Leere Regale wegen Zollchaos?
„In zwei Monaten könnten die Regale in den USA aussehen wie in Entwicklungsländern“, sagte Pegatron-Vorstandschef T.H. Tung gegenüber Reuters.
Die jüngste Eskalation im Zollstreit zwischen den USA und China trifft nicht nur die Finanzmärkte – jetzt sind offenbar auch Verbraucher direkt betroffen. Pegatron, ein taiwanesisches Unternehmen, das eine Schlüsselrolle in der Lieferkette von Apple, Dell und anderen Tech-Firmen spielt, warnt vor Engpässen in US-Läden, wenn das aktuelle Zollchaos anhält.
Der Hauptgrund: Die extremen und teils chaotischen Zollmaßnahmen, die die US-Regierung unter Präsident Trump verhängt hat. Allein der 145 % Strafzoll auf Importe aus China sei eine massive Belastung für Unternehmen – und letztlich für Verbraucher. Noch schlimmer ist jedoch die Planungsunsicherheit: „Wir können unsere langfristigen Strategien nicht einfach wegen zwei oder drei Monaten voller Zolländerungen über den Haufen werfen. Produktionsstandorte erfordern langfristige Planung“, betont Tung.
Apple als Beispiel: Verlagerung im Eiltempo
Wie stark Unternehmen auf die politischen Unwägbarkeiten reagieren müssen, zeigt das Beispiel Apple. Direkt nach Ankündigung der ersten „Reziprozitätszölle“ – darunter 34 % auf Importe aus China – begann der iPhone-Hersteller, seine Lagerbestände und Produktionsketten umzustellen.
Apple verlegte kurzerhand Geräte im Wert von zwei Milliarden US-Dollar von Indien in die USA, bevor die Zölle in Kraft traten. Danach startete ein logistisches Großmanöver, um Teile der Fertigung aus China nach Indien zu verlagern, wo bislang nur 10 % Zölle fällig werden. Auch das könnte sich bald ändern: Falls es bis Juli keine Einigung gibt, drohen dort zusätzliche 26 % Zoll.
Ein Zickzack-Kurs mit Ansage
Der wohl größte Frustpunkt für Unternehmen: Die mangelnde Verlässlichkeit der US-Regierung. Zwei Wochen nach Beginn der Zollrunde kündigte Trump an, dass Smartphones und Computer zunächst von den Strafzöllen ausgenommen würden – eine Atempause für Tech-Konzerne wie Apple.
Doch die Freude währte nicht lange: Nur einen Tag später erklärte Handelsminister Howard Lutnick, dass diese Ausnahmen nur vorübergehend seien und branchenspezifische Zölle in ein bis zwei Monaten folgen sollen. Welche Höhe? Wann genau? Wie lange? Niemand weiß es – „man muss einfach raten“, so der resignierte Kommentar aus der Branche.
Hersteller zögern – Konsumenten zahlen den Preis
Für Konzerne mit globalen Lieferketten ist solch ein erratischer Politikstil ein Albtraum. Entsprechend zögern viele, langfristige Entscheidungen zu treffen – was wiederum die Versorgungslage kurzfristig verschärft.
Die Konsequenz: Wenn du im Juni in einen Apple Store gehst, könnte es gut sein, dass nur noch die Ausstellungsgeräte vorhanden sind. Neue Ware? Fehlanzeige.
Trump nennt seinen Ansatz „Verhandlungstaktik“. Für Hersteller bedeutet er Chaos. Und für Verbraucher bald vielleicht: ein leerer Warenkorb.