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Wissenschaft

RoboBee hebt ab – und landet jetzt auch butterweich

Stell dir vor, winzige Roboter-Bienen surren über Wildblumenfelder und helfen echten Bienen bei der Bestäubung. Klingt nach Science-Fiction?
Von Margherita Bassi Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Für Forschende an der Harvard University ist das längst Teil ihres Alltags. Seit Jahren tüfteln sie an der „RoboBee“ – einer mikroskopisch kleinen Flugdrohne, die eines Tages Katastrophengebiete überwachen, Umweltdaten sammeln oder Pflanzen künstlich bestäuben könnte. Doch bisher hatte die Mini-Biene ein großes Problem: Sie konnte nicht richtig landen.

Vom Sturzflug zur Punktlandung

Jetzt haben die Ingenieur*innen der RoboBee ein Upgrade verpasst: Sie besitzt vier filigrane Beine, inspiriert von der Kranichfliege – einem Insekt, das zwar aussieht wie eine überdimensionierte Mücke, aber völlig harmlos ist. Das Ergebnis: Statt wie ein Stein vom Himmel zu fallen, schafft es die RoboBee nun sanft und kontrolliert zu landen.

„Früher mussten wir den Antrieb kurz vor dem Boden abschalten und hoffen, dass sie irgendwie sicher aufkommt“, erzählt Christian Chan, einer der Studienautoren und Doktorand an der Harvard School of Engineering and Applied Sciences. Die neuen Beine und ein verbesserter Flugregler sorgen nun für eine kontrollierte Annäherung – und ein „sanftes Plumpsen“, wie es die Forschenden selbst nennen.

Warum Landen so schwer ist

© Harvard

Das Prinzip klingt einfach: Geschwindigkeit runter, Energie beim Aufprall abfangen – fertig. Doch bei einem Roboter, der nur 0,004 Unzen (also etwa 0,1 Gramm) wiegt und eine Spannweite von nur 3 Zentimetern hat, wird genau das zur Herausforderung.

Das Problem: Beim Flügelschlag erzeugt die RoboBee Luftwirbel, die kurz vor dem Boden für Instabilität sorgen – ein Effekt, der als „Bodeneffekt“ bekannt ist und selbst Helikopter vor Probleme stellt. „Nach dem Aufprall kommt es oft zu unkontrollierten Hüpfern oder zum Umkippen“, erklärt Nak-seung Patrick Hyun, ehemaliger Harvard-Forscher und mittlerweile Professor an der Purdue University. Er leitete die Landetests der RoboBee – unter anderem auf festen Oberflächen und sogar auf einem Blatt.

Kranichfliegenbeine als Stoßdämpfer

Die Lösung: lange, flexible Beine, die ähnlich aufgebaut sind wie die der Kranichfliege. Sie wirken wie kleine Stoßdämpfer und schützen die empfindlichen Piezoaktoren – das sind winzige Bauteile, die bei der RoboBee als künstliche „Muskeln“ dienen. Diese sind zwar leicht und effizient, aber auch sehr zerbrechlich. „Die flexiblen Beine helfen dabei, diese Aktoren bei einer Bruchlandung vor Schäden zu bewahren“, so das Team in der Publikation, die am Mittwoch in der Fachzeitschrift Science Robotics erschienen ist.

Der lange Weg zur fliegenden Allzweckwaffe

Die neuen Landebeine sind ein kleiner, aber entscheidender Schritt in der Evolution der RoboBee. Entwickelt wird sie unter der Leitung von Professor Robert Wood am Wyss Institute der Harvard University. Die Vision: eine vollautonome Mikro-Drohne mit eigener Energieversorgung, Sensorik und Steuerung. Die Forschenden sprechen von einer „heiligen Dreifaltigkeit“, die notwendig ist, damit aus dem Prototyp eine praktische Technologie wird.

Bis es so weit ist, muss die RoboBee aber noch viele Hürden überwinden: Wie bekommt man etwa genug Energie in ein so kleines System? Wie navigiert man durch dichten Bewuchs oder enge Räume? Und wie lassen sich Aufgaben wie Bestäubung oder Luftüberwachung präzise ausführen, wenn jeder Millimeter zählt?

Doch mit jedem neuen Detail, sei es ein verbessertes Flugverhalten oder robuste Miniaturmechanik, rückt das Ziel näher: eine RoboBee, die sich wie ein echtes Insekt bewegt, aber weit mehr kann als summen und stechen. Sie könnte helfen, Umweltkatastrophen schneller zu erkennen, Pflanzen in der Landwirtschaft gezielter zu bestäuben – oder einfach nur zeigen, was mit Technologie im Mikromaßstab alles möglich ist.

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