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Wissenschaft

Mpox unter Beobachtung: Wie ein unterschätztes Virus zur globalen Gefahr werden könnte

Zunehmende Übertragungen, neue Virusvarianten und schwache Impfraten: Fachleute warnen, dass Mpox zunehmend das Potenzial für eine Pandemie entwickelt. Doch noch gibt es Handlungsspielraum.
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Mpox galt lange als kontrollierbar. Ein Virus, das vor allem in bestimmten Regionen Afrikas zirkulierte und selten globale Schlagzeilen machte. Doch das hat sich geändert. Mit steigenden Fallzahlen, zunehmender Mensch-zu-Mensch-Übertragung und genetischen Veränderungen des Virus wächst auch die Sorge unter Expert:innen – nicht zuletzt wegen fehlender Impfrückendeckung und struktureller Schwächen in der globalen Gesundheitsvorsorge. Könnte Mpox der nächste große Ausbruch werden?

Warnruf aus der Forschung: Pandemiepotenzial wächst

Ein britisches Forscherteam schlägt in der renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine Alarm: Das Risiko einer Mpox-Pandemie wächst – und zwar schneller, als viele denken. Besonders kritisch sei laut den Wissenschaftler:innen:

  • Die hohe Übertragbarkeit zwischen Menschen

  • Das gleichzeitige Auftreten mehrerer Viruskladen

  • Eine rasante Mutationsrate, verursacht durch körpereigene Enzyme

  • Und die anhaltenden tierischen Reservoirs, die das Virus immer wieder zurückbringen könnten

Das Virus zeigt laut der Studie vier aktive Ausbruchsherde, bei denen sich verschiedene Viruslinien unabhängig voneinander verbreiten. Besonders gefährlich ist Klade Ia, die eine ungewöhnlich hohe Rate an Tier-zu-Mensch-Übertragungen aufweist – vor allem in Zentralafrika.

Je länger Mpox zirkuliert, desto größer die Gefahr

Das größte Risiko liegt im Faktor Zeit: Je länger das Virus unter Menschen zirkuliert, desto wahrscheinlicher wird es, dass genetische Anpassungen eine effizientere Übertragung ermöglichen. Schon jetzt beobachtet man Mutationen, die durch menschliche Enzyme entstehen – ein Hinweis darauf, dass Mpox sich aktiv an seine neuen Wirte anpasst.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Der Impfschutz gegen Pocken, der auch gegen Mpox wirkt, wurde weltweit stark zurückgefahren. Jahrzehnte nach der Ausrottung der Pocken fehlt der Gesellschaft heute die Immunität, die einst als selbstverständlich galt.

Regionale Ausbrüche und neue Risikogruppen

Auch in Deutschland gibt es Grund zur Aufmerksamkeit: Das Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (LAGeSo) verzeichnete allein bis März 2025 43 bestätigte Mpox-Fälle – das sind mehr als viermal so viele wie in den beiden Vorjahren zusammen. Die meisten Betroffenen: Männer um die 34 Jahre.

Die aktuellen Virusvarianten verbreiten sich vor allem durch engen Körperkontakt, häufig beim Sex. Das verlängert die Infektionsketten erheblich. Auch das Robert Koch-Institut registrierte bislang 154 Mpox-Fälle bundesweit, rechnet aber mit einer hohen Dunkelziffer, da soziale Stigmatisierung zu einer geringen Melderate führen dürfte.

Besondere Sorge bereiten Ausbrüche in der Demokratischen Republik Kongo, wo vermehrt Infektionen bei Kindern beobachtet werden – ausgelöst durch Zoonosen. Zwar gebe es bislang keine Hinweise auf stabile Übertragungsketten unter Kindern, doch das Risiko bleibt.

Engpässe bei Impfstoffen und Diagnostik

Obwohl Mpox längst nicht mehr nur ein afrikanisches Problem ist, fehlt es vielerorts an Ressourcen zur Bekämpfung:

  • Zuverlässige Diagnosetools sind nicht überall verfügbar

  • Antivirale Therapien sind rar

  • Impfstoffe fehlen vor allem in jenen Ländern, in denen das Virus endemisch ist

Gerade in Zentralafrika wird die Situation kritisch: In Kinshasa, Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, konkurrieren mehrere Virusvarianten miteinander. Das beschleunigt die Evolution des Virus – eine Entwicklung, die nach Ansicht von Fachleuten dringend unterbunden werden muss.

WHO stuft Mpox erneut als internationale Gesundheitsnotlage ein

Im Februar 2025 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) reagiert und Mpox erneut als „Gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ eingestuft. Damit soll die internationale Aufmerksamkeit erhöht und die Zusammenarbeit zwischen Ländern intensiviert werden.

Expert:innen warnen jedoch: Ohne gezielte Maßnahmen und globale Koordination könnten sich einzelne Ausbrüche rasch ausweiten – und das Virus auf lange Sicht stabil in der Bevölkerung verankern. Die Folge wären regelmäßige Wellen, ähnlich wie bei der Influenza – nur mit einem weitgehend unvorhersehbaren Gegner.

Noch ist Zeit – aber nicht viel

Mpox ist nicht das neue Corona. Noch nicht. Aber es erfüllt zunehmend Kriterien, die eine Pandemie denkbar machen: globale Verbreitung, menschliche Übertragung, genetische Anpassung und ungleiche Impfversorgung.

Die Geschichte der Pocken mahnt zur Wachsamkeit. Der wissenschaftliche Konsens ist klar: Nur durch frühzeitiges Handeln, gezielte Impfkampagnen, gute Diagnostik und globale Zusammenarbeit lässt sich verhindern, dass Mpox zur nächsten großen Herausforderung für die Weltgemeinschaft wird.

Quelle: www.apotheke-adhoc.de

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