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IATA schlägt Alarm: Diese drei Schritte sollen den weltweiten Flugverkehr retten

Die Lage wirkt stabil, aber der Schein trügt
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Lesezeit 3 Minuten

Der kommerzielle Luftverkehr hat sich seit der Pandemie scheinbar erholt, und für 2025 rechnet die Branche mit Umsätzen von fast einer Billion US-Dollar. Doch bei der 81. Generalversammlung der IATA in Neu-Delhi zeichnete sich ein anderes Bild ab: Die Internationale Luftverkehrs-Vereinigung schlägt Alarm. Trotz leichter Gewinne warnt sie vor einem drohenden Stillstand, sollte nicht entschlossen gehandelt werden.

Mehr als 300 Fluggesellschaften waren vertreten, um über die Herausforderungen zu sprechen. Zwar wird für 2025 ein Gewinn von rund 36 Milliarden Dollar erwartet, doch das liegt unter den ursprünglichen Prognosen. Auch bei den Passagierzahlen musste die IATA zurückrudern: Weniger als 5 Milliarden Reisende werden erwartet – deutlich unter der Marke von 5,22 Milliarden, die man zuvor angestrebt hatte.

Ein Wachstumsrekord sieht anders aus

© Pexels


Willie Walsh, Generaldirektor der IATA, betonte zwar die Widerstandsfähigkeit des Sektors, musste aber zugeben: Die Branche wird 2025 nicht wie erhofft die Schallmauer von einer Billion Dollar durchbrechen. Stattdessen dürfte sie bei rund 979 Milliarden Dollar landen. Um das Ruder herumzureißen, legte die IATA drei zentrale Prioritäten fest: mehr Sicherheit, erschwinglichere Flüge – und endlich echte Fortschritte beim Klimaschutz.

Priorität 1: Mehr Sicherheit in der Luft

Zwar gilt Fliegen nach wie vor als extrem sicher, doch die Statistik für 2024 mahnt zur Vorsicht: Bei 40,6 Millionen Flügen kam es zu sieben tödlichen Unfällen mit insgesamt 244 Todesopfern. Walsh hob die Rolle smarter Systeme wie „Turbulence Aware“ und der globalen Luftfahrtdatenbank GADM hervor. Letztere sammelt mittlerweile Daten von über acht Millionen Flügen.

Mithilfe von KI sollen solche Tools Risiken frühzeitig erkennen. Die IATA fordert außerdem von Regierungen eine intensivere Untersuchung von Unfällen – und den Schutz ziviler Flugzeuge in Konfliktgebieten.

Priorität 2: Fliegen darf kein Luxus sein

Die Ticketpreise sind laut IATA in den letzten zehn Jahren real um 40 % gesunken. Doch diese Entwicklung ist in Gefahr. Grund dafür sind Lieferengpässe in der Ersatzteilversorgung und logistische Probleme, die den Wettbewerb bremsen.

Walsh appellierte an Regierungen, Flughäfen und Airlines, endlich enger zusammenzuarbeiten. Weniger Bürokratie, stabilere Rahmenbedingungen und effizientere Prozesse seien entscheidend für den Fortbestand vieler Routen. Besonders kritisierte er Länder wie die Niederlande, die Starts und Landungen aus Lärmschutzgründen einschränken – ohne die Klimaschutzbemühungen der Branche zu berücksichtigen.

Priorität 3: Nachhaltigkeit muss endlich ernst gemeint sein

Laut Walsh ist dies die größte Herausforderung. 2021 hatten sich die IATA-Mitglieder verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu sein. Doch bisher ist wenig passiert. Der Anteil von SAF (nachhaltigem Flugkraftstoff) liegt noch unter 1 %, staatliche Förderungen sind in vielen Regionen schlicht nicht vorhanden.

Hinzu kommt politischer Gegenwind: Neue Steuern auf den Flugverkehr und mangelnde Unterstützung für das Emissionsprogramm CORSIA bremsen die Klimaziele zusätzlich aus. Walsh machte deutlich: „Greenwashing reicht nicht. Wir brauchen endlich konkrete Maßnahmen.“

Krise bei der Flugzeugproduktion: Ein Engpass bremst die Zukunft

Ein weiterer Stolperstein: Der akute Mangel an neuen Flugzeugen. Die für 2025 geplanten Auslieferungen wurden um 26 % nach unten korrigiert – im Vergleich zur Planung des Vorjahres. Viele Jets, darunter auch moderne Modelle, stehen derzeit am Boden. Grund: Probleme bei Zulieferern und Verzögerungen in der Produktion.

Derzeit dauert es im Schnitt über 14 Jahre vom Auftrag bis zur Lieferung eines neuen Flugzeugs – ein Rekordwert. Gerade jetzt, wo sich die Nachfrage erholt, droht das zum echten Wachstumshemmer zu werden.

Ein Appell an Politik und Wirtschaft

Die IATA betont, dass die Luftfahrt nicht allein durch unternehmerischen Ehrgeiz gerettet werden kann. Es brauche entschlossene Maßnahmen – von Regierungen, Finanzinstitutionen, Aufsichtsbehörden und Herstellern. Nur mit einer gemeinsamen Vision und verlässlichen Rahmenbedingungen sei es möglich, eine sichere, faire und nachhaltige Luftfahrt für die Zukunft zu schaffen.

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