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Welt

Tödlicher Cryotherapie-Vorfall erschüttert Paris: Eine Frau stirbt, eine weitere ringt um ihr Leben

Ein tragischer Unfall mit einer Kryotherapie-Maschine in einem Pariser Fitnessstudio hat das Leben einer jungen Frau gekostet und eine weitere schwer verletzt. Die Ursache: ein offenbar tödliches Leck mit Stickstoff.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Am Montagabend kam es im Fitnessstudio On Air im östlichen Zentrum von Paris zu einem schockierenden Vorfall. Wie die örtliche Polizei mitteilte, starb eine 29-jährige Mitarbeiterin des Studios vermutlich durch Ersticken infolge eines Stickstofflecks an einer Kryotherapie-Anlage. Eine zweite Frau, 34 Jahre alt, erlitt lebensbedrohliche Verletzungen und liegt derzeit auf der Intensivstation.

Trendtherapie mit Risiko

Kryotherapie – oder genauer gesagt Kryostimulation – ist ein wachsender Trend in der Welt der alternativen Gesundheitsmethoden. Besonders beliebt ist die sogenannte Ganzkörper-Kryotherapie, bei der sich Personen für wenige Minuten extrem niedrigen Temperaturen aussetzen. Einige Studien deuten darauf hin, dass diese Methode Schmerzen lindern, Entzündungen reduzieren und sogar den Schlaf verbessern kann.

Doch so vielversprechend das Konzept klingt – die Technik dahinter ist alles andere als harmlos. Um diese Eiseskälte zu erzeugen, kommt meist flüssiger Stickstoff zum Einsatz, der Temperaturen von bis zu minus 100 Grad Celsius erreicht. Das Problem: Sobald Stickstoff verdampft, wird er zu einem farb- und geruchlosen Gas. Und genau das macht ihn gefährlich.

Die Europäische Industrie-Gase-Vereinigung (EIGA) warnt schon länger vor unzureichend gewarteten oder schlecht konstruierten Geräten. Gelangt zu viel Stickstoff in den Raum oder die Kabine, verdrängt er den Sauerstoff – lautlos und blitzschnell. Die Folge: akute Erstickungsgefahr, ohne dass Betroffene etwas bemerken.

Sekunden entscheiden über Leben und Tod

Im aktuellen Fall scheint genau das passiert zu sein. Als die Rettungskräfte am Unfallort eintrafen, befanden sich beide Frauen bereits im Herzstillstand. Drei weitere Personen, die versucht hatten, Erste Hilfe zu leisten, mussten ebenfalls ins Krankenhaus gebracht werden – möglicherweise durch die Einwirkung des Gases. Insgesamt wurden rund 150 Personen aus dem Fitnessstudio evakuiert.

Wie die Polizei berichtet, war die betroffene Kryo-Maschine offenbar noch am selben Tag gewartet worden. Ob dabei ein folgenschwerer Fehler passiert ist, wird nun untersucht. Ein Sprecher der Pariser Staatsanwaltschaft erklärte gegenüber The Guardian, dass eine Autopsie und toxikologische Analysen durchgeführt würden, um die genaue Todesursache festzustellen.

Kein Einzelfall

So selten sie auch sind – Todesfälle im Zusammenhang mit Kryotherapie-Anlagen sind nicht völlig neu. Bereits 2015 kam es in Las Vegas zu einem ähnlichen Zwischenfall, bei dem eine Spa-Mitarbeiterin nach der Nutzung einer Kryo-Kabine an Sauerstoffmangel starb.

Diese tragischen Vorfälle werfen erneut die Frage auf, wie sicher solche Geräte wirklich sind – und ob die bestehenden Vorschriften ausreichen. Besonders brisant: In vielen Ländern gelten Kryotherapie-Angebote nicht als medizinische Anwendungen, sondern als Wellness-Dienstleistungen. Die Sicherheitsstandards sind dementsprechend oft weniger streng.

In Frankreich jedenfalls dürfte der aktuelle Fall eine Debatte über strengere Regelungen lostreten – und viele dazu bringen, die Risiken dieser vermeintlichen Wundertherapie kritisch zu hinterfragen.

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