Vier neue Mini-Panzerträger im Zoo
Anfang April gab der Philadelphia Zoo bekannt, dass Mommy und ihr Partner „Abrazzo“ stolze Eltern von vier kleinen Schildkrötenbabys geworden sind. Für den Zoo ist das eine Premiere: Noch nie zuvor gab es hier Galápagos-Nachwuchs – und das nach 150 Jahren Zoogeschichte. Und wer weiß: Es könnten sogar noch mehr Jungtiere schlüpfen. Einige Eier sind noch nicht ausgebrütet.
Die Galápagos-Riesenschildkröten gehören zu den größten Schildkröten der Welt und stammen – der Name verrät es – von den Galápagosinseln vor der Küste Ecuadors. Sie können über 170 Jahre alt werden, zumindest in menschlicher Obhut. Die Westliche Santa-Cruz-Unterart ist dabei eine von 13 lebenden Unterarten – und sie gehört zu den am stärksten bedrohten.
Vom Jagdopfer zur Hoffnungsträgerin
Im 19. Jahrhundert schrumpfte die Population der Galápagos-Riesenschildkröten dramatisch – vor allem durch exzessive Jagd und eingeschleppte Tiere, die die Eier fraßen oder Lebensräume zerstörten. Heute gibt es dank intensiver Schutzprojekte wieder rund 20.000 Exemplare in freier Wildbahn. Die Westliche Santa-Cruz-Schildkröte steht dennoch weiterhin auf der Roten Liste der am stärksten gefährdeten Arten. Umso bedeutender ist jedes einzelne Jungtier.
Für Mommy war der Weg zur Mutterschaft lang – und ehrlich gesagt: ziemlich ungewöhnlich. Seit über 90 Jahren lebt sie bereits im Philadelphia Zoo. 2020 kam dann Abrazzo aus dem Riverbanks Zoo in South Carolina dazu – als Teil des Artenschutzprogramms der Association of Zoos and Aquariums (AZA). Die Hoffnung: Nachwuchs. Die beiden wurden quasi auf ein Blind Date gesetzt – mit Erfolg. Denn ab 2023 begann Mommy, Eier zu legen.
Die ersten drei Gelege waren allerdings erfolglos. Keine befruchteten Eier. Doch im November 2024 legte sie zum vierten Mal – und diesmal war es endlich soweit: Das Gelege enthielt befruchtete Eier, die auch erfolgreich ausgebrütet werden konnten.
Temperatur entscheidet über das Geschlecht
Bei Galápagos-Riesenschildkröten entscheidet die Temperatur während der Bebrütung über das Geschlecht der Jungen. Mommy legte 16 Eier, die das Zoo-Team gezielt bei verschiedenen Temperaturen vergrub, um eine möglichst ausgeglichene Verteilung zwischen männlichen und weiblichen Tieren zu erreichen. Die ersten vier geschlüpften Babys sind allesamt weiblich.
„Das ist ein riesiger Erfolg für unser Tierpflege-Team, das unglaublich engagiert daran gearbeitet hat, die perfekten Bedingungen für Mommy und ihre Eier zu schaffen“, sagt Lauren Augustine, Leiterin der Abteilung für Reptilien und Vögel im Zoo. „Das Ergebnis ist das Resultat jahrelanger Beobachtung, Forschung und intensiver Pflege. Und da Mommys Gene bisher nicht im AZA-Bestand vertreten waren, ist dieser Nachwuchs besonders wertvoll für den Fortbestand der Art.“
Nachwuchs mit Zukunft
Laut Philadelphia Zoo sind diese vier Schildkröten die ersten Nachzuchten dieser Art in einem AZA-zertifizierten Zoo seit 2019. In den gesamten USA gibt es aktuell nur 44 Westliche Santa-Cruz-Riesenschildkröten in zoologischen Einrichtungen – die vier Neuen sind also ein echter Hoffnungsschimmer für den Fortbestand dieser seltenen Unterart.
Und: Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Das erste Baby schlüpfte bereits am 27. Februar. Der Zoo beobachtet weiterhin mehrere Eier, die jederzeit schlüpfen könnten.
Große Enthüllung zum Jubiläum
Am 23. April will der Philadelphia Zoo die kleinen Schildkröten erstmals der Öffentlichkeit zeigen – pünktlich zum 93. Jahrestag von Mommys Ankunft im Zoo. Und das Beste: Die Namenswahl für die neuen Winzlinge soll der Öffentlichkeit überlassen werden. Wer also schon immer mal einer bedrohten Riesenschildkröte einen Namen geben wollte – jetzt ist die Chance gekommen.
Obwohl Mommy schon fast ein Jahrhundert auf dem Panzer hat, ist ihre Rolle als Mutter wohl noch längst nicht ausgespielt. Und eines ist klar: Mit ihrer Spätgeburt hat sie nicht nur Tiergeschichte geschrieben – sondern gibt auch Hoffnung für eine ganze Art.