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Wissenschaft

Was, wenn Karton nicht die umweltfreundlichste Option wäre?

Karton gilt oft als Synonym für Nachhaltigkeit – doch eine neue Studie zeigt: Holz könnte in manchen Fällen die bessere Wahl sein. Eine detaillierte Lebenszyklusanalyse offenbart, warum Holzkisten beim Transport von frischem Obst und Gemüse eine überraschend umweltfreundlichere Alternative darstellen.
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Lesezeit 2 Minuten

Beim Einkauf von frischem Obst im Supermarkt denken wir selten darüber nach, wie es dorthin gelangt ist. Doch hinter jedem Apfel oder jeder Mandarine steckt eine komplexe Lieferkette – mit Verpackung und Transport als entscheidende Faktoren für den ökologischen Fußabdruck. Die Wahl der Verpackung – Karton oder Holz – kann dabei einen erheblichen Unterschied machen. Hier zeigen wir, warum.

Ein Sektor in ständigem Wandel

Spanien ist führend beim Export von Obst und Gemüse innerhalb der EU – über 11 Millionen Tonnen wurden allein im Jahr 2023 ins Ausland geliefert. Diese gewaltigen Mengen erfordern effiziente Logistiklösungen, wobei die Verpackung eine Schlüsselrolle spielt. Karton aus recycelten Fasern war dabei lange die bevorzugte Option – günstig, leicht und recycelbar. Doch aktuelle Daten stellen diese Wahl infrage.

Wenn Karton nicht immer die beste Wahl ist

Eine Studie der Polytechnischen Universität Valencia untersuchte den Transportweg von 1.000 Tonnen Mandarinen von Valencia nach Hannover. Mithilfe der Lebenszyklusanalyse (LCA) verglichen die Forscher zwei Verpackungssysteme: Wellpappkartons aus recycelten Fasern versus Holzkisten aus Kiefernholz, MDF und Pappel-Sperrholz. Das Ergebnis war überraschend eindeutig.

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© Mike González – Pexels


Die Holzkisten verursachten durchweg geringere Umweltauswirkungen. So lagen die CO₂-Emissionen für Kartonverpackungen fast doppelt so hoch wie bei Holz (99.649 vs. 48.828 kg CO₂-Äquivalent). Auch bei weiteren Umweltindikatoren wie Bodenversauerung, menschlicher Toxizität, Wasser- und Energieverbrauch schnitt Holz besser ab.

Der versteckte Aufwand des Recyclings

Die Erklärung liegt im energie- und chemikalienintensiven Prozess der Kartonherstellung – insbesondere bei der Wiederaufbereitung von Altpapier. Paradoxerweise ist gerade diese Recyclingphase die umweltschädlichste, obwohl sie oft als besonders nachhaltig gilt.

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© Gonzalo Acuña – pexels

Und wie steht es um Holz?

Natürlich ist auch Holz nicht frei von Umweltkosten – etwa durch Stromverbrauch, Klebstoffe und Stahlklammern. Doch im Gesamtvergleich fällt die Bilanz günstiger aus. Außerdem lassen sich Holzkisten weiterverwerten, z. B. in Spanplatten oder als Biomassebrennstoff. Das stärkt die Kreislaufwirtschaft und reduziert die Gesamtemissionen zusätzlich.

Kontext entscheidet

Die Studie fordert keinen Verzicht auf Karton, sondern eine bewusste, kontextbezogene Entscheidung. Für kurze Transportwege oder lokale Märkte, in denen Recycling gut funktioniert, bleibt Karton eine valide Option. Doch bei langen, internationalen Lieferketten erweist sich Holz als die nachhaltigere Wahl für einen wirklich umweltfreundlichen Transport frischer Lebensmittel.

Quelle: The Conversation

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