Das scheinbare „Vorhersehen“ der Zukunft durch ‚Die Simpsons‚ ist von einer Kuriosität zu einem kulturellen Phänomen geworden. Jedes Mal, wenn etwas Überraschendes passiert, findet jemand eine alte Folge, die es angeblich vorweggenommen hat. Der jüngste Stromausfall in Spanien und Portugal bildete da keine Ausnahme. Doch hinter diesen viralen Zufällen steckt etwas viel Interessanteres, das es wert ist, verstanden zu werden.

Der Mythos des Vorhersehens: von Springfield bis zur Iberischen Halbinsel
In den Tagen nach dem großen Stromausfall kursierten auf sozialen Netzwerken Szenen aus zwei alten Episoden der Serie. Eine davon ist ‚Der letzte Tag von Springfield‘ (1998), in der die Stadt nach einem nuklearen Unfall im Dunkeln versinkt. Eine andere, jüngere Folge heißt ‚Wie schön ist es, einen Fehler zu machen?‘ (2023), in der eine Springfield durch einen Brand in einem Kraftwerk zusammenbricht.
Obwohl weder Spanien noch Portugal erwähnt werden, reichte die Erzählung von katastrophalen Stromausfällen aus, um den Mythos zu befeuern. Die Viralität ist nicht auf die Präzision der Vorhersagen zurückzuführen, sondern auf unser Verlangen, in der Popkultur Verbindungen und Vorwegnahmen zu finden — auch wenn es nur gut inszenierte Zufälle sind.
Science-Fiction, Satire und Wahrscheinlichkeit: Die gelbe Formel
Geschichten über Stromausfälle sind keine neue oder exklusive Idee von ‚Die Simpsons‘. Serien wie ‚Blackout‘, ‚Der Kollaps‘ oder Filme wie ‚Der Horizont ist um die Ecke‘ haben bereits das Ressourcen-Desaster als Auslöser für Chaos genutzt. Ähnliche Themen finden sich in älteren Filmen wie ‚Der Dominoeffekt‘ oder ‚Blackout in New York‘.
Produzent Matt Selman erklärte, dass die Serie mit einem Cocktail aus historischer Beobachtung, narrativer Logik und einer Satire menschlicher Muster arbeitet. Mit anderen Worten: Sie erraten nicht die Zukunft, sondern interpretieren die Vergangenheit so scharf, dass sie das Offensichtliche vorwegnehmen. Hinzu kommt ihre Langlebigkeit: Mit über 700 Episoden sind Zusammenhänge unvermeidlich, was man als ‚Gesetz der großen Zahlen‘ bezeichnen könnte.
Warum wir immer glauben, dass ‚Die Simpsons‘ alles vorhergesehen haben

Der Wunsch nach Mustern und Kernthema
Das Phänomen der „Voraussagen“ gewann Anfang der 2000er Jahre an Fahrt, vor allem durch die kontroverse Interpretation eines Foliensatzes, der in einer Folge von 1997 gezeigt wurde. Darauf war eine 9 zu sehen, die die Zwillingstürme umrahmte — sogleich wurde daraus eine angebliche Anspielung auf den 11. September gemacht.
Seitdem ist die Erfolgsgeschichte gewachsen: die Präsidentschaft von Donald Trump, der Kauf von Fox durch Disney, Smartwatches, Videogespräche, Lady Gaga beim Super Bowl, die Higgs-Boson-Formel und sogar eine Pandemie asiatischen Ursprungs. All das hat den Kult um die Serie als postmodernes Orakel verstärkt.
Wenn Fiktion die Lücken der Realität füllt
Es geht hier nicht nur um Unterhaltung: In Momenten der Verwirrung suchen wir Sinn in vertrauten Geschichten. Serien und Filme bieten Narrative, die helfen, das Unverstehliche zu erklären. Wenn uns also ein echtes Ereignis überrascht, kehren wir zur Fiktion zurück, um es zu begreifen — und wenn ‚Die Simpsons‘ es „zuerst gesagt haben“, erscheint die Welt ein bisschen weniger chaotisch.
Quelle: Xataka