In einem explosiven Post auf seiner Plattform Truth Social kündigte der US-Präsident am Montag an, er werde zusätzliche 50 % Zoll auf chinesische Waren verhängen, sollte China nicht bis zum 8. April seine eigenen Vergeltungszölle zurücknehmen. Damit würde der Gesamtzollsatz auf Importe aus China auf absurde 104 % steigen.
Tarifkrieg 2.0: Chaos made in Washington
„Wenn China die 34 % zusätzlichen Zölle nicht bis morgen, dem 8. April 2025, zurückzieht, werden die Vereinigten Staaten ZUSÄTZLICHE Zölle in Höhe von 50 % erheben – gültig ab dem 9. April“, schrieb Trump.
Dabei hatte er erst vergangene Woche bei seiner skurrilen „Liberation Day“-Rede im Rosengarten des Weißen Hauses neue 34 % Zölle auf chinesische Produkte angekündigt – zusätzlich zu den bereits bestehenden 20 %. Was das Ganze noch verwirrender macht: Es ist völlig unklar, ob die angekündigten 104 % das tatsächliche Maximum darstellen oder einfach ein weiterer Zahlensalat aus dem Hause Trump sind.
Denn wie üblich lieferte der Präsident keine Klarheit darüber, wie seine Tarife überhaupt berechnet werden. Schon bei der letzten Ankündigung sorgte eine groteske Infografik im Weißen Haus für kollektives Stirnrunzeln: Analysten und Journalist*innen versuchten vergeblich, die dargestellten Zahlen zu entschlüsseln. Wie sich herausstellte, hatte das Trump-Team willkürliche Rechenmethoden verwendet, bei denen etwa das Handelsdefizit eines Landes durch seine US-Importe geteilt und dann halbiert wurde – um daraus einen angeblichen „Zollsatz“ zu basteln. Selbst Länder mit Handelsüberschuss wie Australien wurden mit pauschalen 10 % Zöllen belegt.
Diplomatie? Fehlanzeige
In seinem Post ließ Trump auch wissen, dass sämtliche Gespräche mit China „sofort beendet“ würden, sofern das Land nicht einlenkt. Gleichzeitig kündigte er an, Verhandlungen mit anderen Staaten aufzunehmen, die ebenfalls Termine mit den USA angefragt hätten. Übersetzt heißt das: Mit China wird nicht geredet, mit dem Rest der Welt vielleicht schon – wenn Trump Lust dazu hat.
Märkte im freien Fall – dank eines Fake-Tweets
Am Montag spielten auch die Finanzmärkte verrückt. Nach Handelsstart ging es steil bergab, dann plötzlich wieder nach oben – ausgelöst durch einen Tweet des bekannten X-Nutzers „Walter Bloomberg“. Der Account, der fälschlicherweise mit der Nachrichtenagentur Bloomberg assoziiert wird, verbreitete die Behauptung, das Weiße Haus erwäge eine 90-tägige Zollpause – basierend auf einem Interview mit Trump-Berater Kevin Hassett bei Fox News.
Doch Hassett hatte in Wahrheit kaum etwas Konkretes gesagt. Auf die Frage nach einer möglichen Zollpause antwortete er lediglich: „Ich denke, der Präsident wird entscheiden, was der Präsident entscheiden wird.“ Die Interpretation des Internets: Die Zölle werden ausgesetzt! Die Reaktion: Börsen hoch. Wenig später dementierte das Weiße Haus die Meldung als „Fake News“ – und die Kurse stürzten erneut ab.
Bloomberg-Reporter Erik Wasson musste klarstellen, dass „Walter Bloomberg“ nicht zu seinem Haus gehöre. Trotzdem hatte der Tweet gereicht, um Billionen an Marktwert in Bewegung zu setzen. „Die Wirtschaft ist real, wenn ein gefälschtes Zitat per Tweet Billionen verschiebt“, schrieb ein User auf X.
Machtmissbrauch per Gesetz – und kaum Gegenwehr
Rein verfassungsrechtlich liegt das Zollrecht beim Kongress. Doch Trump beruft sich auf den International Emergency Economic Powers Act von 1977, der es Präsidenten erlaubt, in Notfällen wirtschaftliche Maßnahmen zu ergreifen. Sein Argument: Handelsdefizite seien ein „nationaler Notfall“.
Senator Chuck Grassley (Republikaner, Iowa) hat deshalb letzte Woche ein Gesetz eingebracht, das die präsidialen Befugnisse wieder einschränken soll. Sieben Republikaner unterstützen den Entwurf bereits, doch im Repräsentantenhaus blockt Speaker Mike Johnson – ein loyaler Trump-Verbündeter – jede Debatte darüber ab.
Ein Präsident gegen die Welt
Niemand weiß, was in dieser Woche noch auf die Weltwirtschaft zukommt. Doch klar ist: Es wird nicht vernünftiger. Trump scheint entschlossen, einen globalen Wirtschaftskrieg zu entfesseln – mit unklaren Zielen und unberechenbaren Mitteln. Und wie die Geschichte zeigt, ist ein solcher Alleingang selten gut für das Land, das ihn startet.
„Don’t be a PANICAN“, schreibt Trump auf Truth Social – ein neues Wort, das offenbar für Amerikaner*innen steht, die angesichts seiner Entscheidungen in Panik geraten. Vielleicht wäre ein bisschen mehr Panik aber gerade ganz angebracht.