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Welt

China schlägt zurück: Angebliche NSA-Hacker namentlich enttarnt

China nennt erstmals namentlich drei mutmaßliche NSA-Hacker – ein seltener, aber gezielter Konter auf US-Zölle und digitale Spionagevorwürfe. Die Aktion zeigt: Der Cyberkonflikt zwischen den Supermächten wird zunehmend öffentlich und persönlich.
Von Thomas Maxwell Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Ungewöhnlicher Schritt aus Peking

Anders als die Vereinigten Staaten, die regelmäßig mutmaßliche chinesische Cyber-Akteure anprangern, hält sich China in solchen Fällen meist bedeckt. Doch diesmal macht Peking ernst: Die Polizei in Harbin, wo die Winterspiele Anfang des Jahres stattfanden, veröffentlichte am Dienstag die Namen von drei angeblichen NSA-Agenten – Katheryn A. Wilson, Robert J. Snelling und Stephen W. Johnson.

Neben dem Angriff auf die IT-Systeme der Spiele wirft China dem Trio auch vor, Huawei ins Visier genommen zu haben. Das Tech-Unternehmen steht seit Jahren unter besonderer Beobachtung Washingtons und ist Ziel zahlreicher Handelsbeschränkungen.

Digitaler Gegenschlag statt Zoll

Die USA und China befinden sich in einem anhaltenden wirtschaftlichen Schlagabtausch, bei dem Zölle bislang das schärfste Schwert waren. Doch China scheint nun auf subtilere Taktiken umzuschwenken. Laut Experten ist das Outing der NSA-Leute weniger ein Sicherheitsleak als vielmehr ein bewusst gesetztes Signal: Wir sehen euch – und wir können euch beim Namen nennen.

„Das ist ein strategischer Move“, erklärt ein Analyst gegenüber Bloomberg. „China zeigt damit, dass die USA in ihren Spionageaktivitäten längst nicht so unsichtbar agieren, wie sie glauben.“ Dieses Vorgehen erinnere an das, was die CIA einst als „simple sabotage“ bezeichnete – kleine, aber gezielte Störaktionen, die einen Gegner aus dem Gleichgewicht bringen können.

Warnung an die USA

Solche Aktionen – etwa Attacken auf Unterseekabel, Zugverbindungen oder sensible Infrastrukturen – müssen nicht zwangsläufig massiven Schaden anrichten. Vielmehr geht es um demonstrative Nadelstiche. Eine Art stiller Warnschuss: Wenn ihr uns provoziert, dann schlagen wir zurück – nicht mit Panzern, sondern mit Tastaturen.

Cyberangriffe sind längst Teil eines größeren geopolitischen Schachspiels. Und sie dienen auch als Verhandlungsmasse. Wer zeigen kann, dass er Zugriff auf die digitalen Nervenbahnen des Gegners hat, schafft sich eine neue Ebene der Einflussnahme – besonders in angespannten Zeiten wie diesen.

270.000 Angriffe während der Winterspiele

Laut einem Bericht des chinesischen CVERC-Instituts vom 3. April registrierte China während der Winterspiele mehr als 270.000 Cyberangriffe, die Mehrheit davon stammte angeblich von IP-Adressen aus den USA. Die begleitende Illustration spricht Bände: Ein Mann im Uncle-Sam-Kostüm sitzt vor einer Tastatur, im Fadenkreuz – subtil ist anders.

Isaac Stone Fish, CEO der auf Risikoberatung spezialisierten Firma Strategy Risk, ordnet das Vorgehen so ein: „Die meisten chinesischen Reaktionen auf den Handelskrieg kommen nicht in Form von Zöllen. Sie passieren auf Ebenen, die auf den ersten Blick nichts mit Handel zu tun haben.“ Die öffentliche Bloßstellung der mutmaßlichen NSA-Agenten passe perfekt ins Bild.

Weitere Retourkutschen aus Peking

Die Aktion ist nicht die einzige Reaktion Chinas auf die wirtschaftlichen Spannungen: So wurden unter anderem Bestellungen bei Boeing auf Eis gelegt und die Ausstrahlung amerikanischer Blockbuster im Land zurückgefahren.

Donald Trump, der aktuelle US-Präsident, hat in Sachen Zölle einen Zickzackkurs eingeschlagen. Elektronikprodukte wie iPhones und Halbleiter sind aktuell zwar von den höchsten Strafzöllen ausgenommen, doch Trump hat bereits angedeutet, dass sich das bald ändern könnte.

Trumps verzerrtes Handelsbild

Während viele US-Bürger der Meinung sind, dass mehr Produktion zurück in die USA sollte und China sich unfair verhält, sieht die Realität komplexer aus. Die wenigsten Amerikaner wollen heute tatsächlich in Fabriken arbeiten – und der globale Handel bringt den USA wirtschaftlich enorme Vorteile, vor allem durch den Export von Dienstleistungen.

Trotzdem hält Trump an der Vorstellung fest, dass jedes Handelsdefizit automatisch ein Verlustgeschäft für die USA bedeutet. Unternehmen wie Apple haben bereits begonnen, ihre Produktion aus China abzuziehen – aber nicht in Richtung Heimat, sondern nach Vietnam oder Indien.

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