Zum Inhalt springen
Wissenschaft

Warum späte Workouts deinem Schlaf ernsthaft schaden können

Späte und intensive Workouts klingen nach Disziplin – doch laut einer neuen Studie mit über 14.500 Teilnehmenden ruinieren sie deinen Schlaf. Wer bis zu vier Stunden vor dem Zubettgehen heftig trainiert, schläft schlechter, kürzer und erholt sich schlechter.
Von Margherita Bassi Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Wer kennt es nicht: Der Arbeitstag zieht sich, der Heimweg nervt, das Kochen dauert länger als gedacht – und trotzdem willst du dir noch irgendwie dein Workout reinquetschen, bevor du endlich ins Bett fällst. Irgendwas ist besser als nichts, oder? Leider zeigt eine neue Studie: Wenn du abends zu spät und zu intensiv trainierst, versaust du dir wahrscheinlich deinen Schlaf.

Spät trainieren = schlechter schlafen

Eine internationale Gruppe von Forschenden hat über 14.600 Menschen ein ganzes Jahr lang beobachtet – inklusive deren Schlaf, Herzaktivität und Trainingsverhalten. Die Erkenntnis: Wer innerhalb von vier Stunden vor dem Schlafengehen noch ein intensives Workout durchzieht, braucht länger zum Einschlafen, schläft insgesamt kürzer und schlechter. Und auch auf die Herzgesundheit hat das Ganze Auswirkungen – etwa durch eine höhere nächtliche Ruheherzfrequenz und eine geringere Herzratenvariabilität. Beides gilt als Hinweis auf eine erhöhte Belastung des Körpers.

„Intensives Training am Abend kann den Körper in einen Zustand erhöhter Wachsamkeit versetzen. Genau deshalb raten viele Gesundheitsrichtlinien seit Jahren davon ab, zu spät Sport zu machen“, erklärt Josh Leota von der School of Psychological Sciences an der Monash University in einem Statement.

Frühere Studien? Eher fragwürdig.

Zwar gab es in der Vergangenheit einige Studien, die die Wirkung von Abend-Workouts relativierten. Laut Leota hinkten diese allerdings methodisch hinterher: zu wenige Teilnehmende, unrealistische Laborbedingungen und kaum Sportarten, die den Körper wirklich fordern.

Um das Ganze fundierter zu untersuchen, hat das Forschungsteam eine neue, deutlich umfangreichere Studie durchgeführt – veröffentlicht wurde sie kürzlich in der Fachzeitschrift Nature Communications. Dabei wurden die Teilnehmenden mit biometrischen Multisensor-Geräten ausgestattet. Das Ergebnis: vier Millionen erfasste Nächte voller Daten zu Schlafverhalten, Trainingszeiten, Intensität und Herzaktivität.

Alles berücksichtigt – mit klaren Ergebnissen

Bei der Auswertung berücksichtigte das Team zahlreiche Faktoren: Alter, Geschlecht, Wochentag, Jahreszeit, Fitnesslevel – und sogar, wie die Person in der Nacht zuvor geschlafen hatte. Und dennoch zeigte sich ein klarer Zusammenhang: Wer spät und heftig trainiert, hat einen schlechteren Schlaf und eine eingeschränkte nächtliche Regenerationsfähigkeit.

„Gerade abendliches Training mit hohem kardiovaskulären Stress scheint Schlafqualität, Ruheherzfrequenz und Herzratenvariabilität negativ zu beeinflussen – und damit einen wichtigen Teil des Erholungsprozesses zu stören“, so Elise Facer-Childs, Seniorautorin der Studie, ebenfalls von der Monash University.

Was gilt eigentlich als „intensiv“?

Zur Kategorie „intensives Training“ zählten in der Studie Workouts mit dauerhaft erhöhtem Puls, schneller Atmung, erhöhter Körperkerntemperatur und gesteigerter Wachsamkeit. Typische Beispiele: HIIT-Sessions, lange Joggingrunden oder ein hitziges Fußballspiel. Kurzum: alles, was den Kreislauf ordentlich auf Touren bringt.

Wer es trotzdem nicht anders hinbekommt, sollte es zumindest mit Low-Intensity-Training versuchen. „Leichte Bewegung wie ein gemütlicher Lauf oder eine entspannte Schwimmeinheit in den Stunden vor dem Schlafen kann helfen, den Körper zur Ruhe zu bringen und die Schlafqualität nicht zu gefährden“, rät Leota.

Fazit: Sport ja – aber nicht zu spät und nicht zu heftig

Die Studie bringt neue Klarheit in eine Debatte, die viele betrifft. Denn sie zeigt deutlich: Ein zu spätes und zu forderndes Workout kann sich negativ auf Schlafdauer, Schlafqualität und die nächtliche Regeneration des Körpers auswirken. Wer auf guten Schlaf angewiesen ist – und das sind wir letztlich alle – sollte abends lieber kürzertreten oder früher trainieren.

Also: Gönn deinem Körper abends die Chance, runterzufahren. Dein Schlaf (und dein Energielevel am nächsten Tag) wird es dir danken.

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel