Deutschland zählt so wenige Tankstellen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Besonders in ländlichen Gegenden verschwinden immer mehr Zapfsäulen – und mit ihnen ein vertrautes Stück Alltagskultur. Doch die Ursachen sind vielfältig: wirtschaftlicher Druck, veränderte Mobilität, und eine Branche auf der Suche nach neuen Einnahmequellen.
Weniger tankstellen, mehr probleme für fahrer

Im Jahr 2024 verzeichnete Deutschland nur noch 14.377 Tankstellen – ein Rückgang um 75 im Vergleich zum Vorjahr. Was klein klingt, ist Teil eines jahrzehntelangen Trends: 1970 gab es noch über 46.000. Vor allem im ländlichen Raum wird die Lücke spürbar. Tankstellen verschwinden, die Wege werden länger – spontanes Tanken wird zur geplanten Fahrt.
Für Betreiber lohnen sich einzelne Zapfsäulen nicht mehr. Hohe Betriebskosten, geringe Margen und sinkende Spritverkäufe führen dazu, dass vor allem kleinere Stationen schließen. Übrig bleiben meist nur große Ketten mit Zusatzangeboten wie Waschanlage, Shop und Bistro.
Kaffee statt kraftstoff: wie tankstellen überleben wollen

Denn mit Sprit lässt sich kaum noch Geld verdienen. Ein Großteil des Preises geht an Steuern und Großhändler. Tankstellenbetreibern bleiben oft nur wenige Cent pro Liter – viel zu wenig, um alle Kosten zu decken.
Deshalb setzen viele auf das Shop-Geschäft: Snacks, Kaffee, Getränke – möglichst hochpreisig und impulsiv gekauft. Die Tankstelle wandelt sich zum Nahversorger. Während das E-Auto draußen lädt, wird drinnen geshoppt. Doch diese Rechnung geht nur begrenzt auf: Weniger als die Hälfte der Kunden greift regelmäßig ins Regal – meist nur in Notfällen, wenn keine Alternative verfügbar ist.
Autobahntanken: warum es dort besonders teuer ist
An deutschen Autobahntankstellen staunen viele über die Preise. Und nein: Nicht nur die Spritkosten treiben hier den Betrag nach oben. Der Hauptgrund ist oft ein anderer – die Konzessionsabgaben an den Staat. Betreiber müssen für jeden verkauften Liter eine Gebühr zahlen, allein für das Recht, dort zu stehen. Kombiniert mit langen Öffnungszeiten und hohem Personalbedarf summieren sich die Kosten – die am Ende der Kunde trägt.
Quelle: T-Online.