Seit 1820 prägte die Papierfabrik das Leben in Ober-Schmitten. Generationen arbeiteten dort, die Maschinen liefen über 200 Jahre lang. Doch nun ist Schluss: Nach der Insolvenz im Dezember 2024 wird das Werk abgewickelt. Die letzte Papiermaschine wurde bereits im Januar abgeschaltet, bald folgt die Versteigerung des gesamten Inventars.
Das Ende einer Ära: Betrieb eingestellt, Jobs verloren

190 Menschen waren zuletzt in der traditionsreichen Fabrik beschäftigt. Ende November erhielten sie alle ihre Kündigung. Nicht jeder hat inzwischen eine neue Stelle gefunden – der Verlust wiegt schwer, zumal die Fabrik nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Identität und Geschichte bedeutete.
Bürgermeister Thorsten Eberhard brachte es gegenüber der Frankfurter Neuen Presse auf den Punkt: „So etwas ist für jeden Ort eine Katastrophe.“ Auch Ortsvorsteher Andreas Prasse betonte die Bedeutung des Werks für das Dorfleben – viele Familien waren über Generationen mit dem Betrieb verbunden.
Große Visionen – und das jähe Scheitern

Der letzte Eigentümer Ilkem Sahin hatte ambitionierte Pläne für die Modernisierung der Fabrik. Doch laut langjährigen Mitarbeitenden fehlte es an Realitätsbezug: „Für seine Vorstellung hätte er einen Oscar verdient“, kommentierte einer von ihnen ironisch.
Ein symbolisches Bild dokumentiert das Ende: Ein Foto im Büro des Betriebsleiters zeigt den Moment, als die letzte Papiermaschine endgültig zum Stillstand kam. Für viele ein emotionaler Augenblick – das Herz der Fabrik hörte auf zu schlagen.
Versteigerung im Juni: Maschinen, Mobiliar, Erinnerung
Im Juni 2025 können Interessierte das mobile Anlagevermögen besichtigen. Versteigert werden unter anderem Papiermaschinen, Rollenschneider, eine Gegendruckdampfturbine, Werkstattausrüstung und Büroeinrichtung. Auch das Gelände selbst wird demnächst veräußert – ein letzter Schritt im Kapitel der Abwicklung.
Die Stadt denkt darüber nach, das historische Areal unter Denkmalschutz zu stellen – ein Versuch, zumindest die Erinnerung an die industrielle Geschichte Ober-Schmittens zu bewahren.
Quelle: Chip.