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Welt

Golf-Himmel dicht: Fünf Länder stoppen Flugverkehr nach iranischem Raketenalarm

Die koordinierte Schließung des Luftraums in fünf Golfstaaten ist die heftigste Unterbrechung der Flugrouten seit dem Golfkrieg 1991. Den Anfang machte Katar, nur wenige Stunden bevor sechs iranische Raketen über Doha abgeschossen wurden.
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In den frühen Morgenstunden des Montags griffen mehrere Staaten rund um den Persischen Golf zu einer drastischen Maßnahme: Sie machten ihren Luftraum komplett dicht. Zuerst sickerte nur durch, dass „mehr als ein Land“ betroffen sei – die genauen Hintergründe und die volle Liste der Staaten wurden erst Stunden später bestätigt.

Raketenalarm über Doha

Im angespannten Klima gegenseitiger Drohungen eskalierte die Lage endgültig, als in Doha die Sirenen losheulten: Iranische Raketen waren über dem US-Stützpunkt Al Udeid abgefangen worden. Dieser Vorfall brachte Katar, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Irak dazu, den Himmel zu schließen und Tausende von Flügen auf unbestimmte Zeit zu stoppen.

Wie kam es zum Flugchaos?

Der Auslöser war eine militärische Eskalation nur 48 Stunden zuvor: US-Bomber vom Typ B-2 hatten iranische Ziele in Fordo, Natanz und Isfahan angegriffen. Teheran drohte mit Vergeltung – und setzte diese prompt um, indem es den US-Stützpunkt Al Udeid in Katar beschoss. Zwar konnten Katars Patriot-Abwehrraketen die Angriffe erfolgreich abfangen, doch die hellen Leuchtspuren über Dohas Himmel reichten, um bei den Fluglotsen die Alarmstufe Rot auszulösen.

Gerade mal 30 Minuten später veröffentlichte Katars Luftfahrtbehörde eine offizielle NOTAM-Meldung: „Luftraum geschlossen für jeglichen nicht genehmigten zivilen und militärischen Verkehr.“ Es folgte eine Kettenreaktion: Bahrain, wo die 5. US-Flotte stationiert ist, sprach von einem „inakzeptablen Risiko“ und stellte den Flugverkehr komplett ein. Kuwait, ein wachsender Knotenpunkt zwischen Europa und Asien, leitete ankommende Flüge nach Riad und Maskat um. Selbst die sonst auf offene Grenzen bedachten Emirate kappten die Luftkorridore über Abu Dhabi und Dubai – Dutzende A380-Maschinen blieben am Boden.

Chaos am Boden – und bei den Finanzen

Der Luftraum über dem Golf ist normalerweise eine Hauptverkehrsader zwischen Europa und dem Indo-Pazifik. Durch die Sperrung von fünf wichtigen Knotenpunkten müssen Airlines nun große Umwege fliegen – teils mit 90 Minuten mehr Flugzeit und einem entsprechend höheren Kerosinverbrauch. Singapore Airlines, Air France und British Airways strichen Flüge nach Doha und Dubai. Qatar Airways stellte den Betrieb ein und bietet nun Express-Erstattungen per App an. Emirates verlegt ihre Verbindungen nun über Jeddah oder Salalah.

Auch der Frachtverkehr leidet: DHL und FedEx mussten verderbliche Ware nach Dammam umlagern. Jeder einzelne Tag mit Flugverbot kostet die Logistikkonzerne Millionen. Und auch der Ölmarkt reagiert nervös: Sollte die Lage anhalten, könnte der Brent-Preis die Marke von 105 US-Dollar pro Barrel überschreiten – denn Luftraumsperrungen gelten oft als Vorboten möglicher maritimer Blockaden in der Straße von Hormus, durch die rund 20 % des globalen Ölhandels laufen.

Wie geht es jetzt weiter? Mögliche Szenarien

Stufenweise Öffnung (optimistisch)
Sollten Washington und Teheran ein technisches Waffenstillstandsabkommen erzielen, könnten die Luftraumsperrungen binnen 48 bis 72 Stunden aufgehoben werden. In etwa einer Woche wäre der Flugverkehr wieder weitgehend normal, mit nur geringen Preisaufschlägen für Tickets.

Anhaltende Teilsperrungen (realistisch)
Katar und Bahrain dürften den Luftraum weiter geschlossen halten, während Kuwait und die Emirate tagsüber begrenzte Korridore öffnen. Für einige Strecken könnte das Mehrkosten von bis zu 12 % durch zusätzlichen Treibstoff und höhere Versicherungsprämien bedeuten.

Eskalation (pessimistisch)
Sollte es zu weiteren Raketenangriffen auf US-Stützpunkte im Irak oder auf Energieinfrastruktur in Saudi-Arabien kommen, könnte die ICAO (Internationale Zivilluftfahrtorganisation) eine regionale Flugverbotszone ausrufen. In dem Fall könnte der Ölpreis auf bis zu 135 US-Dollar pro Barrel steigen.

Was Reisende jetzt tun sollten

Für Passagiere gilt: Offizielle Informationskanäle beobachten und Buchungen mit Zwischenstopps in der Golfregion vorerst meiden, bis die Warnstufen von „Rot“ auf „Gelb“ heruntergestuft werden. Westliche Botschaften raten zudem, Notfallvorräte an Wasser und Medikamenten bereitzuhalten und die Reisepässe griffbereit zu haben – für den Fall möglicher Evakuierungen.

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