reagieren möchte.

Und diese Strafzölle haben es in sich: Ganze 104 Prozent sollen ab Mitternacht auf chinesische Produkte erhoben werden – ein Schritt, der aus Pekings Sicht kaum unbeantwortet bleiben dürfte. Laut Bloomberg prüft die chinesische Regierung neben dem Hollywood-Bann weitere Maßnahmen, darunter die Aussetzung der Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Fentanyl-Schmuggels, neue Zölle auf US-Agrarprodukte sowie Ermittlungen gegen amerikanische Firmen wegen möglicher Urheberrechtsverletzungen in China.

Das Verbot von Filmen ist dabei wohl die symbolträchtigste – und kreativste – Option. Bisher war Hollywood von Trumps Strafzöllen weitgehend verschont geblieben, da Film- und TV-Produktionen formal als Dienstleistungen gelten und damit außen vor waren. Doch das schützt die Branche keineswegs vor den indirekten Auswirkungen: Einem Bericht von Deadline zufolge könnten US-Studios zunehmend auf Drehs im Ausland verzichten, um nicht ins Visier der Regierung zu geraten. Auch das Marketing leidet – vor allem, wenn die Wirtschaft schwächelt und Unternehmen weniger Werbebudget investieren.

China hat sich in den letzten Jahren bewusst vom Hollywood-Import emanzipiert. Mit massiven Investitionen in die eigene Filmindustrie hat das Land es geschafft, Blockbuster mit Milliardenumsätzen selbst zu produzieren. Trotzdem schlagen US-Filme international nach wie vor ein – wenn sie denn durchkommen. Ironischerweise führte am vergangenen Wochenende ausgerechnet „A Minecraft Movie“, ein amerikanischer Kinoexport, die chinesischen Kinocharts an – ein chaotischer, aber erfolgreicher Film, der zeigt, wie stark der kulturelle Einfluss der USA noch immer ist.

Hollywood hat sich diesen Markt lange Zeit zurecht warm gehalten. Manche Studios integrieren gezielt chinesische Elemente oder Schauspieler in ihre Produktionen, um beim chinesischen Publikum besser anzukommen. Kein Wunder: China ist inzwischen der zweitgrößte Kinomarkt der Welt – ein Markt, auf den kaum ein Studio freiwillig verzichten würde.

Doch wenn es nach Trump geht, scheint genau das jetzt aufs Spiel gesetzt zu werden. Sein Ziel, das Handelsdefizit der USA auszugleichen, basiert auf einem wirtschaftlich fragwürdigen Verständnis von Import und Export. In Wahrheit ist Amerika eine gigantische Konsumnation, und Handelsdefizite sind oft eher Ausdruck wirtschaftlicher Stärke als von „Unfairness“. Besonders bitter: Hollywood ist einer der wenigen Industriezweige, in denen die USA tatsächlich regelmäßig einen Handelsüberschuss erzielen. Amerikanische Produktionen erzielen weltweit deutlich mehr Einnahmen als ausländische Filme in den US-Kinos.

Wenn China also tatsächlich den Stecker für US-Filme zieht, wäre das nicht nur ein politischer Warnschuss – es würde auch eine der letzten profitablen Exportindustrien der USA empfindlich treffen. In einem Krieg, den niemand wollte, scheint nun auch das Kino zum Schlachtfeld zu werden.

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel