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ChatGPT merkt sich jetzt mehr – wenn du’s willst

OpenAI gibt seinem Chatbot ein Gedächtnis-Upgrade, das deinen Alltag erleichtert – und Datenschützer zur Weißglut treiben könnte.
Von Alex Cranz Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

ChatGPT bekommt ein neues Feature, das genauso praktisch wie umstritten ist: Ab sofort kann sich die KI dauerhaft an frühere Gespräche erinnern – vorausgesetzt, du aktivierst das neue Speicher-Feature. Für alle, die an größeren Projekten über mehrere Chats hinweg arbeiten oder einfach auf der Suche nach einem persönlichen KI-Gesprächspartner im Her-Style sind, klingt das erstmal genial. Für alle, die sich Sorgen um ihre Privatsphäre machen? Weniger.

So funktioniert die neue Chat-Historie

Bislang war’s ganz einfach: Was du ChatGPT gesagt hast, blieb im jeweiligen Chat. Öffnetest du einen neuen, war die KI wieder bei null – egal, ob du ihr vorher schon erzählt hattest, dass deine Lieblingsfarbe Gelb ist oder du an einem Science-Fiction-Roman arbeitest. Eine rudimentäre „Memory“-Funktion gab’s zwar schon, aber sie musste manuell aktiviert und gefüttert werden.

Mit dem neuen Update ändert sich das grundlegend – zumindest für zahlende Nutzer:innen. Wer ChatGPT Plus oder Pro abonniert hat, kann jetzt in den Einstellungen die neue Option „Chatverlauf verwenden“ aktivieren. Ist der Schalter einmal umgelegt, merkt sich die KI künftig automatisch, was du ihr erzählst – über mehrere Konversationen hinweg.

Praktisch? Auf jeden Fall. Beunruhigend? Auch.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Stell dir vor, du brainstormst heute eine Geschäftsidee, sprichst nächste Woche über Marketingstrategien und willst in zwei Monaten eine passende Website bauen. Mit aktivierter Erinnerung weiß ChatGPT beim zweiten und dritten Chat sofort, worum es geht – ganz ohne dass du alles nochmal erklären musst.

Andere KI-Modelle wie Claude von Anthropic oder Google Gemini bieten solche Funktionen schon länger. Nutzer:innen schwärmen von der „magischen“ Erfahrung, wenn die KI sofort wieder an vorherige Themen anknüpft. Gerade wenn man selbst ein Gedächtnis wie ein Goldfisch hat, kann das Gold wert sein.

Aber: Das Ganze funktioniert nur, weil ChatGPT deine Gesprächsinhalte speichert. Und das wiederum bedeutet, dass diese Daten – zumindest theoretisch – kompromittiert werden könnten, wenn dein Konto gehackt oder anderweitig missbraucht wird. In einer Welt voller Datenlecks und Sicherheitsbedenken ist das nicht gerade beruhigend.

Was, wenn du inkognito bleiben willst?

Keine Sorge: Auch das geht weiterhin. Wer ChatGPT lieber im „Privatmodus“ nutzen möchte, kann jederzeit einen temporären Chat starten – vergleichbar mit einem Inkognito-Fenster im Browser. Diese Gespräche werden nicht gespeichert und tauchen nicht in der neuen Langzeit-Erinnerung auf. Allerdings ist der Button für den temporären Modus etwas versteckt – und leicht zu übersehen.

OpenAI arbeitet außerdem daran, Nutzer:innen künftig mehr Kontrolle zu geben, welche Informationen gespeichert werden und welche nicht. Eine detaillierte Verwaltung der gespeicherten Erinnerungen ist bereits möglich, aber noch recht rudimentär.

Datenschutz? In der EU erstmal nicht

Wenig überraschend: Die neue Funktion ist nicht in der EU, Großbritannien, Island, Liechtenstein, Norwegen oder der Schweiz verfügbar – zumindest vorerst. Die Datenschutzbestimmungen in Europa sind deutlich strenger, und OpenAI hat offenbar noch keine Lösung gefunden, die mit der DSGVO konform ist. Alle anderen Plus- und Pro-User können das Feature ab sofort nutzen. Für Unternehmenskunden, Bildungseinrichtungen und Teams soll das Update später folgen.

Ob du das neue Gedächtnis bereits hast, erkennst du entweder an einem Popup mit dem Titel „Introducing new, improved memory“ oder in den Einstellungen unter „Personalisierung“.

Fortschritt mit Haken

ChatGPT wird schlauer, persönlicher – und ein Stück weit unheimlicher. Die neue Erinnerungsfunktion könnte vieles vereinfachen, von Arbeitsprozessen bis hin zu alltäglichen Unterhaltungen. Gleichzeitig stellt sich erneut die Frage: Wie viel von unserem digitalen Selbst wollen wir preisgeben – und wem?

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