Rauchzeichen aus dem Vatikan
Nach dem Tod von Papst Franziskus im April 2025 trat erneut ein jahrhundertealtes Ritual in Kraft: das Konklave. In der Sixtinischen Kapelle versammeln sich die Kardinäle, um den neuen Oberhaupt der katholischen Kirche zu wählen. Das Ergebnis dieser geheimen Abstimmung wird nicht mit Mikrofon oder Liveticker bekannt gegeben, sondern mit Rauch. Weiß bedeutet: Habemus Papam. Schwarz heißt: Noch kein Ergebnis.
Was simpel wirkt, ist in Wahrheit ein fein abgestimmter chemischer Prozess. Denn diesen perfekten Rauch hinzubekommen, erfordert nicht nur symbolisches Fingerspitzengefühl, sondern auch pyrotechnisches Know-how.
Die Chemie hinter dem „heiligen“ Rauch
Rauch entsteht auf zwei Arten: durch Verbrennung (wenn ein Stoff nur teilweise verbrennt) oder durch Verdampfung (wenn eine Substanz erhitzt wird und dann als Nebel kondensiert). Beide Methoden erzeugen dichte Schwaden – aber der leuchtend weiße Rauch des Konklaves ist das Ergebnis einer ganz bestimmten Rezeptur.
Laut Chris Mocella, Pyrotechnik-Experte und Co-Autor von Chemistry of Pyrotechnics, basiert die klassische Mischung auf metallischem Zinkpulver und elementarem Schwefel. Bei der Reaktion entsteht Zinksulfid – ein dichter, strahlend weißer Rauch, der selbst aus großer Entfernung sichtbar ist.
Alternativ kommen auch Zinksalze oder phosphorhaltige Verbindungen zum Einsatz. Diese ziehen Wasser aus der Luft und verstärken so den milchigen Effekt. Zwar sorgt die Methode der Verdampfung für besonders reinen Rauch, doch aufgrund ihrer Komplexität entscheidet man sich im Vatikan wohl für die kontrollierte Verbrennung einfacher Mischungen. Sicher, altbewährt – und effektiv.

Schwarz wie die Ungewissheit
Doch was ist mit dem schwarzen Rauch, der anzeigt, dass sich die Kardinäle noch nicht geeinigt haben? Auch er ist kein Zufallsprodukt. Hier geht es darum, möglichst viel Ruß zu erzeugen – also unverbrannte Partikel, die die Luft dunkel färben. Dafür verbrennt man organisches Material unter Sauerstoffmangel – zum Beispiel Holz oder Stroh. Allerdings ist der Effekt nicht immer zuverlässig.
Deshalb kommen auch hier gezielte pyrotechnische Mischungen zum Einsatz, die garantiert dichte, tiefschwarze Schwaden produzieren. Der Trick: Je weniger Sauerstoff zur Verfügung steht, desto mehr Ruß entsteht – und desto dunkler der Rauch. Klingt einfach, ist aber Millimeterarbeit.
Warum kein bunter Rauch?
Rein technisch wäre farbiger Rauch machbar. Mit speziellen Farbstoffen ließen sich theoretisch auch rote, blaue oder grüne Schwaden erzeugen – indem die Pigmente erhitzt und vor der Verbrennung in der Luft kondensiert werden. Klingt spektakulär? Ist es auch. Nur leider auch sehr heikel.
Denn wenn die Temperatur zu hoch ist, verbrennen die Farbstoffe – und aus dem leuchtenden Blau wird ein tristes Grau. Wer bunte Signale erzeugen will, braucht daher absolute Präzision. Und davon rückt man im Vatikan lieber ab – der symbolische Minimalismus hat hier Priorität.
Feuerwerk unter Fresken? Eher nicht
Und was wäre, wenn der Vatikan sich irgendwann für eine kleine pyrotechnische Überraschung entscheiden würde? Ein paar Funken, vielleicht sogar ein Feuerwerk?
Rein theoretisch möglich – allerdings mit einem gewaltigen aber. Denn die spezielle Konstruktion der vatikanischen Rauchabzugsvorrichtung ist eher für diskrete Signale als für Spektakel gemacht. Der Schornstein ist mit einem Deckel versehen, und ohne dessen Entfernung würde jeder Versuch in einem bunten Chaos unterhalb der berühmten Fresken Michelangelos enden.