Der unterschätzte Fehler auf dem Etikett
Wusstest du, dass du möglicherweise völlig einwandfreie Lebensmittel wegwirfst, nur weil du das Haltbarkeitsdatum falsch verstehst? Trotz wachsender Sensibilität für Lebensmittelverschwendung ist genau das in vielen Haushalten noch Alltag. Der Auslöser: die oft falsch interpretierte Angabe auf der Verpackung.
Laut einer Studie der Organisation Too Good To Go, die sich dem Kampf gegen Lebensmittelverschwendung verschrieben hat, wirft jede Person in Spanien durchschnittlich 30 Kilo Essen pro Jahr weg – allein drei Kilo davon wegen Missverständnissen rund ums Haltbarkeitsdatum. Mehr als die Hälfte der Befragten hat schon einmal ein Produkt entsorgt, obwohl sie sich nicht sicher waren, ob es wirklich schlecht war. Besonders junge Erwachsene zwischen 18 und 34 Jahren haben Schwierigkeiten, die Unterschiede richtig einzuordnen.
Und die sind entscheidend: Die „Fecha de caducidad“ (Mindesthaltbarkeitsdatum) steht für das tatsächliche Ablaufdatum – danach kann der Verzehr gesundheitsschädlich sein. Die „Fecha de consumo preferente“ (Verbrauchsdatum) dagegen zeigt lediglich an, bis wann das Produkt seine optimale Qualität behält – danach kann es Geschmack oder Konsistenz einbüßen, ist aber oft noch völlig sicher zu essen.
Trotzdem verlässt sich rund 60 % der Verbraucher in Spanien ausschließlich auf das, was auf der Packung steht – und nicht auf den eigenen Geruchs-, Geschmacks- oder Sehsinn.
Die Lösung: Schau, riech, probier!
Genau hier setzt die Kampagne „Mira, Huele, Prueba“ (Schau, riech, probier) von Too Good To Go an. Seit 2021 ruft sie Verbraucherinnen und Verbraucher dazu auf, ihren Sinnen wieder mehr zu vertrauen. Statt stur aufs Datum zu schauen, soll man prüfen: Sieht das Produkt normal aus? Riecht es wie immer? Schmeckt es wie es soll?
Zur Unterstützung gibt es ein leicht verständliches Siegel – ein Icon mit Auge, Nase und Mund – das mittlerweile auf über 1.200 Produkten von Marken wie Danone, Bimbo oder Alpro prangt. Und es wirkt: 36 % der Befragten haben das Symbol bereits gesehen und nutzen es als Entscheidungshilfe, bevor sie etwas wegwerfen.
Die Initiative will vor allem eines: Konsumenten das nötige Wissen und Selbstvertrauen an die Hand geben, um nicht unnötig Lebensmittel zu verschwenden – und das ganz ohne moralischen Zeigefinger.

Smarte Apps statt volle Tonnen
Doch die Kampagne hört nicht beim Etikett auf. Auch digital gibt es clevere Lösungen gegen die Verschwendung. Über die App von Too Good To Go können Nutzer sogenannte „Überraschungspakete“ oder „Vorratsboxen“ zu stark reduzierten Preisen kaufen. Sie enthalten Produkte, die noch einwandfrei sind, aber kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehen oder am gleichen Tag nicht verkauft wurden.
Weltweit landen jährlich über 2,5 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Müll. Die Gründe sind vielfältig – aber wie viel davon könnten wir mit etwas mehr Aufmerksamkeit retten? Kampagnen wie Mira, Huele, Prueba zeigen: Nachhaltigkeit beginnt manchmal schon beim morgendlichen Blick in den Kühlschrank.