Zum Inhalt springen
Wissenschaft

Eine Sonnensturm-Entdeckung, so gewaltig wie Science-Fiction – nur dass sie real ist

Ein Fund in den Jahresringen uralter Bäume enthüllt das Datum des heftigsten jemals registrierten Sonnensturms. Doch das ist nicht alles: Diese Entdeckung könnte nicht nur unsere Vorhersage extremer Weltraumereignisse verändern, sondern auch revolutionieren, wie wir die Vergangenheit datieren.
Von

Lesezeit 2 Minuten

Auf den ersten Blick haben Bäume wenig mit der Sonne zu tun. Doch ihre Jahresringe können kosmische Geheimnisse bergen, die tausende Jahre zurückreichen. Eine neue Studie hat in ihnen die Spuren des stärksten jemals bekannten Sonnensturms entdeckt – mit weitreichenden Folgen, die über die Astronomie hinausgehen.

Ein beispielloser Sturm, verborgen in der Zeit

2
© Manuel Kapunkt – Pexels


Wissenschaftler fragten sich lange, wie stark die größte Sonneneruption der Erdgeschichte wohl gewesen sein könnte. Nun hat ein Forscherteam ein Ereignis identifiziert, das sich vor etwa 14.300 Jahren – am Ende der letzten Eiszeit – ereignet hat. Möglich wurde dies durch einen unerwarteten Helfer: das radioaktive Isotop Kohlenstoff-14 in den Jahresringen uralter Bäume.

Der Sturm war rund 500-mal intensiver als der stärkste, seit Beginn der Satellitenmessungen beobachtete. Sein genaues Datum: etwa 12.350 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Besonders bemerkenswert: Es ist der erste solche Nachweis außerhalb des Holozäns, unserer heutigen geologischen Epoche.

Was für ein Sturm war das – und wie wurde er entdeckt?


Sonnenstürme treten in verschiedenen Formen auf: von Funkstörungen bis hin zu geomagnetischen Stürmen. In diesem Fall handelte es sich um einen Sonnenpartikelsturm – gewaltige Mengen geladener Teilchen trafen auf die Erde, insbesondere auf die Pole, wo das Magnetfeld schwächer ist.

Entdeckt wurde das Ereignis mithilfe eines hochentwickelten Modells namens SOCOL:14C-Ex. Es simuliert die chemisch-klimatischen Auswirkungen solcher Teilchen auf die Konzentration von Kohlenstoff-14 in der Atmosphäre. Die Analyse ergab einen bisher nie dagewesenen Ausschlag dieses Isotops. Im Vergleich war das Ereignis etwa 18 % stärker als der bisherige Rekordsturm von 775 n. Chr.

Folgen weit über die Raumforschung hinaus

3
© Saliha Sevim – Pexels


Diese Entdeckung verschiebt nicht nur die bekannten Grenzen solaren Einflusses – sie liefert auch eine neue Grundlage für Risikoanalysen zukünftiger Stürme. „Sie hilft uns, besser zu verstehen, womit wir es im Extremfall zu tun bekommen könnten – und wie wir uns schützen“, sagt Studienmitautorin Kseniia Golubenko.

Darüber hinaus eröffnet sie neue Perspektiven in der Archäologie. Da Kohlenstoff-14 zentral für die Datierung organischer Funde ist, könnte das bessere Verständnis solcher Sonnenstürme unsere historischen Zeitrechnungen deutlich präzisieren.

Diese Studie, veröffentlicht in Earth and Planetary Science Letters, verändert nicht nur unser Bild der Sonnenaktivität – sie könnte auch unseren Blick auf die Zeit selbst neu definieren.

Quelle: Xataka

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel