Die Wahl von Leo XIV, dem ersten US-amerikanischen Papst der Geschichte, markierte einen Wendepunkt in der katholischen Kirche. Doch über das Symbolische hinaus begann sein Pontifikat mit einem kraftvollen Bekenntnis: einer offenen und direkten Kritik an der Migrationspolitik von Präsident Donald Trump und seinem derzeitigen Vizepräsidenten J.D. Vance. Und das tat er an einem unerwarteten Ort: seinem früheren Twitter-Konto.
Ein Papst mit öffentlichem Profil und ohne Angst, Stellung zu beziehen

Robert Francis Prevost, nun Leo XIV, nutzte bereits vor seinem Papstamt aktiv das soziale Netzwerk X (@drprevost). Auf diesem von vatikanischen Quellen bestätigten Konto teilte er theologische und gesellschaftliche Überlegungen – aber auch sehr klare politische Positionen.
Unter anderem sprach er sich für die „Dreamers“ aus – junge Migranten, die als Kinder in die USA gekommen sind. Im September 2017 retweetete Prevost die Aktivistin Helen Prejean zur Verteidigung dieser Gruppe und machte so seine Haltung für eine mitfühlende und gerechte Migrationsreform deutlich.
Die Nachricht, die das Netz in Brand setzte: Kritik an Trump und Vance
Auch als Pontifex hat Leo XIV seinen Ton nicht gemäßigt. Mit früheren Veröffentlichungen und aktuellen Kommentaren stellte der Papst die Massendeportationen Trumps sowie die Familientrennungen an der Grenze scharf in Frage. Seinen Worten zufolge seien diese Maßnahmen „unmenschlich und dem Evangelium zuwider“.
Pope Francis’ letter, JD Vance’s ‘ordo amoris’ and what the Gospel asks of all of us on immigration https://t.co/Ikk8gqOMzn
— Robert Prevost (@drprevost) February 13, 2025
Darüber hinaus kritisierte er Vizepräsident J.D. Vance offen dafür, restriktive Maßnahmen mit einer verzerrten Interpretation des Katholizismus zu rechtfertigen. „Das Evangelium dient nicht dazu, Türen zu schließen, sondern sie zu öffnen“, lautete eine der meistgeteilten Botschaften des Papstes, erneut veröffentlicht über seinen offiziellen Account.
JD Vance is wrong: Jesus doesn't ask us to rank our love for others https://t.co/hDKPKuMXmu via @NCRonline
— Robert Prevost (@drprevost) February 3, 2025
Geteilte Reaktionen in den USA

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Vom progressiven Lager und von Menschenrechtsaktivisten wurde seine Haltung als mutig und mit den Werten der Kirche vereinbar gefeiert. Doch der konservative Block, insbesondere Anhänger der MAGA-Bewegung, übte scharfe Kritik.
Einige bezeichneten ihn laut El Cronista als „Globalisten“ und stellten seine Rolle als geistlicher Führer infrage, weil er sich so offen in politische Themen einmischt. Leo XIV bleibt jedoch standhaft – mit einem Diskurs, der sich auf Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit und den Schutz der Schwächsten konzentriert.
As Trump & Bukele use Oval to 🤣 Feds’ illicit deportation of a US resident (https://t.co/t80iDMbBKf), once an undoc-ed Salvadorean himself, now-DC Aux +Evelio asks, “Do you not see the suffering? Is your conscience not disturbed? How can you stay quiet?” https://t.co/jTradMfr0v
— Rocco Palmo (@roccopalmo) April 14, 2025
Eine neue Ära für die Kirche
Weit entfernt von diplomatischem Schweigen verspricht das Pontifikat von Leo XIV eine Phase stärkeren gesellschaftlichen und politischen Engagements zu werden. Seine Botschaft zielt auf eine Kirche ab, die sich aktiv an öffentlichen Debatten beteiligt – besonders bei Themen wie Migration, Ungleichheit und Menschenrechten.
Der Vatikan verfolgt derweil aufmerksam, welche Auswirkungen diese Aussagen auf das Verhältnis zur US-Regierung haben könnten. Eines ist jedoch klar: Für Leo XIV schließen sich Glaube und Entschlossenheit nicht aus.