Laut einem Bericht der Financial Times geht die Europäische Kommission auf Nummer sicher und rüstet ihre Mitarbeitenden mit sogenannten Burner-Phones und minimalistischen Laptops aus, bevor sie in die Vereinigten Staaten reisen. Der Grund: Die zunehmende Unsicherheit für internationale Gäste seit Donald Trumps Rückkehr ins Präsidentenamt. Und das ist nur ein Beispiel dafür, wie sehr die USA unter Trump außenpolitisch an Vertrauen verlieren.
Paranoia an der Grenze: Elektronik unter Generalverdacht
EU-Beamte erhalten mittlerweile strikte Anweisungen, keine persönlichen Smartphones mitzunehmen, ihre Einweggeräte bei der Einreise komplett auszuschalten und sie in speziellen Hüllen – offenbar Faraday-Taschen – zu transportieren, um sich vor digitaler Überwachung zu schützen. Amerikanische Grenzbeamte nehmen sich regelmäßig das Recht heraus, Geräte zu durchsuchen und Inhalte zu inspizieren – auch bei völlig unverdächtigen Personen.
Ein französischer Wissenschaftler wurde laut Berichten im letzten Monat allein wegen kritischer Textnachrichten über Trump an der Einreise gehindert. Andere Reisende, etwa aus Australien oder Kanada, berichten von geradezu schockierenden Zuständen bei ihrer Einreise: stundenlange Befragungen, Isolation, Durchsuchungen, kein Zugang zu rechtlichem Beistand.
Diplomatischer Eklat auf allen Ebenen
Trump ist noch nicht einmal drei Monate zurück im Amt, und doch hat er es geschafft, die Beziehungen zu so gut wie allen engen Partnerstaaten der USA zu beschädigen. Sei es mit militärischen Drohungen gegen Kanada oder Panama, oder durch wirtschaftliche Erpressungsversuche mit Strafzöllen gegenüber der EU – das Vertrauen schwindet. Und an den Grenzen spielt sich inzwischen ein völlig neuer Horror ab.
Berichte über Schikanen bei der Einreise häufen sich. Menschen mit sichtbaren oder bekannten Behinderungen werden gezielt kontrolliert, Medikamente durchsucht – unter dem Vorwand, die Angaben mit möglichen Diagnosen abzugleichen. Das alles führt dazu, dass viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Reisen in die USA mittlerweile kategorisch ablehnen – aus Sicherheitsgründen.
Konferenzen werden abgesagt, Flüge gestrichen
Die renommierte Society for Social Studies of Science etwa hat ihre eigene Konferenz vorsichtshalber hybrid organisiert – also auch online –, weil viele Mitglieder nicht mehr bereit sind, sich dem Risiko einer Einreise in die USA auszusetzen. Selbst Reisende mit familiären Bindungen oder Arbeitskontakten in den Staaten weichen auf andere Länder aus.
Gleichzeitig berichten Medien wie das Wall Street Journal über einen drastischen Rückgang der Flüge aus Kanada und Europa. Einige Kanadierinnen und Kanadier gehen sogar so weit, ihre Ferienhäuser in den USA zu verkaufen – aus Angst, was unter Trump noch passieren könnte.
Politischer Abgrund: Willkür statt Rechtsstaat
Was viele zusätzlich abschreckt: das brutale Vorgehen gegen ausländische Studierende und Aktivist:innen. In den letzten Wochen sind laut Medienberichten mehrere internationale Studierende von vermummten Einsatzkräften entführt worden – darunter Mahmoud Khalil und Rumeysa Ozturk, die sich für palästinensische Anliegen eingesetzt hatten. Ozturks „Verbrechen“: Ein Kommentar gegen den Krieg in Gaza in ihrer Uni-Zeitung. Sie wurde in Massachusetts auf offener Straße verhaftet und nach Louisiana verschleppt – in ein Abschiebezentrum.
Obwohl das US-Außenministerium in einer internen Untersuchung feststellte, dass Ozturk weder antisemitische Inhalte verbreitet noch terroristische Gruppen unterstützt habe, hält das Trump-Regime an ihrer Abschiebung fest. Der Vorwurf: Sympathien für die Hamas – eine Organisation, die in den USA als terroristisch eingestuft ist.
Trump ignoriert Gericht – und schickt Unschuldige in Foltergefängnisse
Ein weiterer Fall sorgt international für Entsetzen: Kilmar Abrego Garcia, ein Mann aus Maryland, wurde fälschlicherweise als Mitglied der Gang MS-13 gebrandmarkt und nach El Salvador abgeschoben. Der Oberste Gerichtshof der USA urteilte, dass er zurückgebracht werden müsse – doch Trump ignorierte die Anweisung. Bei einem Pressetermin mit El Salvadors Präsident Nayib Bukele machte Trump klar: Er werde nicht dafür sorgen, dass Garcia heimkehrt. Bukele wiederum bezeichnete Garcia fälschlich als „Terrorist“ und schloss eine Rückführung kategorisch aus.
Trump ging sogar noch weiter: Er wünsche sich fünf weitere Gefängnisse in El Salvador, um dort amerikanische Staatsbürger „verschwinden“ zu lassen – eine Ankündigung, die in Fachkreisen als klare Warnung vor autoritären Säuberungen gewertet wird.
Fazit: Wer kann, bleibt besser fern
Die USA befinden sich an einem gefährlichen Kipppunkt. Die Schutzmechanismen der ersten Trump-Amtszeit – seien es Gerichte, Medien oder Institutionen – sind weitgehend ausgeschaltet oder gleichgeschaltet. Wer heute in die USA reist, hat nicht mehr dieselbe Sicherheit wie noch vor wenigen Jahren.
Gerade für internationale Gäste ohne Bürgerrechte in den Staaten ist die Lage besonders prekär. Das Risiko, schikaniert, eingesperrt oder gar ausgewiesen zu werden, ist real. Für viele bedeutet das: USA? Nein danke – zumindest vorerst. Und leider spricht vieles dafür, dass es erst einmal noch schlimmer wird, bevor sich etwas bessert.