Wenn man alte Filmklassiker liebt, entdeckt man bei jedem Wiedersehen neue Details, die begeistern. Wenn man hingegen ein Studio-Boss ist, sieht man darin vor allem eines: eine Einnahmequelle. Genau nach diesem Prinzip wollen jetzt mehrere chinesische Filmstudios ihre Martial-Arts-Klassiker mithilfe von KI „wiederbeleben“.
Im Rahmen des Shanghai International Film Festivals kündigten sie am Donnerstag das von der Regierung unterstützte Projekt „Kung Fu Movie Heritage Project – 100 Classics AI Revitalization Project“ an. Darin sollen unvergessene Filme mit Legenden wie Bruce Lee, Jackie Chan und Jet Li dank Künstlicher Intelligenz in ein neues (ob das wirklich besser ist, sei dahingestellt) Gewand gehüllt werden.
Laut Hollywood Reporter erklärte Zhang Pimin, Vorsitzender der China Film Foundation, man wolle den Klassikern ein „zeitgemäßes Look-and-Feel“ verleihen.
An sich wäre es ja völlig legitim, alte Filme zu restaurieren oder in höherer Auflösung verfügbar zu machen. Doch was hier geplant ist, klingt eher nach Totalsanierung mit KI-Filtern. Beim Festival wurde unter anderem ein Trailer zu einer neuen KI-Version von John Woos Action-Klassiker A Better Tomorrow (1986) gezeigt – darin verwandelt sich Hauptdarsteller Chow Yun-fat in eine Cyberpunk-Figur. Das Ganze läuft jetzt unter dem Titel A Better Tomorrow: Cyber Frontier und wird großspurig als „weltweit erster vollständig KI-produzierter Animationsfilm“ beworben. Auweia.
Die Studios rufen gezielt KI-Animationsfirmen dazu auf, sich an dem „Revitalisierungsprojekt“ zu beteiligen – und stellen dafür einen Fördertopf von rund 100 Millionen Yuan (etwa 14 Millionen US-Dollar) zur Verfügung. Ziel sei es, die „visuelle Ästhetik“ der Filme neu zu formen und dabei „dem Original Respekt zu zollen“.
Geplant ist unter anderem die KI-Überarbeitung von Klassikern wie Bruce Lees Fist of Fury (1972), Jackie Chans Drunken Master (1978) und Jet Lis Once Upon a Time in China (1991) – alles Filme, die man auch heute noch problemlos im Original genießen kann. Die Stunts sind zeitlos, die Kameraführung immer noch brillant.
Wer diese Filme wirklich erleben will, braucht jedenfalls keinen KI-Filter: Sie sind auf vielen Streaming-Plattformen verfügbar – und wenn man Wert auf beste Bildqualität legt, gibt es etwa von Fist of Fury längst 4K-Blu-ray-Editionen. Also lieber das Original schauen, statt sich die KI-verwurstete Version anzutun.