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Zwischen Trip und Tiefgang – Warum „Common Side Effects“ das Animations-Highlight des Jahres ist

Die neue Adult-Swim-Serie ist ein Fest für Fans von schrägem Humor, packender Sci-Fi und visueller Wucht.
Von Isaiah Colbert Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Animation gilt zu Recht als eine der faszinierendsten Kunstformen unserer Zeit. Wenn gute Autor*innen ganze Welten erschaffen und Zeichner*innen unseren Alltag mit all seinen Schönheiten und Macken einfangen, entsteht oft mehr als nur Unterhaltung – es entsteht Kunst. Und genau hier setzt Common Side Effects an, eine Serie, die sich mit trockenem Humor, psychedelischen Bildern und einer cleveren Story mitten ins Herz der Pharmaindustrie schießt.

Hinter der neuen Adult-Swim-Produktion stecken Joe Bennett (Scavengers Reign) und Steve Hely (Veep, The Office, 30 Rock) – ein Duo, das weiß, wie man absurde Ideen mit Tiefgang erzählt. Ihr Ausgangspunkt: Was wäre, wenn es ein Heilmittel für alles gäbe? Keine Zuzahlungen mehr, keine ewigen Diagnosen, kein Drama um Rezepte. Klingt wie ein Traum – oder wie der Stoff, aus dem dystopische Albträume gemacht sind.

Magische Pilze gegen Big Pharma

Im Zentrum steht Marshall (gesprochen von Dave King), ein naturverliebter Hippie mit Herz und Hang zur Biologie, der bei einem Trip auf einen blauen Pilz stößt – mit Nebenwirkungen der ganz besonderen Art: Er heilt alles. Ja, wirklich alles. Von Schusswunden bis Alzheimer. Der Haken? Die Pharmakonzerne wittern sofort Gefahr. Statt den Pilz zu erforschen, starten sie eine massive Vertuschungskampagne, fälschen Unterlagen und machen Marshall zum Staatsfeind Nummer eins.

In seiner Not wendet er sich an Frances (Emily Pendergast), seine alte Laborpartnerin aus der Schulzeit – nicht ahnend, dass sie inzwischen als Assistentin des CEOs bei Reutical Pharmaceuticals arbeitet. Und dieser CEO – Rick, gesprochen von Beavis and Butt-Head-Legende Mike Judge – ist alles andere als kompetent. Was folgt, ist ein rasanter Katz-und-Maus-Thriller zwischen Marshalls Idealen und einer Industrie, die nichts unversucht lässt, um ihren Profit zu retten.

Zwischen Agententhriller und absurdem Trip

Was Common Side Effects so besonders macht, ist der Mix: Einerseits düsterer Polit-Thriller mit Spionage, Mord und Manipulation – andererseits komplett durchgeknallte Comedy mit tanzenden DEA-Agenten und kleinen Alienwesen, die fröhlich durch die Gegend kugeln. Das Ganze in einem Look, der irgendwo zwischen Kinderzeichnung und Drogentrip pendelt – inklusive Wackelkopf-Ästhetik und Farben, die flirren wie ein Kaleidoskop nach Mitternacht.

Was auf dem Papier nach Stilbruch klingt, funktioniert überraschend gut. Die Serie schafft es, diesen wilden Ton-Mix zu bändigen, ohne sich zu verzetteln – weil sie immer wieder zur zentralen Frage zurückkehrt: Was passiert mit der Menschheit, wenn plötzlich ein Wundermittel alles verändern könnte?

Mehr als nur Kritik an Amerikas Gesundheitssystem

Ja, Common Side Effects kritisiert das US-amerikanische Gesundheitssystem – aber eben nicht mit dem Holzhammer. Es gibt hier keinen einfachen Gut-gegen-Böse-Plot, keine Moralkeule. Stattdessen zeigt die Serie, wie komplex es wäre, so eine Entdeckung tatsächlich in die Welt zu bringen. Wie Hoffnung in Verzweiflung kippt, wenn man merkt, dass selbst ein Allheilmittel keine einfachen Lösungen liefert. Jede Folge gräbt tiefer in die Frage, wie wir mit der Verantwortung umgehen würden, eine solche Macht zu besitzen – und wie schnell daraus Gier, Panik oder pure Überforderung wird.

Visuell ein echtes Brett

Wer Scavengers Reign mochte, wird sich auch hier sofort zuhause fühlen. Die Serie strotzt vor Detailverliebtheit: farbenfrohe Hintergründe, flüssige Animationen, surreale Bilderwelten und immer wieder brutale, aber wirkungsvoll inszenierte Gewalt. Und das alles wird zusammengehalten von einer Geschichte, die sich stetig zuspitzt – bis zu einem emotionalen Finale, das unter die Haut geht, aber zum Glück Raum für Staffel zwei lässt.

Pflichtprogramm für alle, die mutige Animationen lieben

Common Side Effects ist kein Wohlfühlprogramm – aber genau das macht die Serie so spannend. Sie ist witzig, seltsam, düster, überdreht und doch tiefgründig. Eine dieser seltenen Shows, die sich was trauen – inhaltlich wie visuell. Wer also Lust auf eine Serie hat, die irgendwo zwischen BoJack Horseman, Rick and Morty und einem politischen Drogenthriller liegt, sollte sich diese zehn Folgen nicht entgehen lassen.

Alle Episoden von Common Side Effects sind jetzt auf Max verfügbar.

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