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NASA streicht Diversitätsversprechen für nächste Mondmission

Unter der aktuellen US-Regierung hat die NASA klammheimlich ihr zuvor lautstark kommuniziertes Ziel aufgegeben, bei der nächsten Mondlandung im Rahmen des Artemis-Programms die „erste Frau und erste People of Color“ auf den Mond zu bringen.
Von Passant Rabie Übersetzt von

Lesezeit 3 Minuten

Noch vor Kurzem war auf den offiziellen NASA-Webseiten zu lesen, dass bei der Artemis-3-Mission – geplant für 2027 – erstmals eine Frau, eine nicht-weiße Person und ein internationaler Partner auf dem Mond landen sollten. Dieser inklusive Anspruch war ein zentrales Aushängeschild der US-Raumfahrtbehörde. Doch nun ist genau dieser Satz stillschweigend verschwunden, wie zuerst die Orlando Sentinel berichtete. Die Neuausrichtung spiegelt eine deutlich veränderte Prioritätensetzung unter Präsident Donald Trump wider, der seit seiner Rückkehr ins Amt eine klar ablehnende Haltung gegenüber Diversitätsinitiativen in Bundesbehörden vertritt.

Keine Spur mehr von Diversität auf den NASA-Webseiten

Wer heute die offiziellen Informationsseiten der NASA durchforstet, wird keine Hinweise mehr darauf finden, dass bei Artemis 3 gezielt eine Frau oder eine Person of Color auf dem Mond landen soll. Der ursprüngliche Wortlaut – „die erste Frau, erste Person of Color und ein internationaler Partner auf dem Mond“ – wurde vollständig gestrichen. Stattdessen wird nun lediglich allgemein von „Menschen“ gesprochen, die mit modernster Technologie neue Gebiete der Mondoberfläche erkunden sollen.

Die Entscheidung, diese Formulierungen zu entfernen, reiht sich ein in eine ganze Serie von Maßnahmen der NASA, um den neuen politischen Vorgaben aus dem Weißen Haus gerecht zu werden. Gleich nach Trumps Amtsantritt ordnete die Regierung an, dass alle Abteilungen und Programme, die sich mit Diversität, Inklusion, Chancengleichheit oder Barrierefreiheit beschäftigen, geschlossen oder eingestellt werden müssen. Kurz darauf erhielten NASA-Mitarbeitende die Anweisung, Begriffe wie DEIA (Diversity, Equity, Inclusion, Accessibility), Umweltschutzgerechtigkeit oder spezifische Frauenförderung vollständig von den Webseiten zu tilgen. Selbst das Anzeigen von Pronomen in E-Mail-Signaturen oder in Microsoft Teams ist seither untersagt.

Rückschritt statt Fortschritt?

Die stille Kehrtwende wirkt besonders hart, wenn man sich in Erinnerung ruft, wofür die Artemis-Mission ursprünglich stand: eine neue Ära der Raumfahrt, die nicht nur technologisch, sondern auch gesellschaftlich einen Schritt nach vorne gehen sollte. Noch 2023 hatte NASA mit Stolz die Besatzung von Artemis 2 vorgestellt – darunter der Astronaut Victor Glover, der bereits 2021 als erster Schwarzer für längere Zeit auf der Internationalen Raumstation ISS lebte. Ebenfalls Teil der Crew ist Christina Koch, die den Rekord für den längsten Raumflug einer Frau hält und 2019 gemeinsam mit Jessica Meir das erste All-Female-Spacewalk absolvierte.

Damals schien es klar: Diesmal sollte der Mond nicht nur von weißen Männern betreten werden – wie zu Zeiten des Apollo-Programms –, sondern von einem Team, das die Vielfalt der Menschheit widerspiegelt. Diese Vision scheint nun in weite Ferne gerückt.

Was bleibt vom ursprünglichen Plan?

Ob NASA trotz der Streichung der Formulierungen weiterhin eine diverse Crew für Artemis 3 plant, bleibt unklar. Bisher gibt es keine offizielle Stellungnahme dazu, ob die Auswahlkriterien der Astronaut*innen geändert wurden oder ob das ursprüngliche Vorhaben heimlich weiterverfolgt wird – ohne es öffentlich zu machen.

Sicher ist nur: Die symbolische Kraft eines vielfältigen Mondlandungsteams wäre enorm gewesen. Ein Meilenstein für Gleichberechtigung und Repräsentation – nicht nur in der Raumfahrt, sondern weltweit. Dass dieses Ziel nun offenbar geopfert wurde, um politischen Druck von oben nachzukommen, stößt vielen sauer auf.

Politik bremst Fortschritt

Die aktuelle Entwicklung bei der NASA zeigt einmal mehr, wie stark politische Strömungen den Kurs von Institutionen beeinflussen können – selbst in Bereichen wie Wissenschaft und Raumfahrt, die eigentlich überparteilich agieren sollten. Die stille Abkehr vom Diversitätsversprechen der Artemis-Mission ist ein deutliches Signal dafür, dass Gleichstellung in der aktuellen US-Politik keinen Platz mehr hat. Bleibt zu hoffen, dass die Vision einer inklusiven Zukunft im All nicht komplett verloren geht.

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