Ein Leuchtturmprojekt in der Wüste

Rund 120 Kilometer von Walvis Bay entfernt, wo die Namib-Wüste grau-braun das Land dominiert, beginnt ein neues Kapitel für Namibia: grüner Wasserstoff – produziert unter der glühenden Sonne des Landes. Die erste Produktionsanlage des deutsch-namibischen Unternehmens HyIron läuft seit März und macht Namibia zum weltweit ersten Land, das industriell CO₂-freies Eisen herstellt.
„Unser Ziel ist vor allem zu zeigen, dass es funktioniert“, sagt Johannes Michels, Geschäftsführer von HyIron.
Deutschland investiert, Namibia träumt
Möglich wird das Projekt durch Millionen aus Deutschland: Allein das Bundeswirtschaftsministerium fördert HyIron mit 13 Millionen Euro. Zwei weitere Projekte erhalten insgesamt 22 Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium. Hintergrund: Deutschland will seine Stahlindustrie dekarbonisieren – und Namibia bietet günstige Voraussetzungen: viel Sonne, Platz, günstiger Strom.
Doch ob sich daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell für Namibia ergibt, bleibt offen. Namibias Arbeitslosigkeit liegt bei 37 Prozent, die Hoffnung auf Jobs und Devisen ist groß – der Beweis für die langfristige wirtschaftliche Tragfähigkeit steht jedoch noch aus.
Groß denken: Wasserstoff als Motor der Industrialisierung?

Namibias Wasserstoffkommissar James Mnyupe denkt größer. Statt reiner Exporteur von „grünen Molekülen“ zu sein, sieht er Namibia als logistischen Knotenpunkt mit eigenen Lagerstätten, emissionsfreier Transportflotte und einer Industrie, die Wasserstoff selbst nutzt.
„Es geht nicht ums Klima, es geht um die Wirtschaft“, betont er. Seine Vision: weniger Abhängigkeit von ausländischen Abnahmeverträgen, mehr lokale Wertschöpfung.
Erste Schritte, große Pläne
HyIron zeigt: Es geht los. Die Anlage produziert 15.000 Tonnen grünes Eisen im Jahr – der Startschuss für eine geplante Steigerung auf 2 Millionen Tonnen bis 2030. Dann sollen 1.600 dauerhafte Arbeitsplätze entstehen. Erste Abnehmer wie der deutsche Autozulieferer Benteler sind gefunden.
Doch die Realität bremst
Noch fehlt Marktnachfrage, denn CO₂-intensive Stahlproduktion ist weiterhin günstiger. Langfristige Abnahmeverträge fehlen, warnen Experten. Der europäische CO₂-Grenzausgleich CBAM, der das ändern könnte, kommt frühestens 2034. Bis dahin, sagt der deutsche Wasserstoff-Beauftragte Rainer Baake, sei eine „Durststrecke“ zu erwarten.
Namibia zwischen Hoffnung und Abhängigkeit
Namibia sieht im Wasserstoff eine Chance – wirtschaftlich, sozial, strategisch. Doch bis das große Potenzial Realität wird, braucht es Verbindlichkeit, lokale Investitionen und internationale Solidarität. Denn die Gefahr bleibt: Dass Namibia nur Produktionsort bleibt, ohne dauerhaft zu profitieren.
Oder, wie es Wirtschaftsexperte Robin Sherbourne warnt:
„Wenn unsere Industrie hier von Deutschland abhängig ist und sich die Dinge ändern, besteht die Gefahr, dass wir hier auf unserer Industrie sitzen bleiben.“
Fazit: Namibia ist Vorreiter im globalen Wasserstoffmarkt. Doch ob daraus ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell für das Land entsteht, hängt nicht nur am grünen Molekül – sondern an politischen Rahmenbedingungen, mutigen Investitionen und fairen Partnerschaften.
Quelle: www.dw.de