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Welt

China zieht still und leise unter dem Meer die Fäden: Die Strategie, die die Weltkarte verändern könnte

Während andere Länder darum wetteifern, die ersten zu sein, die den Meeresboden ausbeuten, verfolgt China einen langsameren, aber strategisch durchdachten Plan. Mit internationalen Abkommen, in Entwicklung befindlicher Technologie und einem starken staatlichen Netzwerk bereitet sich das Land darauf vor, das Spielfeld der Tiefseebergbauindustrie zu dominieren – ganz ohne Eile … zumindest vorerst.
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Auch wenn China die kommerzielle Gewinnung noch nicht aufgenommen hat, legt es derzeit sorgfältig das Fundament, um die Führung im Tiefseebergbau zu übernehmen. Dabei geht es nicht nur um wirtschaftliche Interessen – Chinas Vorgehen ist zutiefst geopolitisch motiviert. In einer Welt, die nach strategischen Metallen hungert, will Peking sich einen entscheidenden Platz in der künftigen Ozeanwirtschaft sichern.

Langsame Vorbereitung mit langfristigem Ziel

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© DEFOnline.

Die Tiefsee birgt große Mengen an Kobalt, Nickel und Kupfer – allesamt Schlüsselrohstoffe für die Energiewende. Während Unternehmen wie das kanadische The Metals Company (TMC) bereits Genehmigungen zur Ausbeutung beantragt haben, zeigt sich China unbeeindruckt vom Zeitdruck. Laut Analyst Alex Gilbert geht es Peking nicht um Schnelligkeit, sondern um langfristige Kontrolle.

Statt zu überstürzen, schmiedet China strategische Allianzen mit pazifischen Inselstaaten – etwa den Cookinseln und Kiribati – und stärkt seine Präsenz in der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA), wo es bereits fünf der insgesamt 22 Explorationsverträge hält. Kein anderes Land verfügt über so große Vertragsflächen oder deckt ein so breites Spektrum an Ressourcen ab – darunter polymetallische Knollen, Krusten und Sulfide.

Technologie in der Entwicklung und ein globales Signal

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© Paz Pizarro, Jonathan Walter, Laurence Saubadu

Auch wenn China technologisch derzeit noch zwei bis fünf Jahre hinter TMC zurückliegt, verschafft ihm seine staatlich unterstützte Metallverarbeitungsinfrastruktur einen klaren Wettbewerbsvorteil. Mit Prototypen wie dem „Pioneer II“, der bereits erfolgreich in über 4.000 Metern Tiefe eingesetzt wurde, positioniert sich China dafür, künftig die gesamte Wertschöpfungskette – von der Förderung über die Raffinierung bis zur Kontrolle – strategisch zu beherrschen.

Chinas diplomatischer Schachzug unter Wasser

Chinas Strategie ist jedoch nicht nur wirtschaftlich-technisch – sie ist auch diplomatisch. Während Peking die Entscheidung der USA kritisiert, sich der ISA zu entziehen, inszeniert sich das Land als Verteidiger des internationalen Rechts. Diese Haltung verschafft China globalen Rückhalt und stärkt sein Image als verantwortungsbewusster Akteur – genau zu dem Zeitpunkt, an dem neue Einflusssphären in der Tiefsee entstehen.

Noch muss China keine Ressourcen vom Meeresgrund fördern. Aber falls sich das Machtgefüge verschiebt, will es nicht zusehen, wie andere die Partie gewinnen. Und alles deutet darauf hin, dass China – wenn es so weit ist – bestens vorbereitet sein wird.

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