In der zweiten Staffel von House of the Dragon gab es reichlich Drama auf dem Bildschirm: schmerzhafte Verrätereien, feurige Tode, mächtige Erwachungen, Reisen in die Geisterwelt, Aemond bleibt Aemond… was auch immer. Doch ein Streit hinter den Kulissen könnte all das übertroffen haben – als der Autor der literarischen Vorlage, George R. R. Martin, seine Unzufriedenheit über Änderungen in der HBO-Adaption öffentlich machte. Da Staffel 3 nun in Produktion ist, war klar, dass Showrunner Bryan Condal zu der Kontroverse befragt werden würde.
Zur Erinnerung: Im Juli 2024 veröffentlichte Martin einen Blogpost, in dem er eine neue Ergänzung in House of the Dragon lobte. Er mochte, dass der Serie ein treuer Hund an die Seite des Assassinen-Duos Blut und Käse hinzugefügt wurde – wenngleich er dies mit einer Warnung verband: „Ich bin normalerweise kein Fan davon, wenn Drehbuchautor*innen Figuren zur Vorlage hinzufügen, insbesondere nicht, wenn diese Vorlage von mir stammt.“
Genau diese Episode – die Auftaktfolge der zweiten Staffel, in der Blut und Käse den Kleinkind-Erben von König Aegon II. Targaryen töten – sorgte jedoch auch für Kritik von Martins Seite, allerdings wegen einer anderen Änderung an eben dieser Szene. Im August folgte ein weiterer Blogeintrag, in dem der Autor ankündigte, er werde sich mit „allem, was bei House of the Dragon schiefgelaufen ist“, beschäftigen. Wenige Tage später, Anfang September, ließ er dann tatsächlich die versprochene Kritik folgen – in einem Post, der kurz darauf wieder gelöscht wurde.
In dem inzwischen verschwundenen Beitrag erklärte Martin, er habe von Anfang an Bedenken gegen bestimmte Änderungen geäußert – insbesondere im Hinblick darauf, wie sich diese auf die zukünftige Entwicklung mancher Figuren auswirken könnten. Kurz darauf verteidigte Condal seine Entscheidungen im offiziellen House of the Dragon-Podcast von HBO. Wiederum wenige Tage später wurde Martin vom Hollywood Reporter zur Kontroverse befragt – nutzte die Gelegenheit aber stattdessen, um die kommende HBO-Adaption A Knight of the Seven Kingdoms in höchsten Tönen zu loben.
Seit Mitte September 2024 war es in dieser Sache ruhig – bis heute. In einem neuen Interview mit Entertainment Weekly nannte Condal Martins Kritik „enttäuschend“. Er sei nach wie vor ein Fan von A Song of Ice and Fire, und „an dieser Serie zu arbeiten, war wirklich eines der größten Privilegien meiner Karriere als Autor – und meines Lebens als Fan von Science-Fiction und Fantasy. George selbst ist ein Monument, eine literarische Ikone und ein persönliches Vorbild, das mich als junger Autor stark beeinflusst hat.“
Er verteidigte erneut die Entscheidungen, die im Zuge der Adaption von Buch zu Bildschirm getroffen wurden. Fire & Blood, so Condal, sei nicht wie A Game of Thrones und dessen Fortsetzungen als Roman geschrieben: „Es ist eine unvollständige Chronik, die viele Verbindungslinien und Erfindungen unterwegs erfordert. Ich kann nur sagen: Ich habe wirklich jede Anstrengung unternommen, George in den Adaptionsprozess einzubeziehen. Über Jahre hinweg. Und ich dachte, wir hätten eine lange, gegenseitig bereichernde und wirklich starke Zusammenarbeit gehabt.“
Das sei nun nicht mehr der Fall, so Condal weiter: „Irgendwann, je weiter wir voranschritten, war er einfach nicht mehr bereit, die praktischen Gegebenheiten auf eine vernünftige Weise anzuerkennen. Und ich denke, als Showrunner muss ich gleichzeitig meinen praktischen Produzenten-Hut und meinen kreativen Autoren- und Fan-Hut tragen. Am Ende des Tages muss ich nicht nur den Schreibprozess vorantreiben, sondern auch die praktischen Abläufe – für das Team, den Cast und HBO. Das ist mein Job. Also kann ich nur hoffen, dass George und ich eines Tages wieder zu einer gemeinsamen Harmonie zurückfinden. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.“
Das vollständige Interview mit Condal – inklusive einiger Hinweise auf neue Schlachten und Figuren in Staffel 3 von House of the Dragon – findet ihr bei Entertainment Weekly.