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Wissenschaft

Was wäre, wenn Viren nicht die Bösewichte wären, für die wir sie halten?

Obwohl wir sie meist mit Krankheiten und Pandemien verbinden, sind Viren nicht immer mikroskopische Schurken. Tatsächlich richten die meisten keinen Schaden an – einige könnten sogar Leben retten. Dieser Artikel zeigt dir eine wenig bekannte (und überraschende) Seite der viralen Welt.
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Lesezeit 2 Minuten

Wenn wir das Wort „Virus“ hören, denken wir an Fieber, Ansteckung oder Lockdowns. Doch dieses Bild verdeckt eine viel umfassendere Realität. Millionen von Viren leben auf der Erde – und in unserem Körper – ohne uns zu schaden. Manche sind uns sogar nützlich. Hier beginnt eine faszinierende Entdeckungsreise in die Welt der „guten“ Viren.

Älter, als wir denken

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© CDC – Pexels

Auch wenn Viren einen gefährlichen Ruf haben, ist ihre Geschichte lang und vielschichtig. Bereits im alten Ägypten gab es Hinweise auf Virusinfektionen wie Polio. Während der Kolonialisierung Amerikas wurden Pockenepidemien dokumentiert. Doch erst Ende des 19. Jahrhunderts begann ihre wissenschaftliche Erforschung.

Der russische Biologe Dmitri Iwanowski und der niederländische Mikrobiologe Martinus Beijerinck entdeckten, dass bestimmte unsichtbare Erreger Filter durchdringen und lebende Zellen benötigen, um sich zu vermehren. Damit war die moderne Virologie geboren – und unser Verständnis dieser seltsamen Gebilde, die nicht einmal als „lebendig“ gelten.

Mehr Viren als Sterne

Viren sind überall. Es gibt schätzungsweise über 10³¹ Viren auf der Erde – so viele, dass sie, aneinandergereiht, bis in ferne Galaxien reichen würden. Sie befinden sich in der Luft, im Wasser, im Boden… und in uns.

Allerdings können sie sich nicht selbst vermehren. Sie müssen lebende Zellen „kapern“, um Kopien von sich zu produzieren. Dennoch stellen die meisten keine Gefahr dar. Nur ein kleiner Teil ist für Menschen oder Tiere pathogen.

Unsichtbare Verbündete

So unglaublich es klingt: Es gibt Viren, die uns helfen. Das Humane Virom – die Gesamtheit aller Viren in unserem Körper – enthält viele harmlose oder sogar nützliche Vertreter. Einige Retroviren beispielsweise trugen zur Entwicklung der Plazenta beim Menschen bei.

Bakteriophagen, Viren, die Bakterien befallen, sind ebenfalls von Nutzen. In den Ozeanen regulieren sie den Kohlenstoffkreislauf. In der Medizin dienen sie als Therapie gegen antibiotikaresistente Keime. Und in der Lebensmittelindustrie werden sie eingesetzt, um Krankheitserreger wie Salmonellen zu bekämpfen.

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© Marek Piwnicki – Pexels

Es gibt sogar Viren, die schädliche Pilze bei Pflanzen angreifen. So hilft ein Mykovirus, die Aggressivität des Kastanienrindenkrebses zu reduzieren – und schützt damit ganze Wälder.

Das Rätsel bleibt

Wir kennen nur einen Bruchteil des viralen Universums. Die meisten Viren sind noch ein großes Mysterium. Doch eines ist sicher: Nicht alle sind Feinde. Manche könnten sogar unsere nächsten Verbündeten in Medizin, Ökologie und Technologie sein.

[Quelle: TheConversation]

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