Hoffnung durch ein Gerücht – und der tiefe Fall danach
Alles begann mit einer Nachricht auf X (ehemals Twitter), die behauptete, Trump plane eine 90-tägige Pause seiner globalen Zollpolitik – mit Ausnahme Chinas. Die Information verbreitete sich rasant, und laut Business Insider ging sie ursprünglich von einem Account namens „Walter Bloomberg“ aus. Der Post bezog sich angeblich auf Kevin Hassett, den Leiter des Nationalen Wirtschaftsrats, der kürzlich bei Fox News über Trumps Wirtschaftskurs gesprochen hatte. Der Tweet: „HASSETT: TRUMP IS CONSIDERING A 90-DAY PAUSE IN TARIFFS FOR ALL COUNTRIES EXCEPT CHINA.“ Kurz danach wurde er gelöscht.
Mehrere Medien, darunter auch Reuters, griffen die Meldung kurzzeitig auf. In einer archivierten Version des Reuters-Artikels heißt es, Hassett habe im Interview erklärt, Trump erwäge eine zeitlich begrenzte Zollpause. Der Walter-Bloomberg-Account wiederum behauptete, seine Information stamme direkt von Reuters.
Die Märkte reagierten prompt: Binnen 34 Minuten schoss der Aktienmarkt um 8,5 % in die Höhe. Doch die Euphorie war nur von kurzer Dauer.
„Fake News“ – und der freie Fall beginnt
Wenig später meldete sich das Weiße Haus zu Wort – genauer gesagt der offizielle Trump-Kanal „Rapid Response 47“ auf X. Dort wurde das Gerücht mit einem schlichten: „Wrong. Fake News.“ dementiert. Die Börsenkurse brachen daraufhin massiv ein.
Ein Reporter von Bloomberg stellte schnell klar, dass der „Walter Bloomberg“-Account keinerlei Verbindung zur Nachrichtenagentur habe: „PSA: Do not rely on Walter Bloomberg X account. He doesn’t work for us and is not authorized by Bloomberg.“
Laut Barron’s könnte das Missverständnis auf einer unklaren Antwort Hassetts in dem Fox-Interview basieren. Auf die Frage, ob Trump eine Zollpause in Erwägung ziehe, antwortete Hassett kryptisch: „The president is going to decide what the president is going to decide.“ Was auch immer das heißen soll.
Meme-Märkte und Milliardenverluste durch verifizierte Trolle
„INSANE market action right now“, schrieb Bloomberg-Journalist Joe Weisenthal. „Ein Börsenboom von 8 %, dann ein Absturz von 3,5 % – alles innerhalb von Sekunden.“
Im Netz machten sich User über die Absurdität der Lage lustig. „S&P ist jetzt ein Memecoin“, schrieb ein Nutzer auf X. Ein anderer kommentierte: „Wenn ein erfundener Tweet Milliarden an der Börse verschiebt, weißt du, dass die Wirtschaft real ist.“
Kritik gab es auch an der „Verifizierung“ des Accounts. Seit Elon Musk X übernommen hat, können Nutzer durch eine monatliche Zahlung ein Häkchen erhalten – auch ohne journalistische Qualifikation. „Twitter lässt jetzt jeden für 8 Dollar im Monat wie eine verlässliche Quelle aussehen – und das hat gerade zu einem 4-Billionen-Dollar-Fehler geführt“, schrieb ein anderer Nutzer sarkastisch.
Trump: Panik ist für „Panicans“
Während die Wirtschaft Achterbahn fährt, gießt Trump selbst weiter Öl ins Feuer. Auf seiner Plattform Truth Social beschwört er Durchhaltevermögen und Stärke: „Don’t be Weak! Don’t be Stupid! Don’t be a PANICAN!“ Der Begriff „Panican“, eine Mischung aus „Panik“ und „American“, soll offenbar all jene diffamieren, die wegen der aktuellen Wirtschaftslage nervös werden.
„Die USA haben jetzt die Chance, etwas zu tun, das schon vor Jahrzehnten hätte geschehen sollen“, schreibt Trump. „Stärke und Geduld führen zu Größe.“
Digitale Gerüchte, echte Folgen
Der Vorfall zeigt einmal mehr, wie fragil die Finanzwelt auf digitale Fehlinformationen reagiert – besonders in einer Zeit, in der jeder Nutzer mit einem blauen Haken zur scheinbaren Nachrichtenquelle werden kann. Wenn ein einzelner Tweet Milliarden bewegt, ist das kein Meme mehr – sondern ein Systemfehler.