Ein offener Brief, der Hollywood erschüttert
Am vergangenen Donnerstag wurde ein Schreiben veröffentlicht, das von über 600 Mitgliedern der Academy unterzeichnet wurde. Darin wird der „brutale Übergriff“ und die „illegale Inhaftierung“ des palästinensischen Filmemachers Hamdan Ballal scharf verurteilt – Co-Regisseur des mit dem jüngsten Oscar ausgezeichneten Dokumentarfilms No Other Land. Unter den Unterzeichner:innen befinden sich prominente Namen wie Javier Bardem und Penélope Cruz, die sich entschieden gegen das richten, was sie als eklatante Ungerechtigkeit betrachten.
Im Brief heißt es, der Angriff auf Ballal sei nicht nur ein Angriff auf einen einzelnen Filmemacher, sondern auf all jene, „die unbequeme Wahrheiten erzählen und dabei extreme Risiken eingehen, um der Welt die Augen zu öffnen.“ Die Unterzeichner:innen kritisieren: „Es ist inakzeptabel, eine Organisation zeichne einen Film aus und verteidige anschließend dessen Schöpfer nicht, wenn sie in Gefahr geraten.“
Das Schweigen der Academy im Kreuzfeuer der Kritik
Der Ärger vieler Künstler:innen wurde noch größer nach dem offiziellen Statement der Academy, das erst einige Tage nach dem Vorfall veröffentlicht wurde. Darin verurteilte die Organisation allgemein jede Form von Diskriminierung gegen Kunstschaffende – ohne jedoch Hamdan Ballal oder den Film No Other Land namentlich zu erwähnen. Die Academy begründete ihre Zurückhaltung mit der Notwendigkeit, angesichts von rund 11.000 Mitgliedern mit unterschiedlichen Perspektiven vorsichtig mit politischen Stellungnahmen umzugehen.
Doch vielen Mitgliedern reichte das nicht aus. Sie empfanden die Erklärung als unzureichend und der Situation nicht angemessen. Deshalb verfassten sie eine eigene Antwort, in der sie ihre uneingeschränkte Unterstützung für Ballal und das gesamte No Other Land-Team zum Ausdruck bringen – und sich klar gegen jede Form von Verfolgung positionieren.
Die harte Realität hinter Ballals Festnahme
Yuval Abraham, Co-Regisseur des Films, erklärte, dass Ballal am 24. März nach einem Angriff durch jüdische Siedler von israelischen Soldaten festgenommen wurde. Laut Abrahams Bericht verbrachte Ballal die Nacht mit gefesselten Händen und verbundenen Augen in einem Militärstützpunkt, wo er von zwei Soldaten geschlagen wurde.
Die israelische Anwältin Lea Tsemel, die Ballal vertritt, erklärte, der Filmemacher sei gezielt angegriffen worden – als Reaktion auf die Wirkung seines Dokumentarfilms, der die Realität der palästinensischen Bevölkerung in den besetzten Gebieten anprangert. Nach einer internationalen Welle der Solidarität wurde Ballal am darauffolgenden Dienstag freigelassen.
Die Künstler:innen und Academy-Mitglieder, die Ballal unterstützen, versichern, dass sie wachsam bleiben und sich weiterhin für die Sicherheit ihrer Kolleg:innen einsetzen werden. „Wir lassen uns vom Schweigen nicht einschüchtern“, so ihr Versprechen.
Quelle: El Diario