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Wissenschaft

Sport oder Tabletten gegen Depression? Studie zeigt: Beides hilft – mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen

Bewegung als Therapie statt Medikamente? Eine neue niederländische Studie liefert handfeste Daten zum Vergleich zwischen Antidepressiva und sportlicher Betätigung bei Depressionen und Angststörungen – und zeigt: Beide Ansätze wirken ähnlich gut, aber nicht ohne Kompromisse.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Kopf hoch – mit Laufschuhen oder Pillen?

Antidepressiva gelten als bewährte Hilfe gegen Depressionen. Gleichzeitig wird Bewegung immer öfter als sanfte Alternative ins Spiel gebracht. Doch was wirkt wirklich besser – und für wen? Forscher:innen aus den Niederlanden wollten es genau wissen und haben in einer seltenen Direktvergleichsstudie Sport und Medikamente gegeneinander antreten lassen.

141 Patient:innen mit Depressionen oder Angststörungen nahmen teil. Sie konnten sich entweder einem strukturierten Laufprogramm anschließen oder ein Antidepressivum aus der SSRI-Klasse (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) einnehmen. Die Therapie lief über 16 Wochen – mit durchaus überraschenden Ergebnissen.

Gleiche Wirkung – unterschiedliche Nebenwirkungen

Am Ende der Studie zeigten beide Gruppen ähnliche Erfolge: Rund 44 % der Teilnehmenden galten als „in Remission“, also mit deutlich abgeschwächten oder ganz verschwundenen Symptomen. Die gute Nachricht: Bewegung wirkt genauso gut wie Tabletten – zumindest für einen Teil der Betroffenen.

Doch es gibt Unterschiede: Die Laufgruppe nahm im Durchschnitt ab, hatte bessere Blutdruckwerte und eine verbesserte Herzfunktion. Die Medikamentengruppe hingegen nahm tendenziell leicht zu, und auch der Blutdruck stieg leicht an. Sport brachte also nicht nur mentale, sondern auch körperliche Vorteile.

Ein Haken bleibt jedoch: Nur etwa 52 % der Teilnehmenden hielten das Laufprogramm konsequent durch – bei den Medikamenten waren es 82 %. Trotz aller Motivation fiel es vielen schwer, zwei Mal pro Woche joggen zu gehen.

Bewegung als Medizin – aber bitte mit Anleitung

Brenda Penninx, Professorin für Epidemiologie an der Vrije Universiteit Amsterdam und Studienleiterin, betont, dass beide Ansätze ihre Berechtigung haben. „Antidepressiva sind in der Regel sicher und wirksam. Aber nicht jede:r spricht darauf an – und nicht jede:r will sie nehmen“, erklärt sie in einer Mitteilung der European College of Neuropsychopharmacology (ECNP), wo die Ergebnisse vorgestellt wurden.

Sport sei daher eine wichtige Ergänzung im „Therapiearsenal“ – aber eben kein Selbstläufer: „Es reicht nicht, Patient:innen einfach zu sagen, sie sollen joggen gehen. Bewegung als Therapie braucht Anleitung, Betreuung und Motivation – genau wie wir es in unserer Klinik gemacht haben.“

Was heißt das für Betroffene?

Die Studie zeigt: Bewegung ist eine ernstzunehmende Option in der Behandlung von Depressionen und Ängsten – vor allem, wenn man die zusätzlichen körperlichen Vorteile betrachtet. Aber sie verlangt Disziplin, Struktur und Unterstützung. Medikamente hingegen sind einfacher umzusetzen, können jedoch unerwünschte körperliche Begleiterscheinungen haben.

Langfristig könnten Kombinationstherapien oder ein individuelles Anpassen der Behandlung der Schlüssel sein – je nach Lebenssituation, Motivation und Gesundheitszustand der Patient:innen.

Beides hilft – aber nichts hilft ohne Engagement

Ob Joggen oder Tablette – wichtig ist, dass überhaupt behandelt wird. Untätigkeit ist laut den Forschenden mit Abstand die schlechteste Option. Und auch wenn Sport viele Vorteile mit sich bringt, braucht es gezielte Programme, damit er wirklich wirkt.

Klar ist: Körperliche Aktivität tut dem Gehirn gut. Frühere Studien zeigten bereits, dass Bewegung – vor allem im Freien – nicht nur die Stimmung hebt, sondern auch die Schmerztoleranz erhöht. Ob sie Medikamente irgendwann ganz ersetzen kann? Das bleibt offen. Für den Moment gilt: Es kommt darauf an, was zu dir passt – Hauptsache, du gehst es an.

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