Wie Parkverantwortliche berichten, sind mindestens 50 Flusspferde sowie andere Großtiere dem gefährlichen Bakterium zum Opfer gefallen.
Die ersten Berichte über das Massensterben machten am Dienstag die Runde – laut Angaben der Parkleitung begann das Drama bereits in der vergangenen Woche. Die Kadaver wurden südlich des Eduardsees in einem Fluss entdeckt, wo sie leblos im Wasser trieben. Zwar haben Einsatzkräfte die betroffene Region inzwischen erreicht, doch bislang ist es ihnen nicht gelungen, die toten Tiere zu bergen oder zu bestatten.
„Die logistischen Bedingungen sind extrem schwierig“, erklärte Parkdirektor Emmanuel de Merode gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir könnten die Ausbreitung eindämmen, wenn wir die Kadaver mit Natronlauge vergraben könnten – aber uns fehlt derzeit der Zugang und die nötige Ausrüstung.“
Milzbrand, im Englischen als Anthrax bekannt, wird durch das Bakterium Bacillus anthracis ausgelöst. Die Erkrankung verläuft je nach Übertragungsweg unterschiedlich, besonders gefährlich ist jedoch die eingeatmete Form. Ohne schnelle Behandlung mit Antibiotika und Gegengiften verläuft diese Variante beim Menschen in der Regel tödlich. Genau wegen dieser Eigenschaft gilt Milzbrand auch als potenzielle Biowaffe.
Glücklicherweise ist die Krankheit bei Menschen sehr selten und wird meist durch den Kontakt mit infizierten Tieren oder kontaminierten Tierprodukten übertragen. Das Bakterium kann über Jahre hinweg als Spore im Boden überleben und bei günstigen Bedingungen reaktiviert werden – eine Gefahr sowohl für Tiere als auch für Menschen. Zwar gibt es Impfstoffe für Nutztiere und Risikogruppen wie Soldaten, doch immer wieder kommt es zu größeren Ausbrüchen unter Wildtieren.
Solche Fälle sind keineswegs neu: 2017 starben über 100 Flusspferde im Bwabwata-Nationalpark in Namibia vermutlich an Milzbrand. Ein Jahr zuvor tötete ein Ausbruch in Russland über 2.000 Rentiere und forderte das Leben eines zwölfjährigen Jungen. Auch 2004 gab es ein ähnliches Szenario: Damals verendeten rund 300 Flusspferde im Queen-Elizabeth-Nationalpark in Uganda.
Für den Virunga-Park ist der aktuelle Ausbruch ein herber Rückschlag. Jahrzehntelange Wilderei und anhaltende bewaffnete Konflikte hatten die Population der Flusspferde stark dezimiert – von einst rund 20.000 Tieren waren 2006 nur noch wenige Hundert übrig. Intensive Schutzmaßnahmen ließen die Bestände zwar langsam wieder wachsen, doch aktuell leben laut Reuters gerade einmal etwa 1.200 Flusspferde im Park. Der Verlust von Dutzenden Tieren in so kurzer Zeit trifft die Art empfindlich.
Zum Schutz der Bevölkerung hat das kongolesische Institut für Naturschutz vorsorglich dazu aufgerufen, den Kontakt mit Wildtieren zu vermeiden und Trinkwasser aus natürlichen Quellen vor dem Verzehr unbedingt abzukochen.
Wie es mit der Eindämmung des Ausbruchs weitergeht, hängt nun maßgeblich davon ab, ob logistische und finanzielle Hürden kurzfristig überwunden werden können. Klar ist: Der Kampf gegen Milzbrand ist kein Sprint, sondern ein hartes Rennen gegen die Zeit – für Tiere, Umwelt und Menschen gleichermaßen.