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Bericht: Disney-Mitarbeiter sind erschüttert über das Einknicken vor Trump

Sowohl Angestellte als auch Talente sollen mit der Unternehmensführung uneinig sein, weil sie sich den Exekutivbefehlen des Präsidenten beugt.
Von Sabina Graves Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

In der zweiten Amtszeit von Präsident Trump läuft es bei der Walt Disney Company ganz anders. Die weitreichenden Auswirkungen der Abschaffung von DEI-Programmen (Diversity, Equity & Inclusion) haben bereits Unternehmen wie Target, Walmart, PBS und viele andere getroffen – und auch bei Disney hielt der Widerstand nicht lange. Zumindest nicht im Vergleich zu Bob Igers früherer Haltung gegen den Druck aus dem MAGA-Lager während Trumps erster Amtszeit oder seinem offenen Schlagabtausch mit Ron DeSantis über das Land, auf dem Walt Disney World in Florida steht.

Diese Woche wurde berichtet, dass Disney damit begonnen hat, diverse Inklusionsprogramme aufzulösen oder anzupassen – Programme, auf die das Unternehmen einst stolz war. Diese Entwicklung sorgt nun für große Unruhe unter den Mitarbeitern. Laut Deadline erhielten Disney-Angestellte eine interne Mitteilung von Personalchefin Sonia Coleman, in der erklärt wurde, dass die Entscheidung im Einklang mit den „geschäftlichen Zielen und Unternehmenswerten“ stehe – und nicht etwa mit Trumps umfassenden Exekutivverordnungen, die er seit seinem Amtsantritt im letzten Monat erlassen hat.

Für viele bedeutet das jedoch nichts anderes als ein Einknicken – ein unerwartetes Manöver, insbesondere im Vergleich zur früheren Standhaftigkeit Disneys in moralischen Fragen.

Disney passt sich an – aber auf wessen Kosten?

Disney ist nur eines von vielen großen Unternehmen, das sich in den letzten Wochen vorbeugend Trumps Politik untergeordnet hat, indem es Maßnahmen zu Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion eingestellt oder drastisch reduziert hat. Doch anstatt Sicherheit zu vermitteln, sorgt die Entwicklung für Unbehagen.

„Was kommt als Nächstes? Wohin gehen wir von hier aus? Wofür stehen wir jetzt – nur noch dafür, MAGA zufriedenzustellen?“, sagte ein Insider gegenüber Deadline und schilderte die Stimmung innerhalb des Unternehmens nach der umstrittenen Mitteilung. „Das ist nicht das, was ich von Bob [Iger] erwartet habe – ich dachte, er steht hinter uns.“

Die Anpassung von Disneys Inklusionsprogrammen, einschließlich der geänderten Content-Warnungen für bestimmte Inhalte auf Disney+, erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen bereits in der Kritik steht: Mehrere geplante Animationsserien mit transgender Charakteren wurden aus den Drehbüchern gestrichen – eine Gruppe, die Trump in den letzten Wochen wiederholt mit Exekutivmaßnahmen ins Visier genommen hat.

Hinzu kommt die anhaltende Kontroverse um die Star Wars-Serie „The Acolyte“, die letztes Jahr nach nur einer Staffel abgesetzt wurde – trotz ihres Erfolges als zweitmeistgesehene Serie auf Disney+. Mitglieder des Casts äußerten damals öffentlich ihre Frustration darüber, dass Lucasfilm und Disney die Serie und ihr Kreativteam nicht gegen Angriffe und gezielte Belästigungen verteidigt hatten. Schon vor Trumps Wiederwahl im November deuteten solche Entscheidungen darauf hin, dass Disney sich zunehmend nach rechtsgerichteten Narrativen richtet.

Hollywood-Stars kritisieren Disney: „Sie müssen aufhören zu schweigen“

Die Schauspielerin Jodie Turner-Smith, die in The Acolyte mitspielte, machte ihrer Enttäuschung über Disneys mangelnde Unterstützung bereits vor Monaten Luft.

„Sie müssen endlich damit aufhören, einfach nichts zu sagen, wenn Leute im Internet mit Rassismus und Bullshit überhäuft werden“, sagte sie in einem Interview mit Glamour Magazine. „Es wäre einfach schön, wenn diejenigen, die das ganze Geld haben, auch mal zeigen würden, dass sie hinter einem stehen und klare Kante zeigen.“

Stattdessen scheint Disneys Strategie für die nächsten vier Jahre weniger darin zu bestehen, eine klare Haltung einzunehmen, sondern vielmehr darin, sich anzupassen und einzulenken.

 

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