Zum Inhalt springen
io9

Disney+ verliert 700.000 Abonnenten zum Jahresende 2024

Doch immerhin schreibt der Streaming-Dienst nun schwarze Zahlen.
Von Thomas Maxwell Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Die Zeiten des explosionsartigen Wachstums von Disney+ scheinen endgültig vorbei zu sein. Die Disney-Aktie fiel am Mittwoch leicht, nachdem das Unternehmen seine Quartalszahlen für die letzten drei Monate des Jahres 2024 veröffentlicht hatte. Diese Zahlen enthielten die Nachricht, dass der hauseigene Streaming-Dienst 700.000 Abonnenten verloren hat. Das Unternehmen rechnet mit weiteren „moderaten“ Rückgängen im Jahr 2025 – möglicherweise als Folge mehrerer aufeinanderfolgender Preiserhöhungen, verstärkter Maßnahmen gegen Passwort-Sharing und reduzierter Ausgaben für neue Inhalte.

Einen Lichtblick gab es dennoch: Hulu konnte 1,6 Millionen neue Abonnenten gewinnen. Disney+ zählt nun 124,6 Millionen Abonnenten, ein Rückgang gegenüber den vorherigen 125,3 Millionen, während Hulu auf 53,6 Millionen gestiegen ist (zuvor 52 Millionen). Trotz der schrumpfenden Nutzerzahlen übertraf Disneys Finanzbericht die Erwartungen. Das Unternehmen erzielte einen Gewinn von 1,76 US-Dollar pro Aktie bei einem Umsatz von 24,7 Milliarden US-Dollar. Analysten an der Wall Street hatten mit einem Gewinn von 1,43 US-Dollar pro Aktie bei einem Umsatz von 24,55 Milliarden US-Dollar gerechnet. Besonders erfolgreich waren die Disney-Freizeitparks, ein Vorteil, den die meisten anderen Streaming-Anbieter nicht haben, um ihre Einnahmen zu ergänzen.

Disney setzt auf Profitabilität statt Abonnentenwachstum

Seit Bob Iger 2022 als CEO zurückkehrte – offenbar, weil er sich nicht vollständig von der Macht trennen konnte – verfolgte er einen aggressiven Plan, um Disney+ profitabel zu machen. Sein Versprechen, dass der Streaming-Dienst bis Ende 2024 kostendeckend arbeiten würde, wurde eingelöst. Die letzten drei Monate des Jahres 2024 markierten bereits das dritte Quartal in Folge mit Gewinnen im Streaming-Geschäft. Doch um dieses Ziel zu erreichen, musste das Unternehmen finanzielle Disziplin walten lassen und seine Streaming-Dienste weniger attraktiv gestalten. Dazu gehörten Preiserhöhungen, die Einführung eines werbefinanzierten Abonnements sowie verstärkte Maßnahmen gegen Passwort-Sharing.

Disney+ wurde zudem von Fans kritisiert, die dem Unternehmen vorwarfen, mit zu vielen neuen Produktionen das Markenimage zu verwässern und eine regelrechte „Content-Müdigkeit“ zu erzeugen. Nach seiner Rückkehr an die Spitze kündigte Iger an, das Produktionsvolumen zu reduzieren, um die Qualität und Rentabilität des Streaming-Geschäfts zu steigern. Jahrelang hatte Disney enorme Summen in Inhalte investiert, um mit Netflix zu konkurrieren. Während Investoren dies zunächst akzeptierten, forderten sie schließlich, dass Unternehmen wie Disney und Warner Bros. aufhören, Geld zu verbrennen, und stattdessen endlich Gewinne erzielen.

Während Disney mit diesen Herausforderungen kämpft, wächst Netflix weiter und bleibt unangefochtener Marktführer im Streaming-Bereich. Das Unternehmen verzeichnete einen Rekordzuwachs von 19 Millionen Abonnenten im Jahr 2024 und überschritt damit die Marke von 300 Millionen zahlenden Nutzern. Netflix hat zudem mit der Einführung eines werbefinanzierten Modells und der Expansion in den Bereich von Live-Inhalten neue Erfolge erzielt – zwei Strategien, die früher undenkbar gewesen wären. Während Netflix also weiter an Wert gewinnt, wirken viele seiner Konkurrenten zunehmend wie Unternehmen, die ihre beste Zeit bereits hinter sich haben.

Disney+ hat ein Content-Problem im Vergleich zu Netflix

Das Hauptproblem für Disney+ und andere Streaming-Anbieter ist, dass ihre Bibliotheken im Vergleich zu Netflix deutlich kleiner sind und eine höhere Abwanderungsrate (Churn-Rate) aufweisen. Viele Nutzer abonnieren einen Dienst, schauen eine neue Staffel ihrer Lieblingsserie und kündigen dann wieder. Netflix hat dieses Problem nicht in demselben Maße, da es über eine riesige Auswahl an Inhalten verfügt und jährlich 17 bis 18 Milliarden US-Dollar für neue Produktionen ausgibt.

Ein weiterer Nachteil für Disney+ ist die eher eingeschränkte Zielgruppe: Der Dienst richtet sich primär an Kinder und Jugendliche, was seine allgemeine Attraktivität begrenzt. Wie oft wollen Erwachsene wirklich Die Simpsons erneut anschauen? Disney plant, 2025 rund 24 Milliarden US-Dollar für neue Inhalte auszugeben, allerdings entfallen 40 % davon auf Sportrechte – was bedeutet, dass die Investitionen in neue Serien und Filme möglicherweise sogar sinken.

Glücklicherweise bleibt Disney der unangefochtene Marktführer im Bereich Kinderunterhaltung und konnte 2024 nach mehreren Flops wie Lightyear und Strange World wieder einige erfolgreiche Filme veröffentlichen. Die äußerst profitablen Freizeitparks sorgen zudem für einen positiven Kreislauf: Kinder, die Disney-Filme sehen, wollen die Themenparks besuchen – und die Eintrittspreise sind mittlerweile beachtlich hoch.

Letztendlich sollte Disney+ nicht isoliert betrachtet werden, sondern als Teil einer größeren Unternehmensstrategie, die den Gesamtwert der Marke Disney stärkt. Zumindest für Eltern wird der Dienst wahrscheinlich weiterhin auf der monatlichen Kreditkartenabrechnung auftauchen. Zudem könnte ESPN+, Disneys anderer Streaming-Dienst, langfristig an Bedeutung gewinnen, da immer mehr Sportübertragungen ins Streaming verlagert werden.

Diese Geschichte teilen