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Wenn der See verdurstet: Was am Bodensee gerade wirklich passiert

Der Bodensee steht kurz vor einem dramatischen Tiefstand – und mit ihm beginnt ein gefährlicher Kreislauf aus Hitze, Wassermangel und ökologischer Belastung. Warum ausgerechnet Regen die letzte Hoffnung ist und welche Folgen drohen, wenn er ausbleibt, erfährst du in diesem Artikel.
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Was für viele ein Sehnsuchtsort ist, wird gerade zum Sinnbild der Klimakrise: Der Bodensee, Deutschlands größter und einer der schönsten Seen Europas, verliert Wasser – und zwar rasant. Die Ursachen liegen tief, die Folgen sind weitreichend. Eine neue Trockenperiode bringt nicht nur den See, sondern auch das gesamte Ökosystem an seine Grenzen. Und das ist erst der Anfang.

Alarmstufe Rot: Der See schrumpft

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© pexels – Artur Roman

Der Wasserstand des Bodensees liegt derzeit etwa 40 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel. Das bestätigte Philemon Diggelmann, Experte für Wasserbau und Hydrometrie aus dem Kanton Thurgau. Im deutschen Teil des Sees, bei Konstanz, wurden zuletzt nur noch 272 Zentimeter gemessen – kaum drei Zentimeter mehr als der historische Tiefstand für diese Jahreszeit.

Und das ist nur die halbe Wahrheit: Ohne die Wasserpflanzen im Seerhein, die seit Jahren den Pegel leicht erhöhen, läge der Wert noch einmal deutlich darunter. Es sind alarmierende Zahlen, die ein zunehmendes Ungleichgewicht zwischen Zufluss und Verdunstung belegen.

Ein zentraler Grund: Die Schneeschmelze ist in diesem Jahr nahezu ausgefallen. Statt Schmelzwasser herrscht Trockenheit – und damit ein fehlendes Auffüllen der Flüsse, die den Bodensee speisen. Auch der Rhein, der aus dem selben Quellgebiet kommt, steht auf einem Rekordtief für die Jahreszeit.

Kein Regen, keine Rettung

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© pexels – Pixabay

Kurzfristige Hoffnung? Fehlanzeige. Laut Diggelmann rechnen Expert:innen in den nächsten 10 bis 14 Tagen nicht mit ergiebigem Niederschlag. Im Gegenteil: Der Wasserstand dürfte um weitere zehn Zentimeter sinken. Und das in einem Gewässer, dessen Volumen riesig ist – und das entsprechend große Mengen Regen braucht, um wieder auf ein normales Niveau zu kommen.

Je weniger Wasser, desto wärmer wird das verbliebene Volumen. Und genau hier beginnt ein fataler Kreislauf: Steigende Temperaturen im See – mittlerweile liegt der Durchschnittswert laut Messungen bei 14,1 Grad – haben dramatische Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt.

Ein Ökosystem in der Klemme

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© pexels – Artur Roman

Fische wie der Hecht brauchen flache, geschützte Zonen zum Laichen – doch bei niedrigen Pegeln verschwinden diese. Auch empfindliche Arten, die nicht mit Temperaturanstieg klarkommen, könnten massiv dezimiert werden.

Gleichzeitig breiten sich durch die Wärme verstärkt Algen aus, die Fischen den Sauerstoff rauben. Ein ökologisches Ungleichgewicht droht – eines, das nicht einfach repariert werden kann.

Maßnahmen wie das Anbaggern von Flussbetten, um Rückzugsorte zu schaffen, sind bereits in Planung. Doch Experten wie Diggelmann sehen darin nur einen „Tropfen auf dem heißen Stein“.

Zwischen Hoffen und Bangen

Was bleibt, ist der Blick zum Himmel. „Man kann nur noch beten“, sagt Diggelmann – drastisch, aber realistisch. Auch der Tourismus spürt die Folgen. Die berühmten Ausflugsschiffe auf dem Bodensee fahren zwar noch, doch sie können nicht mehr jeden Hafen anlaufen.

Noch ist die Saison nicht gestartet. Vielleicht bringt der April doch noch den ersehnten Regen. Doch der Bodensee zeigt jetzt schon, was geschieht, wenn Natur aus dem Gleichgewicht gerät – und wie wenig Spielraum bleibt, wenn das Wasser knapp wird.

Quelle: www.focus.de

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