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Welt

Trump erschüttert den Tourismus: Kanadier boykottieren die USA, Airbnb verliert, Mexiko profitiert

Airbnb verzeichnet einen Gewinneinbruch angesichts des touristischen Exodus Richtung Mexiko. Trumps Politik löst eine Welle von Stornierungen aus Kanada und der ganzen Welt aus, was die globale Reiselandschaft neu ordnet und die US-Tourismusbranche hart trifft.
Von Thomas Handley Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Was wie ein Trend begann, wird zur Krise

Was zunächst wie eine einfache Schwankung im Reiseverkehr wirkte, hat sich für die US-Tourismusbranche zu einem echten Alarmsignal entwickelt. Die Plattform Airbnb meldet einen deutlichen Gewinnrückgang – insbesondere wegen der ausbleibenden kanadischen Touristen, die nun vermehrt Mexiko als Reiseziel wählen. Der Auslöser: Eine wachsende internationale Ablehnung gegenüber der Politik von Donald Trump, die sich nun auch auf einen der dynamischsten Sektoren der US-Wirtschaft auswirkt.

Kanadische Reaktion: weniger USA, mehr Mexiko

Trump erschüttert den Tourismus: Kanadier boykottieren die USA, Airbnb verliert, Mexiko profitiert
© Jakob Kim – Unsplash

Im ersten Quartal 2025 sank die Zahl der Kanadier, die in die USA reisten, laut offiziellen Angaben der kanadischen Regierung um 32 %. Dieser stille Boykott wirkt sich bereits auf Flugrouten und die Beherbergungsbranche aus und lenkt das Interesse auf freundlichere Reiseziele. Besonders Mexiko hat sich dabei als neuer Favorit herauskristallisiert.

Airbnb bestätigt diesen Trend: Die Buchungen kanadischer Nutzer in Mexiko stiegen im März um 27 %, während die weltweiten Einnahmen des Unternehmens durch ein unsicheres wirtschaftliches Umfeld und den Rückgang der US-Reisen gebremst wurden. Das zeigte sich auch deutlich in der Bilanz: Der Nettogewinn fiel im Vergleich zum Vorjahr um 42 %.

Ursachen für den Rückgang: Politik, Wahrnehmung und Pessimismus

Trump erschüttert den Tourismus: Kanadier boykottieren die USA, Airbnb verliert, Mexiko profitiert
© Unsplash – Library of Congress

Laut Analysten geht es bei dieser Entwicklung nicht um eine bloße Reisemode. Trumps angedrohte Zölle, seine provokanten Aussagen gegenüber Kanada und eine allgemein isolationistische Haltung haben das Image der USA als Tourismusziel nachhaltig beschädigt.

Eine aktuelle Umfrage von Abacus ergab, dass 56 % der Kanadier, die ursprünglich eine Reise in die USA geplant hatten, diese aufgrund der politischen Spannungen storniert oder geändert haben. Die Auswirkungen zeigen sich bereits bei den Fluggesellschaften: Air Canada und WestJet haben begonnen, Flüge in US-Städte wegen mangelnder Nachfrage zu streichen.

In diesem Umfeld meldete Airbnb, dass Lateinamerika derzeit die am stärksten wachsende Region ist, während die Ergebnisse in den USA „vergleichsweise moderat“ ausfallen. Kanadier hören nicht auf zu reisen – sie wählen einfach andere Ziele.

Gleichzeitig fällt das Vertrauen der US-Verbraucher weiter ab. Der Index des Conference Board erreichte den niedrigsten Stand seit fast fünf Jahren, getrieben von Rezessionsängsten und Unzufriedenheit über Trumps sogenannte „Handelskrieg gegen die Welt“.

Milliardenschaden für die US-Tourismusbranche

Die U.S. Travel Association warnt: Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnten den USA allein in diesem Jahr über 9 Milliarden US-Dollar an Tourismuseinnahmen entgehen. Der prognostizierte Rückgang bei ausländischen Besuchern übersteigt bereits 10 %, was sich direkt auf einen Sektor auswirkt, der 15 Millionen Arbeitsplätze schafft und 1,3 Billionen US-Dollar zur nationalen Wirtschaft beiträgt.

Die Auswirkungen sind erheblich. Nicht nur Airbnb, sondern auch Restaurants, Hotels, Fluggesellschaften und touristische Attraktionen spüren, wie eine Kombination aus starkem Dollar, verschärfter Grenzpolitik und politischer Unsicherheit das Gastgewerbe der USA aus Sicht internationaler Reisender unattraktiver macht.

Mexiko als unerwarteter Gewinner

Trump erschüttert den Tourismus: Kanadier boykottieren die USA, Airbnb verliert, Mexiko profitiert
© Mick Haupt – Unsplash

In diesem Szenario profiliert sich Mexiko als stabile und attraktive Alternative. Ohne politische Spannungen oder komplizierte Einreisebestimmungen, die derzeit die USA belasten, wird das Land zum touristischen Zufluchtsort für Reisende, die Sonne, Kultur und Gastfreundschaft suchen – ohne diplomatische Hürden.

Airbnb sieht das klar: Der Tourismus ordnet sich neu – und der Wandel ist nicht nur vorübergehend. Während Trump seinen Ton weiter verschärft, stimmen die Reisenden weltweit mit ihren Koffern ab – und immer mehr von ihnen zieht es nach Süden.

In einer überraschenden Wendung wird Reisen zur Form politischer Meinungsäußerung. Und diesmal sprechen die Zahlen lauter als jede offizielle Erklärung.

Quelle: Sin Embargo México

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