Zum Inhalt springen
Welt

Nordkorea und Südkorea führen einen unsichtbaren Krieg (und Kim liegt vorn)

Während die Raketen schweigen, tobt zwischen Nord- und Südkorea ein anderer Konflikt: ein Informationskrieg. USB-Sticks, K-Pop und Netflix-Serien treffen auf Repression, Hinrichtungen und überwachte Telefone. Und in diesem schusslosen Kampf scheint Kim Jong-un die Oberhand zu gewinnen.
Von

Lesezeit 2 Minuten

Der Krieg hat nie geendet – er hat nur die Front gewechselt

Obwohl Nord- und Südkorea 1953 einen Waffenstillstand unterzeichneten, wurde der Krieg nie offiziell beendet. Heute liegt die Front woanders: im Reich der Information. Es fallen keine Raketen, aber es gibt Popmusik, USB-Sticks mit ausländischen Serien und geheime Sendungen.

In den letzten Wochen hat Südkorea wieder Lautsprecher aktiviert, die gen Norden gerichtet sind – mit Musik und Botschaften über Freiheit. Nordkorea antwortet mit lauten Militärhymnen. Ein akustisches Duell, doch der wahre Kampf findet leise statt – im Verborgenen, im Untergrund oder im Dunkel der Nacht.

Die Waffen: K-Dramen, USB-Sticks und Radiowellen

2
© İrem Çilingir – Pexels

Seit Jahren schmuggeln Aktivisten und Überläufer USB-Sticks mit verbotenen Inhalten: Netflix-Dramen, BTS-Songs, Demokratie-Tutorials. Die Geräte gelangen in Obstkisten über die Grenze oder treiben in Flüssen – vorbei an Zäunen und Patrouillen.

Organisationen wie Unification Media Group stellen sorgfältig zwei Arten von Inhalten zusammen: „sichere“ Unterhaltung und hochgefährliches Bildungsmaterial. Ersteres weckt Neugier, Letzteres bedeutet Gefahr.

Und es wirkt. Viele Überläufer berichten, dass genau diese Serien ihr Erwachen waren. Freiheit, Wohlstand und Möglichkeiten auf dem Bildschirm führten dazu, das System zu hinterfragen – und in manchen Fällen zu fliehen.

„Ich habe bei einer südkoreanischen Serie geweint. Sie ließ mich von einem anderen Leben träumen“, erzählt Kang Gyuri, eine junge Frau, die 2023 mit einem Boot aus dem Norden floh.

Kims Gegenangriff: Hinrichtungen, Zensur und totale Überwachung

3
© Thomas Evans – Unsplash

Das Regime von Kim Jong-un ist sich der Bedrohung durch diese „kulturelle Invasion“ bewusst – und reagiert brutal.

Neue Gesetze verhängen Haftstrafen oder gar die Todesstrafe für den Konsum ausländischer Inhalte. Jugendliche werden hingerichtet, weil sie K-Pop-Videos auf ihren Handys haben.

Zudem patrouillieren sogenannte „Jugend-Repressionskommandos“ durch die Straßen. Sie bestrafen jeden, der südkoreanisch gefärbte Wörter benutzt, sich „westlich“ kleidet oder über ausländische Schauspieler spricht. Nordkoreanische Handys zensieren sich sogar selbst: Gibt man „oppa“ (älterer Bruder im K-Drama-Stil) ein, wird das Wort gelöscht oder ersetzt.

Auch der Schmuggel ist schwieriger geworden. Während der Pandemie verstärkte Nordkorea seine Grenze mit Elektrozäunen und neuen Patrouillen. Nur die Mutigsten wagen es noch, Informationen zu übermitteln.

Die USA ziehen sich zurück… und Nordkorea rückt vor

4
© Micha Brändli – Unsplash

Die meisten Initiativen, um Nordkoreaner zu informieren, wurden bislang von der US-Regierung finanziert. Doch mit der Rückkehr von Donald Trump an die Macht wurden zentrale Gelder für Medien wie Voice of America oder Radio Free Asia gestrichen.

Der Vorwand: Kürzungen bei „radikaler Propaganda“. Die Folge: Kim hat weniger Gegner auf dem Informationsfeld.

Aktivisten warnen, dass ohne diese Unterstützung der Informationskrieg zum Stillstand kommt. Und Südkorea scheint nicht bereit, die Führung zu übernehmen – der Konflikt ist zu politisiert. Der aussichtsreiche Präsidentschaftskandidat versprach sogar, die Lautsprecher abzuschalten, sollte er gewählt werden.

Eine stille, aber anhaltende Hoffnung

Trotz der Repression keimt kultureller Wandel. „Die Regierung kann nicht löschen, was schon in den Köpfen der Menschen ist“, sagen Aktivisten. Auch wenn es noch keine Massenproteste gibt, wächst etwas Neues: Jugendliche, die anders denken, träumen, vergleichen.

Und solange USB-Sticks weiter flussabwärts treiben, wird der stille Krieg andauern.

Quelle: BBC en Español

Diese Geschichte teilen

Verwandte Artikel