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Wissenschaft

Mars-Überlebenskünstler entdeckt? Dieses Doppelwesen könnte dem roten Planeten trotzen

Eine neue Studie liefert überraschende Hinweise: Ein unscheinbares „Zweier-Team“ aus Algen und Pilzen könnte das harsche Klima des Mars überleben. Die Erkenntnisse wecken neue Hoffnung für die Astrobiologie – und werfen spannende Fragen für künftige Marsmissionen auf.
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Kein Sauerstoff, tödliche Strahlung, extreme Kälte: Der Mars ist kein Ort für zart besaitete Lebensformen. Und doch gibt es auf der Erde Organismen, die solchen Bedingungen erstaunlich gut standhalten – darunter eine Lebensform, die jahrzehntelang unterschätzt wurde. Ein polnisches Forschungsteam hat nun getestet, wie bestimmte Flechtenarten unter marsähnlichen Bedingungen reagieren. Das Ergebnis: überraschend lebendig.

Flechten im Härtetest: Leben am Limit

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Flechten, diese unscheinbaren Gebilde an Baumrinden oder Felsen, bestehen aus einer Symbiose von Pilzen und Algen. Der Pilz liefert Schutz und Struktur, die Alge produziert durch Photosynthese Nährstoffe – ein Überlebensduo mit jahrmillionenalter Erfolgsbilanz.

In einer aktuellen Studie der Jagiellonen-Universität Krakau, veröffentlicht in IMA Fungus, wurden zwei besonders robuste Arten – Diploschistes muscorum und Cetraria aculeata – fünf Stunden lang einer simulierten Marsumgebung ausgesetzt: UV- und ionisierende Strahlung, eisige Temperaturen, geringe Luftfeuchtigkeit.

Die Reaktion? Stoffwechselprozesse blieben aktiv, und die Flechten zeigten sogar Abwehrmechanismen gegen Strahlung. Laut Studienleiterin Kaja Skubała ist es das erste Mal, dass nachgewiesen wurde, wie der Pilzpartner einer Flechte auch unter Marsbedingungen lebensfähig bleibt.

Ein Schritt Richtung Leben auf dem Mars?

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Die Ergebnisse sind bedeutend für mehrere Forschungsbereiche:

  • Astrobiologie: Könnte Leben auf dem Mars – einst oder heute – existieren? Flechten bieten ein biologisches Modell dafür.

  • Raumfahrttechnik: Extremophile wie Flechten könnten langfristig bei der Entwicklung von Bioreaktoren oder Lebensraumsystemen helfen.

  • Terraforming-Ansätze: Wenn Organismen wie Flechten Marsbedingungen überstehen, könnten sie als erste „Pioniere“ zur Veränderung der Marsoberfläche beitragen.

Die Studie bleibt jedoch eine Simulation. Ob Flechten monatelanger Strahlung standhalten oder bei den realen Temperaturschwankungen von -150 bis +20 Grad Celsius auf dem Mars bestehen würden, ist noch ungewiss.

Was die Forschung jetzt braucht

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Weitere Studien sollen die Langzeitwirkung extremer Belastungen untersuchen – nicht nur für Flechten, sondern auch für andere Mikroorganismen. Besonders spannend: Wie entwickelt sich die DNA solcher Lebewesen unter Dauerstrahlung? Und welche Rolle könnten sie bei künftigen Marsmissionen spielen – sei es als Bioindikatoren oder als nützliche Mitreisende?

Fazit: Winzig, zäh – und ein Hoffnungsschimmer

Was auf Baumrinden gedeiht, könnte einst den roten Planeten mit Leben erfüllen: Flechten sind mehr als Naturdekoration – sie sind Überlebenskünstler mit kosmischem Potenzial. Die Erkenntnisse aus Krakau sind ein faszinierender Schritt in der Suche nach Leben jenseits der Erde. Und vielleicht wird eines Tages ein unscheinbares Doppelwesen aus Pilz und Alge das erste irdische Leben auf dem Mars repräsentieren.

Quelle: www.fr.de

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