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Hasbro stellt ehrgeiziges Virtual-Tabletop-Projekt für Dungeons & Dragons ein

Projekt Sigil nach jahrelanger Entwicklung eingestellt – 30 Mitarbeiter entlassen
Von James Whitbrook Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Hasbros ambitioniertes 3D-Virtual-Tabletop-Tool „Sigil“, das erst vor Kurzem in einer unfertigen Early-Access-Version für die Öffentlichkeit veröffentlicht wurde, wird Berichten zufolge eingestellt. Stattdessen soll das Projekt in das bestehende D&D Beyond Virtual Tabletop-System „Maps“ integriert werden.

Laut einem Bericht von Rascal News wurde diese Entscheidung in einer internen Mitteilung an die Mitarbeiter von Wizards of the Coast (WOTC) bestätigt. Dort heißt es, dass Sigil „zu einem Feature von DDB wird“ und dass das bereits entwickelte Zusatzmaterial für die Nutzer kostenlos zur Verfügung gestellt werden soll. Gleichzeitig wurde bekannt gegeben, dass „der größte Teil des Sigil-Teams das Unternehmen diese Woche verlassen wird“ – insgesamt sind etwa 30 Mitarbeiter betroffen.

Zu große Vision, zu viele Probleme

„Nach mehreren Monaten des Alpha-Tests sind wir zu dem Schluss gekommen, dass unsere ehrgeizigen Pläne für Sigil als eigenständiges Spiel mit einer separaten Monetarisierungsstrategie nicht realisierbar sind“, heißt es in der internen Mitteilung weiter. „Auch wenn wir unsere Vision für Sigil nicht vollständig umsetzen konnten, kann das Team stolz auf das Erreichte sein.“

WOTC hat sich bisher nicht offiziell zu den Berichten geäußert. Allerdings bestätigte Sigil-Designleiter und WOTC-Game-Rules-Spezialist Andy Collins bereits in einem LinkedIn-Post die Entlassungen. Laut Collins betrifft die Entscheidung rund 90 % des aktuellen Sigil-Entwicklungsteams – ihn eingeschlossen.

Viel Hype, wenig Ergebnisse

Wizards of the Coast hatte Sigil erstmals im Sommer 2024 vorgestellt und große Versprechungen gemacht: Das mit Unreal Engine 5 entwickelte VTT-Tool sollte es Spielern und Dungeon Mastern ermöglichen, eigene 3D-Maps und Umgebungen zu erstellen und mit hochdetaillierten Charaktermodellen zu bespielen. Besonders gehypt wurde die Integration beliebter Figuren aus Baldur’s Gate 3, darunter Astarion und Karlach – ein offensichtlicher Versuch, vom Erfolg des Rollenspiel-Hits von Larian Studios zu profitieren.

Doch nach der großen Ankündigung wurde es still um das Projekt. Der erste öffentliche Playtest, exklusiv für D&D Beyond-Nutzer mit Master-Tier-Abonnement, sorgte für Enttäuschung: Trotz beeindruckender Grafik war das System voller Bugs, schwer zugänglich und weit entfernt von der großen Vision, die Wizards of the Coast angekündigt hatte.

Interne Konflikte und Unklarheiten

Zusätzliche Berichte von Rascal News legen nahe, dass die Entwicklung von Sigil von internen Streitigkeiten und einer unklaren Ausrichtung geprägt war. Angeblich gab es Uneinigkeiten zwischen dem Hasbro-Management – das Sigil eher als eigenständiges Videospiel mit Potenzial zur Integration anderer Hasbro-Marken sah – und dem Entwicklerteam, das sich auf das Virtual Tabletop konzentrieren wollte.

Darüber hinaus soll es Spannungen zwischen den Sigil-Entwicklern und dem Team von D&D Beyond gegeben haben, das parallel das „Maps“-VTT-System entwickelte. Berichten zufolge wurde dem Sigil-Team der Zugriff auf interne Beyond-Daten verweigert, was die Entwicklung weiter erschwerte.

Was bleibt von Sigil?

Nun soll das verbleibende Team mit der D&D Beyond-Mannschaft zusammenarbeiten, um die letzten brauchbaren Sigil-Elemente in das bestehende „Maps“-System zu übertragen. Ob und in welchem Umfang die versprochenen Features tatsächlich umgesetzt werden, bleibt abzuwarten.

Wir halten euch auf dem Laufenden, sobald es neue Entwicklungen gibt.

 

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