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Traditionsfabrik nach fast 200 Jahren am Ende: Ober-Schmitten verliert seine Papierproduktion

Die Papierfabrik in Ober-Schmitten galt als Herzstück der Region – nun ist sie Geschichte. Nach der Insolvenz verlieren alle 190 Mitarbeitenden ihren Arbeitsplatz, das Gelände wird versteigert. Für das Dorf ist der Verlust nicht nur wirtschaftlich, sondern auch emotional ein Schock.
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Seit 1820 prägte die Papierfabrik das Leben in Ober-Schmitten. Generationen arbeiteten dort, die Maschinen liefen über 200 Jahre lang. Doch nun ist Schluss: Nach der Insolvenz im Dezember 2024 wird das Werk abgewickelt. Die letzte Papiermaschine wurde bereits im Januar abgeschaltet, bald folgt die Versteigerung des gesamten Inventars.

Das Ende einer Ära: Betrieb eingestellt, Jobs verloren

Traditionsfabrik nach fast 200 Jahren am Ende: Ober-Schmitten verliert seine Papierproduktion
© Unsplash – The Oregon State University Collections and Archives.

190 Menschen waren zuletzt in der traditionsreichen Fabrik beschäftigt. Ende November erhielten sie alle ihre Kündigung. Nicht jeder hat inzwischen eine neue Stelle gefunden – der Verlust wiegt schwer, zumal die Fabrik nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Identität und Geschichte bedeutete.

Bürgermeister Thorsten Eberhard brachte es gegenüber der Frankfurter Neuen Presse auf den Punkt: „So etwas ist für jeden Ort eine Katastrophe.“ Auch Ortsvorsteher Andreas Prasse betonte die Bedeutung des Werks für das Dorfleben – viele Familien waren über Generationen mit dem Betrieb verbunden.

Große Visionen – und das jähe Scheitern

Traditionsfabrik nach fast 200 Jahren am Ende: Ober-Schmitten verliert seine Papierproduktion
© Unsplash – Birmingham Museums Trust.

Der letzte Eigentümer Ilkem Sahin hatte ambitionierte Pläne für die Modernisierung der Fabrik. Doch laut langjährigen Mitarbeitenden fehlte es an Realitätsbezug: „Für seine Vorstellung hätte er einen Oscar verdient“, kommentierte einer von ihnen ironisch.

Ein symbolisches Bild dokumentiert das Ende: Ein Foto im Büro des Betriebsleiters zeigt den Moment, als die letzte Papiermaschine endgültig zum Stillstand kam. Für viele ein emotionaler Augenblick – das Herz der Fabrik hörte auf zu schlagen.

Versteigerung im Juni: Maschinen, Mobiliar, Erinnerung

Im Juni 2025 können Interessierte das mobile Anlagevermögen besichtigen. Versteigert werden unter anderem Papiermaschinen, Rollenschneider, eine Gegendruckdampfturbine, Werkstattausrüstung und Büroeinrichtung. Auch das Gelände selbst wird demnächst veräußert – ein letzter Schritt im Kapitel der Abwicklung.

Die Stadt denkt darüber nach, das historische Areal unter Denkmalschutz zu stellen – ein Versuch, zumindest die Erinnerung an die industrielle Geschichte Ober-Schmittens zu bewahren.

Quelle: Chip.

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