Die Beziehungen zwischen der EU und den USA stehen auf der Kippe
Die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen erleben derzeit eine ihrer heikelsten Phasen. Nach seiner Rückkehr zu einer harten Handelspolitik hat US-Präsident Donald Trump eine Reihe wechselseitiger Zölle angekündigt, die europäische Exporte empfindlich treffen könnten.
Die EU will eine Eskalation verhindern, die das Handelsvolumen von jährlich 1,7 Billionen US-Dollar mit den USA gefährden könnte. Die Uhr tickt: Bereits im Juli könnten neue Zölle in Kraft treten.
Die EU setzt auf Tempo, um wirtschaftlichen Schaden abzuwenden

EU-Kommissar Maros Sefcovic bestätigte, dass Brüssel die Gespräche mit Washington „intensivieren“ werde. Diese Entscheidung wurde auf einem Handelsministertreffen in Brüssel bekannt gegeben. Ziel ist es, den befürchteten 20 %-Zoll auf wichtige europäische Produkte zu verhindern.
In D.C., met with Secretary @howardlutnick and Ambassador @jamiesongreer for 🇪🇺🇺🇸 negotiations, seizing the 90-day window for a mutual solution to unjustified tariffs. 1/2 pic.twitter.com/P0eMgZSudQ
— Maroš Šefčovič🇪🇺 (@MarosSefcovic) April 14, 2025
Sefcovic wird sich in Kürze mit dem US-Handelsbeauftragten Howard Lutnick treffen, um eine Lösung zu finden, bevor die Maßnahmen greifen. Die EU will Gesprächsbereitschaft zeigen, ohne bei grundlegenden Fragen ihrer wirtschaftlichen Souveränität – wie Regulierungssystem oder Mehrwertsteuer – Zugeständnisse zu machen.
Trumps Handelsstrategie: Lektionen aus China und dem Vereinigten Königreich

Während die EU auf Deeskalation setzt, feiert Trump bereits Erfolge mit anderen Handelspartnern. Mit China wurde kürzlich ein vorläufiges Abkommen geschlossen, das die Strafzölle innerhalb von 90 Tagen von 100 % auf 30 % für chinesische und auf 10 % für US-Produkte senkt.
Mit dem Vereinigten Königreich ging es noch schneller: Ein begrenztes Abkommen senkt Zölle für britische Autoexporte und verbessert den Marktzugang für US-Agrar- und Energieprodukte. Trump bezeichnete das Abkommen als Musterbeispiel seiner „Zoll-Reziprozität“ – ein Konzept, mit dem er bestehende Handelsbeziehungen neu verhandeln will.
Brüssel sieht diese Entwicklungen mit Sorge: Gelingt kein rascher Deal, droht der EU ein Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen strategischen Partnern der USA.
Handelsungleichgewicht als Kern des Konflikts?

Ein zentrales Hindernis in den Verhandlungen ist der europäische Handelsüberschuss, den Trump als strukturelle Ungerechtigkeit sieht. 2023 lag das US-Handelsdefizit im Warenhandel mit Europa bei 235,6 Milliarden Dollar – ein Anstieg von 12,9 % im Vergleich zum Vorjahr.
Für die EU ist dieser Überschuss Ausdruck ihrer Wettbewerbsfähigkeit – nicht unfairer Praktiken. Trump hingegen wirft Brüssel vor, Steuern und Regulierung gezielt zu manipulieren und sprach sogar von einer „Gräueltat“.
Diese aggressive Rhetorik könnte paradoxerweise die EU intern einen – besonders gegenüber Ländern, die bisher bilaterale Sonderwege verfolgten.
Ist ein Abkommen möglich? Erwartungen, Grenzen und Warnungen
Trotz Dialogbereitschaft bleibt das Umfeld angespannt. Der Analyst Andrew Kenningham (Capital Economics) glaubt, dass die EU eine harte Linie fahren will, ohne zu eskalieren. Gleichzeitig warnt sein jüngster Bericht: Ein Deal mit Trump sei „schwieriger“ als mit China oder dem Vereinigten Königreich – wegen struktureller Spannungen und der Komplexität von 27 Mitgliedsstaaten.
Die EU hat geplante Gegenzölle im Wert von 95 Milliarden Euro vorerst ausgesetzt, um den Verhandlungsprozess nicht zu gefährden – stellte aber klar, dass es eine Antwort geben werde, falls neue US-Zölle kommen.
Schwedens Handelsminister Benjamin Dousa warnte: Ein Einstiegszoll von 10 % – wie beim Deal mit dem Vereinigten Königreich – werde „nicht ohne Gegenmaßnahmen hingenommen“.
Trump hat derweil nicht konkretisiert, was er von Brüssel erwartet. Die EU bot an, ihre Importe von US-Flüssiggas, Soja und Technologie auszuweiten und Industriezölle beidseitig abzuschaffen. Doch in heiklen Bereichen wie Regulierungen oder Mehrwertsteuer bleibt sie hart.
Quelle: DW