Was eigentlich eine tiefreligiöse Erfahrung sein sollte, verwandelte sich für einige Pilger in ein echtes Gesundheitsrisiko. In Großbritannien und Deutschland kam es zu mehreren schweren Cholera-Fällen – alle verbunden mit sogenanntem „heiligem Wasser“ aus Äthiopien. Die Quelle mit angeblich heilender Wirkung war offenbar mit multiresistenten Keimen verseucht. Die Behörden schlagen nun Alarm.
Der Ursprung: Eine heilige Quelle mit dunkler Nebenwirkung
Der Cholera-Ausbruch, der mindestens sieben Menschen in Europa betraf, konnte auf Wasser aus der „Bermel Georgis“-Quelle im Norden Äthiopiens zurückverfolgt werden – einem Ort, der unter Gläubigen als wundertätig gilt. Zwei Reisende hatten das Wasser während einer Pilgerreise in Plastikflaschen abgefüllt und mit nach Hause gebracht. Dort tranken sie es – und gaben es auch an andere weiter.
Insgesamt mussten sechs Personen in Großbritannien und Deutschland ins Krankenhaus, zwei davon sogar auf die Intensivstation. Glücklicherweise konnten sich alle Betroffenen wieder vollständig erholen.
Cholera – altbekannt, aber längst nicht verschwunden
Cholera wird durch das Bakterium Vibrio cholerae ausgelöst. Die meisten Infizierten zeigen keine oder nur milde Symptome – doch im schlimmsten Fall führt die Erkrankung zu massivem Durchfall und Dehydrierung, die unbehandelt tödlich enden kann. Weltweit erkranken laut Weltgesundheitsorganisation jedes Jahr Millionen Menschen an Cholera. Zwischen 21.000 und 143.000 Menschen sterben daran – besonders in Regionen mit schlechter Wasser- und Abwasserversorgung.
Obwohl sich die hygienischen Bedingungen global verbessert haben, kommt es seit einigen Jahren vermehrt zu Ausbrüchen – auch in Teilen Europas. Viele der europäischen Fälle sind „importiert“, das heißt, die Infektion wurde im Ausland erworben. Doch es gibt auch immer wieder lokale Ausbrüche durch kontaminierte Lebensmittel oder Wasser, das aus Risikogebieten stammt.
Der Fall Äthiopien: Pilgerort wird zur Infektionsquelle
Seit August 2022 grassiert in Äthiopien ein massiver Cholera-Ausbruch. Über 58.000 Menschen haben sich infiziert, mehr als 700 sind gestorben. Besonders betroffen ist die Region Amhara, in der auch die Quelle Bermel Georgis liegt.
Dort kam es im Februar 2024 zu einem neuen Infektionsschub – und offenbar wurde in diesem Zusammenhang auch das heilige Wasser der Quelle verunreinigt. Dieses Wasser gilt unter vielen Gläubigen als heilend und wird oft getrunken oder zur rituellen Reinigung verwendet. Dass genau dieses Wasser Cholera-Bakterien enthielt, macht die Geschichte umso brisanter.
So kam das Wasser nach Europa – und mit ihm die Keime
Die Gesundheitsbehörden in Deutschland registrierten Ende Februar die ersten auffälligen Fälle: Drei Menschen aus demselben Umfeld hatten sich mit Cholera infiziert – alle hatten Kontakt zu dem mitgebrachten Wasser aus Äthiopien. Zwei davon hatten es selbst getrunken, die dritte Person wurde mit dem Wasser im Gesicht benetzt.
Zur gleichen Zeit meldete auch Großbritannien vier vergleichbare Fälle. Drei Patienten waren zuvor selbst in der Region unterwegs, ein weiterer hatte das Wasser von einem Rückkehrer erhalten. Ein fünfter Fall mit choleraähnlichen Symptomen blieb mangels Testung ungeklärt. Genetische Analysen der Bakterien zeigten: Die Keime ähnelten bekannten afrikanischen Cholera-Stämmen – der Zusammenhang war damit eindeutig.
Multiresistent – aber nicht unbesiegbar
Besonders heikel: Die in diesen Fällen nachgewiesenen Cholera-Bakterien waren gegen mehrere Antibiotika resistent. Zum Glück schlugen Standardmittel noch an – doch der Trend zu multiresistenten Erregern sorgt bei Fachleuten für zunehmende Sorge.
Sechs der sieben Betroffenen mussten ins Krankenhaus, zwei davon in die Intensivstation. Alle konnten jedoch mit Flüssigkeitstherapie und Antibiotika erfolgreich behandelt werden.
Was Reisende jetzt wissen sollten
Dass sich Cholera durch mitgebrachtes Wasser über Landesgrenzen hinweg verbreitet, ist selten – aber eben nicht unmöglich. Die Forscher betonen: Für die Infektion war vermutlich eine besonders hohe Keimbelastung notwendig, die auch den Transport nach Europa überstanden hat.
Das Beispiel zeigt jedoch, wie wichtig Vorsicht im Umgang mit Nahrungsmitteln und Wasser aus Risikogebieten ist. Die Experten geben Reisenden folgende Tipps mit auf den Weg:
„Wer in cholera-gefährdete Regionen reist, sollte nur gekochte oder geschälte Lebensmittel essen, Trinkwasser nur aus sicheren Quellen konsumieren – also abgekocht oder abgepackt – und möglichst keine Nahrungsmittel oder Flüssigkeiten über Ländergrenzen transportieren“, schreiben die Autor:innen der Studie. „Bei heiligem Wasser ist die äußere Anwendung sicherer als das Trinken.“