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Hat Trump ChatGPT für seine neuen Strafzölle genutzt?

Nach dem überraschenden Zoll-Plan des US-Präsidenten fragt sich das Netz: Steckt da überhaupt eine wirtschaftliche Logik dahinter – oder war eine AI im Spiel?
Von Thomas Maxwell Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Am Mittwoch verkündete Präsident Donald Trump eine neue Runde weltweiter Zölle, die sofort für Aufsehen sorgte. Neben einem pauschalen 10-Prozent-Tarif gegen alle Länder sollen einzelne Nationen zusätzliche Zölle zahlen – abhängig davon, wie „unfair“ sie angeblich mit den USA handeln. Und schnell kam in sozialen Netzwerken die Frage auf: Woher stammen diese absurden Berechnungen eigentlich?

Eine Formel wie aus dem Baukasten – oder aus dem Chatbot?

Der Journalist und Ökonom James Surowiecki kam dem Geheimnis als Erster auf die Spur. Er rekonstruierte die Zahlen der Regierung und stellte fest: Wer das Handelsdefizit eines Landes mit den USA durch seine Gesamtexporte in die USA teilt und das Ergebnis halbiert, landet überraschend exakt bei den Strafzöllen aus dem Weißen Haus.

Das Weiße Haus widersprach dieser Darstellung und veröffentlichte eine eigene, angeblich komplexere Formel. Doch wie Politico berichtet, ist auch diese Version nur eine leicht aufgehübschte Variante von Surowieckis Methode.

Und es wird noch kurioser: Die Techseite The Verge stellte mehreren Chatbots (darunter auch ChatGPT) genau die Frage, wie man Handelsungleichgewichte „einfach“ lösen könne. Das Ergebnis: Alle schlugen fast exakt diese Formel vor.

AI statt Ökonomie?

Klingt absurd – ist aber nicht unmöglich. Chatbots geben oft Antworten, die populär, aber nicht fundiert sind.

„Man sollte bei jeder Chatbot-Antwort innerlich voranstellen: ‘Viele Leute sagen, dass…’“, so The Verge.
Denn AI-Modelle reproduzieren, was sie häufig im Internet sehen – unabhängig davon, ob es stimmt.

Dass die Trump-Regierung sich lieber auf Chatbots als auf Wirtschaftsexperten verlässt, wäre nicht das erste Mal, dass technologische Bequemlichkeit über gesunden Menschenverstand siegt. Erst kürzlich geriet das Weiße Haus in die Kritik, weil es Signal, eine Verbraucher-App, zur Kommunikation über sensible Kriegspläne genutzt hatte – ein Schritt, der angeblich vom technikaffinen Elon Musk inspiriert war. Auch Trumps DOGE-Initiative zur Kostensenkung setzt klar auf AI, um „unnötige Bürokratie zu ersetzen“.

Heard Island? Ernsthaft?

Dass bei der neuen Zollpolitik offenbar willkürlich gearbeitet wurde, zeigt ein weiterer Fakt: Auch unbewohnte Gebiete wie Heard Island tauchen auf der Sanktionsliste auf – obwohl dort kein Mensch lebt, geschweige denn Handel treibt.

Noch absurder: Australien, ein langjähriger Verbündeter der USA, wird mit Zöllen belegt – obwohl es mit den USA einen Handelsüberschuss hat. Sprich: Australien kauft mehr von den USA, als es dorthin exportiert. Wer die Liste überprüft hat, scheint sie nicht einmal gelesen zu haben.

Die große Missverständnis namens Handelsbilanz

Trumps Annahme, dass ein Handelsdefizit immer etwas Schlechtes sei, zeugt von einem grundlegenden Missverständnis moderner Volkswirtschaft. Die USA sind eine Dienstleistungsnation: Sie entwickeln Software, managen globale Lieferketten, entwerfen Produkte – und lassen die Produktion oft im Ausland erledigen.

Der Grund: Amerikaner wollen (und müssen) nicht die körperlich anstrengenden Jobs machen, also werden Konsumgüter importiert. Gleichzeitig genießen amerikanische Services weltweit große Nachfrage – von Netflix über Facebook bis zur Finanzwelt. Unterm Strich haben die USA einen Exportüberschuss im Dienstleistungssektor, selbst wenn sie bei physischen Gütern mehr importieren.

Doch Trump scheint zu glauben, dass Zölle die Industrialisierung in den USA wieder zum Leben erwecken – und dass das Abschieben von Migranten den Preis von Salat nicht beeinflusst. Eine Rechnung, die weder wirtschaftlich noch politisch aufgeht.

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