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Wissenschaft

Neuer HIV-Schutz: FDA lässt bahnbrechendes Medikament Yeztugo zu

Zweimal im Jahr eine Spritze – und der HIV-Infektion effektiv vorbeugen: Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat jetzt das Präventionsmedikament Yeztugo offiziell zugelassen.
Von Ed Cara Übersetzt von

Lesezeit 2 Minuten

Am Mittwoch gab die US-Behörde FDA grünes Licht für das HIV-Präparat lenacapavir von Gilead Sciences, das unter dem Markennamen Yeztugo als neue Form der Präexpositionsprophylaxe (PrEP) auf den Markt kommt. Der Clou: Statt täglicher Tabletten genügt künftig eine Injektion alle sechs Monate, um sich wirksam vor einer HIV-Infektion zu schützen. In klinischen Studien zeigte das Mittel eine beeindruckende Schutzwirkung – und könnte die HIV-Prävention für Millionen erleichtern.

Doch noch mahnen Experten: Damit das Potenzial von Yeztugo voll zum Tragen kommt, müsse der Zugang zum Medikament breit und bezahlbar gestaltet werden.

„PrEP gehört zu den wichtigsten Instrumenten im Kampf gegen die HIV-Epidemie. Eine Spritze nur zweimal im Jahr wird es vielen erheblich erleichtern, langfristig dran zu bleiben“, betont Kevin Robert Frost, CEO der Stiftung amfAR für AIDS-Forschung, gegenüber Gizmodo. „Doch so wirksam dieses Medikament ist – entscheidend bleibt, dass es auch für alle erreichbar und finanzierbar ist.“

Bereits 2022 war lenacapavir in den USA als neuartiges antiretrovirales HIV-Medikament unter dem Namen Sunlenca zugelassen worden. Es gehört zu einer innovativen Wirkstoffklasse, die gezielt die Virus-Kapsidstruktur angreift – ein großer Fortschritt, insbesondere bei resistenten Infektionen. Doch die größte Chance des Mittels liegt womöglich in seiner präventiven Wirkung: dem Schutz vor einer Ansteckung von vornherein.

Studienerfolg mit 100 % Schutzrate

Vor rund einem Jahr veröffentlichte Gilead viel beachtete Ergebnisse seiner Phase-III-Studie PURPOSE 1: Bei cisgeschlechtlichen Frauen verhinderte die halbjährliche PrEP-Injektion von lenacapavir HIV-Infektionen vollständig – eine Schutzrate von 100 %. Weitere Studien zeigten ähnlich starke Resultate bei cisgeschlechtlichen Männern, trans Personen und nicht-binären Menschen: bis zu 99,9 % Schutz.

Der Erfolg war so bahnbrechend, dass das Fachmagazin Science die Entwicklung zum Forschungserfolg des Jahres kürte. Inzwischen prüft Gilead sogar, ob eine einzige Injektion pro Jahr ausreichen könnte.

Hohe Preise als Hürde?

So vielversprechend Yeztugo medizinisch auch ist – beim Preis zeigt sich die Kehrseite: Wie bei früheren HIV-Präparaten von Gilead könnte der Zugang am Ende am Geld scheitern.

Der Konzern ist seit Jahren in der Kritik, extrem hohe Preise für seine PrEP-Medikamente zu verlangen und sich gegen günstigere Alternativen zu wehren. Noch immer kostet etwa eine Monatspackung Truvada ohne Versicherungsschutz in den USA bis zu 2.000 Dollar.

NBC News berichtete am Mittwoch, dass Gilead für Yeztugo einen Listenpreis von stolzen 14.109 Dollar pro Injektion ansetzt – umgerechnet also rund 2.352 Dollar pro Monat. In seiner Mitteilung zur FDA-Zulassung erklärte Gilead zwar, man wolle „eng mit Versicherern und dem Gesundheitssystem zusammenarbeiten“, um eine möglichst breite Kostenübernahme zu erreichen.

Zudem sei ein Hilfsprogramm geplant, um den Eigenanteil für Berechtigte mit oder ohne Versicherung auf bis zu null Dollar zu senken.

Ob diese Zusagen am Ende reichen, um Yeztugo tatsächlich für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich zu machen – nicht nur in den USA, sondern weltweit – wird sich erst zeigen.

„Wir fordern Gilead und die US-Regierung auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, damit alle Menschen, die lenacapavir nutzen möchten, auch Zugang dazu bekommen“, so amfAR-Chef Frost.

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