Die Freibäder Berlins waren einst Orte der Erholung für alle – unabhängig vom Geldbeutel. Doch wer diesen Sommer ins Prinzenbad oder ins Strandbad Wannsee möchte, muss tiefer in die Tasche greifen. Die Berliner Bäder-Betriebe haben nicht nur die Preise erhöht, sondern ein neues, nach Beliebtheit gestaffeltes Preismodell eingeführt. Die Folge: Ausgerechnet in sozial benachteiligten Bezirken wird Schwimmen zum teuren Freizeitvergnügen.
7 Euro für einen Sprung ins Wasser: Wer kann sich das noch leisten?

Seit dem 4. Mai zahlen Besucher:innen für ein Tagesticket in beliebten Sommerbädern wie Kreuzberg, Neukölln oder am Insulaner bis zu 7 Euro – vor der Preiserhöhung waren es noch 5,50 Euro. Auch Mehrfachkarten sind teurer geworden: Statt 70 Euro kosten 20 Eintritte jetzt 80 Euro.
Was zunächst wie eine moderate Anpassung wirkt, ist für viele Berliner:innen mit niedrigem Einkommen eine spürbare Belastung. Besonders betroffen sind Menschen in dicht besiedelten Bezirken, in denen sich Familien oft keine Reisen oder Ausflüge ins Umland leisten können – für sie ist das Freibad die einzige bezahlbare Sommerfreude.
Ein Preismodell, das soziale Gräben vertieft
Neu ist nicht nur der Preis, sondern auch das Kategorisierungssystem der Freibäder:
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Günstigste Kategorie (6 €): Kinderbäder wie in Marzahn oder Staaken
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Mittlere Kategorie (6,50 €): Kombibäder wie Seestraße, Olympiastadion, Wuhlheide
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Teuerste Kategorie (7 €): beliebte Innenstadtbäder wie Kreuzberg, Neukölln, Wilmersdorf
Ironie des Ganzen: Gerade in den teureren Bädern wohnen besonders viele Menschen mit wenig Geld. Und es sind ausgerechnet diese Bäder, die in den heißen Monaten überfüllt sind – weil es im Zentrum an natürlichen Badeseen fehlt.
Freibad-Besuch mit Kind = Tagesausflug zum Luxuspreis

Ein kurzer Ausflug ins „Prinzi“, wie das Kreuzberger Sommerbad liebevoll genannt wird, kann schnell zur Kostenfalle werden.
Rechenbeispiel:
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Eintritt Erwachsener: 7 €
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Eintritt Kind (ermäßigt): 4,20 €
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Pommes rot-weiß: 4 €
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Getränk: ca. 3 €
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Eis: 2 €
Ergebnis: Über 20 Euro – für ein paar Stunden Erfrischung. Wer mit mehreren Kindern kommt oder regelmäßig baden will, muss tief in die Tasche greifen. Und das ist noch ohne Fahrkarte oder Sonnencreme gerechnet.
Kommentar: Schwimmen darf kein Privileg werden
Natürlich steigen überall die Kosten – aber muss ausgerechnet das Freibad, das ein Ort der Teilhabe und Erholung sein sollte, zum Symbol sozialer Ungleichheit werden? In Zeiten von Hitzesommern und engen Wohnungen ist der Zugang zu Wasser kein Luxus, sondern eine Frage der Gesundheit und Lebensqualität.
Wenn Berlin ernst macht mit sozialer Gerechtigkeit und Klimaanpassung, braucht es dringend soziale Staffelungen, vergünstigte Familienkarten und transparente Preismodelle. Sonst bleiben die Becken leer – zumindest für jene, die sie am dringendsten bräuchten.
Quelle: Berlin Live.