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Wissenschaft

Kiffen oder naschen – Cannabis schwächt deine Arterien stärker als gedacht

Eine neue Studie warnt: THC, egal ob geraucht oder gegessen, kann dein Herz-Kreislauf-System massiv belasten.
Von Ellyn Lapointe Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Wer glaubt, dass Cannabis harmlos sei – vor allem in Form von Edibles – sollte sich die Ergebnisse einer aktuellen Studie genauer ansehen. Forschende der University of California, San Francisco (UCSF) haben herausgefunden, dass regelmäßiger Konsum von THC – unabhängig davon, ob man es raucht oder isst – die Funktion der Blutgefäße deutlich verschlechtert. Das Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle könnte dadurch steigen.

Herz unter Druck: Was die Studie zeigt

Die am 28. Mai im Fachjournal JAMA Cardiology veröffentlichte Untersuchung kommt zu einem klaren Ergebnis: Die Arterienfunktion bei THC-Konsument:innen ist im Schnitt halb so gut wie bei Menschen, die kein Cannabis konsumieren. Besonders stark betroffen waren die Raucher:innen, aber auch bei Edible-Nutzenden war die Gefäßfunktion deutlich reduziert.

„Wissenschaftlich ist das Ergebnis mit THC super spannend – aber es bringt die ganze Gesundheitskommunikation ins Wanken“, soll Studienmitautor Matt Springer zu seiner Kollegin Leila Mohammadi gesagt haben, als er die Daten sah.

Cannabis und das Herz – ein unterschätztes Risiko

Die Ergebnisse reihen sich in eine wachsende Zahl an Studien ein, die auf gesundheitliche Gefahren durch langfristigen Cannabiskonsum hinweisen. Schon eine Untersuchung aus dem Jahr 2024 im Journal of the American Heart Association hatte gezeigt, dass täglicher Konsum mit einem 25 % höheren Risiko für Herzinfarkte und einem 42 % höheren Risiko für Schlaganfälle einhergeht.

In der aktuellen Studie wollten die Forschenden konkret herausfinden, wie sich THC auf die Gefäßfunktion auswirkt. Dafür untersuchten sie 55 gesunde Erwachsene zwischen 18 und 50 Jahren, die weder Nikotin konsumierten noch regelmäßig Passivrauch ausgesetzt waren. Die Teilnehmer:innen wurden in drei Gruppen aufgeteilt: Cannabisraucher:innen, Edible-Konsument:innen und Nicht-Konsumierende. THC wurde in den Konsumgruppen mindestens dreimal pro Woche verwendet – jeweils ausschließlich in einer der beiden Formen.

Test mit Druck: So wurde die Gefäßfunktion gemessen

Um die Reaktion der Arterien auf veränderte Blutflüsse zu messen, nutzten die Forschenden eine bewährte Methode: Sie legten den Teilnehmer:innen eine Manschette am Unterarm an, um kurzzeitig den Blutfluss zu blockieren, und maßen anschließend per Ultraschall, wie stark sich die Oberarmarterie (Brachialarterie) weiten konnte.

„Wenn Blutgefäße nicht mehr richtig reagieren, erhöht sich langfristig das Risiko für Herzprobleme“, erklärte Studienleiter Springer gegenüber Live Science. Seine Methode biete „einen Blick in die Zukunft“.

Das Ergebnis: Bei Nicht-Konsument:innen weitete sich die Arterie im Schnitt um 10,4 %. Bei den Edible-Nutzenden lag der Wert nur noch bei 6,0 %, bei den Rauchenden sogar bei lediglich 4,6 %. Gesunde Werte liegen normalerweise zwischen 8 und 15 %.

Zum Vergleich: Frühere Studien aus Springers Labor zeigten ähnliche Einbußen bei Tabak- und E-Zigarettenkonsum.

Was macht THC mit unseren Zellen?

Um zu verstehen, was im Körper genau passiert, analysierten die Forschenden, wie die Blutproben der Teilnehmenden auf sogenannte Endothelzellen wirken. Diese Zellen kleiden unsere Blutgefäße aus und sorgen über Stickstoffmonoxid für deren Erweiterung. Die Blutproben der THC-Raucher:innen hemmten diese Funktion deutlich – was die schlechte Arterienreaktion erklären könnte.

Bei den Edible-Konsumierenden wurde dieser Effekt jedoch nicht beobachtet. Hier scheint ein anderer Mechanismus am Werk zu sein, der noch nicht vollständig verstanden ist. Weitere Studien sind nötig, um diese Unterschiede zu entschlüsseln – und um die Ergebnisse in größeren Bevölkerungsgruppen zu bestätigen.

THC im Alltag: Das Risiko steigt mit der Verbreitung

In den letzten Jahren ist der Cannabis-Konsum in den USA stark gestiegen – laut dem National Institute on Drug Abuse der NIH auf ein Rekordniveau. Umso wichtiger ist es laut den Forschenden, den gesundheitlichen Folgen von THC mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Denn auch wenn der Ruf von Cannabis als „sanfter Rausch“ nach wie vor weit verbreitet ist, zeigt die Datenlage immer klarer: Ganz so harmlos ist das Kraut wohl doch nicht.

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