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Welt

Ein neues Machtspiel erschüttert die Wirtschaft eines lateinamerikanischen Landes – Trump spielt die Hauptrolle

Eine stille, aber entschlossene Strategie rückt dieses Land erneut ins Zentrum des globalen politischen Schachbretts. Seine wirtschaftliche Zukunft hängt nun von Entscheidungen in Washington ab, während Öllizenzen zu Verhandlungswaffen werden. Was bezweckt Trump wirklich?
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Venezuela steht an einem kritischen Wendepunkt. Trotz zaghaften Anzeichen einer Erholung hängt seine Wirtschaft weiterhin an einem seidenen Faden – dem Öl. Und dieser Faden wird derzeit von den Vereinigten Staaten manipuliert. Donald Trump übt Druck aus – durch strategisch eingesetzte Lizenzen für ausländische Ölkonzerne –, und das Land steht erneut an einer gefährlichen Weggabelung. Die nächsten Entscheidungen könnten den unmittelbaren Kurs Venezuelas bestimmen.

Eine Wirtschaft gefesselt an Lizenzen

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© Sean Rayford / Getty Images – Gizmodo.

Präsident Donald Trump hat seinen Druck auf das Regime von Nicolás Maduro mit einem ungewöhnlichen, aber äußerst wirkungsvollen Mittel wieder aufgenommen: den Lizenzen, die es Ölunternehmen erlauben, in Venezuela zu operieren.

Diese Genehmigungen, ursprünglich 2022 unter Joe Biden erteilt, ermöglichten es Konzernen wie Chevron, Repsol, Maurel & Prom und Eni, trotz des von Trump 2019 verhängten Öl-Embargos tätig zu bleiben. Dadurch konnte Venezuela dringend benötigte Devisen erwirtschaften, und die Konzerne begannen, alte Schulden einzutreiben.

Doch nun stehen diese Lizenzen wieder auf dem Spiel. Besonders die von Chevron wird von Trump als Druckmittel genutzt, etwa um die Rückführung venezolanischer Migranten aus den USA zu erzwingen. Die Diskussionen über eine Verlängerung sind widersprüchlich: Während einige Verhandler von Fortschritten sprechen, meinen andere Regierungsvertreter, dass alles am 27. Mai enden könnte.

Dieses Hin und Her sorgt für Unsicherheit – sowohl bei Investoren als auch in der gesamten venezolanischen Wirtschaft. Laut dem Ökonomen Francisco Monaldi hat sich dadurch eine Art „politisches Pingpong“ entwickelt, das alle Akteure der Energiebranche ratlos zurücklässt.

Eine drohende wirtschaftliche Rückkehr zur Krise

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© Getty Images – Gizmodo

Die venezolanische Wirtschaft hat sich nach acht Jahren Rezession und verheerender Hyperinflation noch nicht erholt. Die Ölproduktion, die im Jahr 2000 über drei Millionen Barrel pro Tag lag, beträgt heute rund eine Million. Rund 30 % davon entfallen auf die Produktion durch ausländische Unternehmen.

Laut der Ökonomin Graciela Urdaneta lieferten diese Firmen bis zu 400.000 Barrel täglich für den Export – eine wichtige Quelle für Devisen und Wechselkursstabilität. Sollten die Lizenzen verfallen, könnte Venezuela erneut in eine Rezession stürzen: Die geplanten Einnahmen von 16 Milliarden Dollar jährlich könnten sich halbieren, warnt der Ökonom Manuel Sutherland.

Präsident Maduro behauptet zwar, die Ölfelder würden weiterlaufen – durch alternative Strategien wie Rabatte und Umgehung der Sanktionen über Drittländer. Experten wie Elías Ferrer ziehen einen makabren Vergleich: Venezolanisches Öl sei wie ein Drogenmarkt – zwar sanktioniert, aber unentbehrlich.

Gleichzeitig warnt Chevron, dass ein Rückzug aus Venezuela die Tür für russische oder chinesische Unternehmen öffnen könnte. Repsol wiederum prüft alternative Wege, um vor allem seine Gasprojekte im Land fortzusetzen.

So hängt die wirtschaftliche Zukunft Venezuelas erneut von einem geopolitischen Kampf ab, bei dem das Öl nur der Anfang ist.

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