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Tech

Google macht jetzt Filme – und will damit sein Tech-Image aufpolieren

Große Tech-Konzerne haben ein großes Imageproblem. Jetzt suchen sie Hilfe aus der Traumfabrik.
Von Laura Newcombe Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Ob Datenschutzskandale, politische Einflussnahme oder das Gefühl, von Algorithmen manipuliert zu werden – das Vertrauen in die Tech-Giganten hat in den letzten Jahren deutlich gelitten. Egal, ob links oder rechts: Viele Menschen stehen Big Tech zunehmend skeptisch gegenüber. Googles Lösung? Hollywood.

Der Konzern hat sich mit Range Media Partners (unter anderem verantwortlich für die Filme Longlegs und A Complete Unknown) für ein mehrjähriges Projekt namens 100 Zeros zusammengetan. Ziel: Filme und Serien – ob fiktional oder dokumentarisch – mitproduzieren oder finanziell unterstützen. Und zwar nicht aus reiner Kinolust: Google will damit die eigene Technologie pushen – und sich selbst gleich mit.

Technik zum Anfassen – oder besser: zum Anschauen

Laut Business Insider geht es Google in erster Linie darum, Kreativen den Einsatz neuer Technologien schmackhaft zu machen. Etwa mit der Immersive View-Funktion in Google Maps, die 3D-Ansichten ermöglicht, mit Tools für Mixed Reality oder mit KI-basierten Anwendungen. Entertainment soll helfen, diese Tech-Innovationen massentauglich zu machen.

Noch wichtiger aber: Google will sein Image aufpolieren – vor allem bei jungen Leuten. Und das funktioniert eben nicht mehr nur mit Werbekampagnen, sondern mit Popkultur. Mit Geschichten, mit Serien, mit Kino. Mit Emotionen.

Google im Abspann – aber ganz leise

Die Produktionsfirma 100 Zeros hat 2023 bereits bei Cuckoo mitgemischt, einem Indie-Horrorfilm mit Euphoria-Star Hunter Schafer. Zwar tauchte das Logo von 100 Zeros sogar im Vorspann auf – doch Google machte keinerlei Werbung mit dem Engagement. Ganz bewusst: Die Beteiligung sollte subtil bleiben.

Im April ging es dann einen Schritt weiter: Google kündigte mit Range das Projekt „AI on Film“ an. Die Idee: Kurzfilme produzieren, die das Verhältnis zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz kreativ aufgreifen. In den nächsten 18 Monaten sollen Ideen gesammelt, Filme umgesetzt und daraus – vielleicht – zwei Langfilme entwickelt werden.

Der Kampf gegen düstere KI-Narrative

Mira Lane, damals Director of Technology and Society bei Google, erklärte das Vorhaben gegenüber Variety: „Da KI zunehmend Teil unseres Alltags wird und nicht länger nur Science-Fiction ist, bieten narrative Filme die Möglichkeit, unsere Vorstellung vom Zusammenleben mit dieser Technologie auszuloten.“ Inzwischen ist Lane laut LinkedIn zur Vizepräsidentin für Technologie und Gesellschaft aufgestiegen. Ihr Ziel: dem Übermaß an dystopischen KI-Geschichten etwas Positives entgegenzusetzen.

Dass es dabei nicht nur um Kunst, sondern auch um gezielte Meinungsbildung geht, liegt auf der Hand. Wer die Geschichten erzählt, kontrolliert am Ende auch ein Stück weit, wie neue Technologien wahrgenommen werden.

Wer ist Range Media – und warum wird’s jetzt spannend?

Range Media wurde 2022 von Peter Micelli und Jack Whigham gegründet – zwei ehemaligen Schwergewichten der Agentur CAA (Creative Artists Agency). Auf ihrer Klientenliste: Regisseur Michael Bay, Schauspieler Bradley Cooper, Content-Creatorin Ilona Maher.

Doch hinter den Kulissen läuft nicht alles rund. CAA hat 2024 Klage gegen Range Media eingereicht – mit harten Vorwürfen: Die Firma soll vertrauliche Daten über Assistent*innen und Ex-Mitarbeitende entwendet haben, um gezielt Talente abzuwerben. Außerdem, so CAA, agiere Range Media faktisch wie eine Talentagentur, bezeichne sich aber als Managementfirma – um gesetzlichen Vorgaben und Auflagen der US-Autorengewerkschaft WGA zu entgehen. Damit würden sie bei lukrativen Deals profitieren, die „gesetzestreuen Agenturen“ nicht offenstünden.

Im Januar konnte sich Range Media immerhin eine vorübergehende Aussetzung des Verfahrens sichern. Wie es weitergeht? Könnte ein Film für sich sein.

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