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Tech

Aria, der Roboter zum Verlieben? Was hinter der teuersten digitalen Gefährtin steckt

Ein humanoider Roboter sorgt gerade weltweit für Gesprächsstoff – nicht nur wegen seiner verblüffend realistischen Erscheinung, sondern auch wegen seiner Herkunft.
Von Martín Nicolás Parolari Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Aria, so heißt das neueste Modell der Firma Realbotix, will Einsamkeit bekämpfen und emotionale Nähe bieten. Doch ihr Aussehen, der hohe Preis und die Vergangenheit der Entwickler werfen kritische Fragen auf.

Zwischen Science-Fiction und sozialem Experiment

Aria misst etwa 1,70 Meter, bewegt ihren Kopf in leicht ruckartigen Bewegungen und kommuniziert mithilfe einer integrierten KI. Auf den ersten Blick erinnert sie an eine Hightech-Puppe aus einem Freizeitpark. Doch wer Aria erlebt, merkt schnell: Diese Maschine ist mehr als nur ein Gimmick – und nicht unbedingt weniger beunruhigend.

Ihr stark sexualisiertes Äußeres hat in sozialen Netzwerken sofort eine Welle an Kommentaren ausgelöst. Vergleiche mit den künstlichen Figuren aus der Serie Westworld ließen nicht lange auf sich warten. Und das kommt nicht von ungefähr: Aria stammt aus dem Hause Realbotix, einer Tochterfirma von Simulacra – jenem Unternehmen, das mit seinen luxuriösen RealDolls den Markt für Sexpuppen revolutioniert hat.

Heute will man mit diesem Image brechen. Laut Hersteller besitzt Aria keine Sexualorgane und wurde nicht für intime Zwecke konzipiert. Stattdessen soll sie Menschen Gesellschaft leisten, als digitale Assistentin fungieren oder gar als „virtuelle Freundin“ – ohne körperliche Nähe. Doch vielen fällt es schwer, diesen Kurswechsel ernst zu nehmen.

Hightech mit einem Hauch Vergangenheit

Technisch gesehen ist Aria beeindruckend: Ihre Augen sind mit Mini-Kameras ausgestattet, die nicht nur Objekte erkennen, sondern auch Details über ihre Gesprächspartner speichern. So kann sie persönliche Gespräche simulieren und Erinnerungen abrufen – fast wie Samantha aus Her.

Ihr Gesicht ist modular aufgebaut und lässt sich dank Magnetverbindungen in wenigen Sekunden austauschen. Auch der Körper besteht aus austauschbaren Komponenten, wodurch Aria auf unterschiedliche Anforderungen zugeschnitten werden kann – sei es im Hotelgewerbe, in der Werbung oder im Pflegesektor.

Doch diese Anpassungsfähigkeit hat ihren Preis: Das Komplettmodell schlägt mit rund 175.000 US-Dollar zu Buche. Für Sparfüchse gibt es eine sprechende Büste für etwa 12.000 Dollar oder eine „Reiseversion“ im Kofferformat – für 150.000 Dollar.

Trotz all dieser Möglichkeiten haftet Aria noch immer der Ruf der RealDolls an. Viele sehen in ihr nicht die Zukunft der Robotik, sondern eine aufpolierte Version eines alten Produkts – mit neuem Anstrich, aber gleicher Wirkung.

Eine neue Ära oder nur alter Wein in neuen Schläuchen?

Um sich endgültig von der Vergangenheit zu lösen, hat Realbotix mittlerweile juristisch zwischen seiner Robotik-Abteilung und dem Bereich für Sexspielzeug getrennt. Ziel: Neue Märkte, neue Investoren, neues Image.

Doch der Wandel gelingt nicht über Nacht. Aria bleibt teuer, polarisiert und weckt bei vielen eher Unbehagen als Begeisterung. Ist sie die Zukunft digitaler Begleitung – oder ein technisches Kunststück, das nie ganz aus dem Schatten seiner Herkunft treten kann?

In jedem Fall markiert Aria einen spannenden Moment in der Entwicklung sozialer Robotik. Zwischen Faszination und Fremdscham bewegt sie sich auf einem schmalen Grat – irgendwo zwischen realer Technologie und den unbequemen Fragen, die sie aufwirft.

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