Mehr als nur Mauern und Tempel: La Quemada in Zacatecas
Bis zu sechs Meter hohe Mauern, eine der längsten Ballspielplätze Mexikos und eine zwölf Meter hohe Zeremonialpyramide gehören zum Ensemble. Doch das, was Archäologen am meisten fasziniert, liegt im Verborgenen: die geheimnisvollen Feuerkrater, die über das Gelände verstreut sind. Viele dieser Gruben sind bislang weder ausgegraben noch untersucht, und Archäologen planen, ihre Studien auszuweiten, um dem Zweck dieser uralten Feuerstätten auf die Spur zu kommen.
Ein mythischer Ort – die mögliche Wiege der Azteken

La Quemada, im heutigen Bundesstaat Zacatecas gelegen, ist weit mehr als eine verlassene Stadtanlage. Einige Forscher bringen den Ort mit dem legendären Chicomóztoc in Verbindung – dem Ursprungsort der Mexika. Aufgrund seiner strategischen Lage diente La Quemada seit etwa 300 n. Chr. als wichtiger Knotenpunkt für nomadische Gruppen und erreichte seinen Höhepunkt um 800 n. Chr., als er stark befestigt wurde.
Die Nutzung des Ortes reichte bis etwa 1200 n. Chr. Nach der Aufgabe stießen die spanischen Eroberer auf verbrannte Ruinen – so entstand der heutige Name „La Quemada“ (Die Verbrannte). Die verbliebenen Strukturen zeugen von einer hoch organisierten Gesellschaft mit sowohl defensiven als auch zeremoniellen Funktionen.
Feuerstellen, die Jahrhunderte überdauerten
Obwohl La Quemada in verschiedenen Phasen erbaut wurde, zeigen archäologische Befunde, dass die mysteriösen Feuergruben über Jahrhunderte hinweg aktiv genutzt wurden. In einer aktuellen Studie wurden fünf Gruben – LQ1 bis LQ5 – analysiert, um deren Nutzungszeiträume zu bestimmen.
Dazu wurde Archäomagnetismus eingesetzt – eine Technik, die anhand der Ausrichtung magnetischer Mineralien in erhitztem Gestein datiert, wann dieses zuletzt starker Hitze ausgesetzt war. Diese Art von „fossilem Kompass“ liefert erstaunlich präzise Zeitangaben.
Die Ergebnisse zeigen:
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LQ4 und LQ5 waren zwischen 675 und 903 n. Chr. aktiv – in der Blütezeit des Ortes.
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LQ1 wurde zwischen 927 und 1101 n. Chr. entzündet – also nach Beginn des Niedergangs der Stadt.
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LQ2 könnte noch älter sein, jedoch sind die Daten unklar.
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Für LQ3 konnte keine verwertbare Information gewonnen werden.
Was war der Zweck dieser „ewigen Feuer“?
Die Theorien zur Funktion der Feuergruben sind vielfältig:
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Manche Forscher vermuten rituelle Zwecke, etwa im Zusammenhang mit Jahreszeiten oder landwirtschaftlichen Zyklen.
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Andere sehen in ihnen Zeremonialfackeln für nächtliche Feiern oder gar rituelle Abschiedsfeuer aus den letzten Tagen der Stadt.
Besonders aufschlussreich: LQ1, die Grube aus der Spätphase von La Quemada, befindet sich direkt neben der Votivpyramide. Dies legt nahe, dass das Feuer als kulturelles Widerstandssymbol oder als Ausdruck kollektiver Erinnerung diente – ein Mittel, um den Geist des Ortes bis zuletzt lebendig zu halten.
Die Forschenden fassen es so zusammen: „Das Feuer war vielleicht eine Form, die Erinnerung an diesen Ort lebendig zu erhalten.“ Die Unterschiede in der Nutzungszeit der einzelnen Gruben deuten zudem auf einen langsamen, schrittweisen Verfall der Stadt hin – ein Ende, das nicht abrupt kam, sondern zeremoniell begleitet wurde.
Quelle: Xataka